Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2013

22:29 Uhr

Relegations-Rückspiel

Vestergaard sichert Hoffenheim den Klassenerhalt

Die Mannschaft von Markus Gisdol bleibt in der ersten Liga. Nach dem 3:1-Erfolg im Hinspiel gewinnen die Hoffenheimer auch auf dem Betzenberg. Jannik Vestergaard zerstört die Aufstiegsträume der Lauterer endgültig.

Hoffenheims Jannik Vestergaard (r) feiert seinen Treffer mit Teamkollege Sejad Salihovic. dpa

Hoffenheims Jannik Vestergaard (r) feiert seinen Treffer mit Teamkollege Sejad Salihovic.

KaiserslauternNach der Erstürmung der Festung Betzenberg lagen sich die Profis der TSG 1899 Hoffenheim jubelnd in den Armen und feierten das Happy End einer Seuchensaison. Mit dem 2:1 (1:0) im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Kaiserslautern machte der millionenschwere Dorfverein am Montagabend den Verbleib in der Fußball-Bundesliga perfekt und stürzte die Roten Teufel in tiefe Trauer.

„Wir waren sehr fokussiert und haben ganz wenig zugelassen. Wir waren über die zwei Spiele hinweg die bessere Mannschaft“, sagte Trainer Markus Gisdol, der von den mitgereisten Fans frenetisch als Retter gefeiert wurde, in der ARD. Überglücklich war auch der Sportliche Leiter Alexander Rosen. „Ich bin einfach nur erleichtert. Die letzten acht Wochen waren unfassbar intensiv. Wir waren dreimal weg vom Fenster, auch heute war es kritisch, aber die Jungs haben immer weitergemacht“, meinte er beim Pay-TV-Sender Sky.

Auf der Gegenseite weinte FCK-Vorstandschef Stefan Kuntz bittere Tränen. Der Schock saß tief bei den Pfälzern, da waren die minutenlangen Ovationen der eigenen Lauterer Anhänger nach Schlusspfiff nur ein schwacher Trost. „Die Mannschaft hat ein tolles Spiel abgeliefert. Hoffenheim hat mit ganz wenigen Situationen das Spiel für sich entschieden. Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, sagte FCK-Trainer Franco Foda und war beeindruckt vom eigenen Anhang: „Das macht Lust auf mehr. Das ist ganz großes Kino. Wir werden versuchen, in der nächsten Saison wieder aufzusteigen.“ Kuntz kündigte einen neuen Anlauf an: „Wir werden zwei, drei Tage brauchen, um das zu verpacken, um dann mit breiter Brust in die neue Saison gehen. Wir werden wiederkommen wie die Zecken.“

Vor 49 780 Fans im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion erzielten David Abraham in der 44. Minute und Jannik Vestergaard (74.) die Tore für die Hoffenheimer, die bereits das Hinspiel mit 3:1 für sich entschieden hatten. Der zwischenzeitliche Ausgleich von Alexander Baumjohann (65.) mit einem direkt verwandelten Freistoß war für Kaiserslautern zu wenig, um den Traum von der sofortigen Rückkehr ins Oberhaus wahr werden zu lassen. Während sich die Fans im Kraichgau auch im sechsten Jahr nacheinander auf Bayern München oder Borussia Dortmund freuen dürfen, geht es für den FCK in der kommenden Saison erneut nach Aalen und Paderborn.

Gegen den Bundesligisten erwiesen sich die Pfälzer, die auch im achten Duell mit dem Südwest-Rivalen sieglos blieben, als zu harmlos und konnten ihre vollmundigen Ankündigungen auf dem Rasen nicht in Taten umsetzen. Zwar machten die von ihren Fans frenetisch nach vorne gepeitschten Hausherren vom Anpfiff weg Dampf, in große Verlegenheit vermochten sie die Hoffenheimer aber nicht stürzen.

Zwar erarbeiteten sich die Pfälzer Feldvorteile, zu Chancen kamen sie jedoch kaum. TSG-Torwart Koen Casteels, der trotz einer im Hinspiel erlittenen Risswunde im Gesicht spielen konnte, verlebte eine insgesamt geruhsame Partie.

Dennoch verwandelte sich der Betzenberg nach einer halben Stunde erstmals in ein Tollhaus, als FCK-Keeper Tobias Sippel einen Foulelfmeter von Sejad Salihovic in großem Stil parierte. Es war erst der dritte verschossene Strafstoß des Bosniers in seiner Bundesliga-Karriere. Sippel hatte zuvor Kevin Volland von den Beinen geholt und dafür Gelb gesehen.

