Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2015

14:50 Uhr

Rennen um die Fifa-Krone

Uefa findet Ausfallkandidaten für Platini

VonHolger Alich

Wer wird Nachfolger von Fifa-Präsident Sepp Blatter? Die besten Aussichten hat ein Afrikaner. Der europäische Kandidat Michel Platini steht dagegen im Abseits. Nun wirft der Uefa-Generalsekretär seinen Hut in den Ring.

Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino (links) kandidiert für das Amt des Fifa-Präsidenten. Der Grund: Europa soll einen eigenen Kandidaten haben für den Fall, dass Uefa-Präsident Michel Platini (rechts) aus dem Rennen ausscheiden muss. dpa

Gianni Infantino und Michel Platini

Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino (links) kandidiert für das Amt des Fifa-Präsidenten. Der Grund: Europa soll einen eigenen Kandidaten haben für den Fall, dass Uefa-Präsident Michel Platini (rechts) aus dem Rennen ausscheiden muss.

ZürichUEFA-Generalsekretär Gianni Infantino kandidiert als siebter Kandidat für das Präsidentenamt des Fußball-Weltverbands FIFA. Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union habe einstimmig beschlossen, Infantino bei der Wahl am 26. Februar 2016 zu unterstützen, teilte die UEFA am Montag mit. Die Bewerbung des derzeit gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini ließ der Kontinentalverband unerwähnt.

Kurz vor Ende der Abgabe-Frist um Mitternacht hat das Kandidaten-Karussel um die Fifa-Spitze damit dramatisch an Fahrt gewonnen. Am Montag hatte das Exekutiv-Komitee des europäischen Fußballverbandes Uefa beraten, um für den Fall einer Sperre ihres Präsidenten Michel Platini am Wahltermin einen Ausfallkandidaten zu haben. Damit zeichnet sich quasi ein Kampf der Kontinente ab.

Die Afrikaner scharen sich hinter dem Südafrikaner Tokyo Sexwale. Der Präsident des asiatischen Verbandes, Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, dürfte ohne Zweifel viele Stimmen der asiatischen Verbände hinter sich wissen. Dieser war am Montag als sechster Kandidat in das Rennen um die FIFA-Präsidentschaft eingestiegen.

Fifa, DFB und der ISL-Skandal

Was ist ISL