Es war der erste Aufreger in der Partie, die ansonsten wenig Strafraumszenen zu bieten hatte. Den Lauterern fehlte es an Esprit, um die sattelfeste TSG-Abwehr auszuhebeln. Auch Standards brachten keine Gefahr, weil es an der nötigen Präzision mangelte. Die Gäste beschränkten sich ihrerseits auf Ballkontrolle im Mittelfeld und wagten sich nur sporadisch nach vorne.

Wenn doch, brannte es lichterloh vor dem FCK-Tor. Nach einem Freistoß des schon in der 29. Minute für den früh verwarnten Stefan Thesker eingewechselten Sebastian Rudy bot sich erneut Salihovic die Chance zur Führung, doch Sippel parierte den Kopfball des Bosniers glänzend. Kurz vor der Pause durften die Gäste dann aber doch jubeln. Wieder kam Salihovic zum Kopfball, den Sippel an die Latte lenkte. Den Abpraller drückte Innenverteidiger Abraham über die Linie.

Der Schock des Gegentores zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt saß bei den Pfälzern tief. Hoffenheim kontrollierte das Geschehen nach dem Wechsel und hätte durch Volland auf 2:0 erhöhen können, doch erneut zeigte Sippel seine Klasse. Baumjohann sorgte noch einmal für Hoffnung, die Vestergaard eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem Kopfball ins lange Eck endgültig zunichte machte.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

W.S

27.05.2013, 23:44 Uhr

Der Kraichgau brennt heute Nacht.Herzlichen Glückwunsch Hoffe!
Nachher wird im Quints in Sinsheim Hoppi, Hoppi reiter gemacht,
die ganze Nacht durch.Markus Gisdol hat die Mannschaft durch
seine freundschafliche Art zu Helden gemacht. Fakt ist, dass 3
Hoffenheimer CL- Sieger wurden und wir eng mit Bayern
verbunden sind. Fazit: Mit Beleidigungen gegen Hoffenheim straft der Herrgott sofort ab. Also Vorsicht! Ob das große Geld von Großunternehmen kommt oder von einem Privatmann ist völlig egal. Hauptsache wir sehen schönen Fussball!
MfG
Walter Schmid

W.S

28.05.2013, 00:31 Uhr

Vestergaard ist Weltklasse. Mal gespannt wann er das erste Mal
für Dänemark in der A- Nationalmanschaft spielt. Er ist ein Fussballgenie. Solche Kämpfertypen braucht der Kraichgau.
Herr Tanner hat ihn entdeckt und gefördert. Schade, dass man ihn abserviert hat, zumal er auch Volland einkaufte. Ich danke ihm
für seine Arbeit in Hoffenheim.
MfG
Walter Schmid

HUKL

28.05.2013, 14:46 Uhr

Nach Rangnick, der die Hoffenheimer im ersten Bundesligajahr 2008 sogar zum Halbzeitmeister machte, hat der Club nach vielfacher unglücklicher Trainersuche endlich einen Hauptgewinn gezogen, Das weiß nicht nur der Verein selbst, sondern seine Art, der Umgang mit der Mannschaft und die Äußerungen vor den Fernsehkameras und Mikrofonen kommen nach seiner „Notinstallation“ Anfang April, abgeschlagen auf dem 17. Platz stehend und nur noch sieben Spiele bis zum Abschluss, bei allen Sportinteressierten bundesweit an. Der Milliardär Hopp hat im Hintergrund nach mehreren Fehlversuchen mit diesem M.Gisdol einen jungen Dirigenten am Spielfeldrand gefunden, der endlich auch die eigenen Talente möglichst schnell integrieren und den aufgeblähten Kader von fast 40 (!) Spielern zukünftig um die Hälfte reduzieren möchte.
Nachdem die sich schon aufgegebene Mannschaft mit ihren ebenfalls ständig gewechselten Funktionären nach dem Verschleiß der in dieser Saison bereits entlassenen Trainer Babbel, Kramer und Kurz, plötzlich an ihren früheren Übungsleiter der „Zweiten“ erinnerten, der auch schon bis Ende 2012 Assistent von H.Stevens auf Schalke war und diesen zurückholten, ging es endlich steil bergauf. Nach dem Motto des neuen Helden: “hart in der Sache, fair in der Art“, ist die erste Etappe der „Renovierung“ voll gelungen!
Im Kraichgau kann wieder durchgeatmet werden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×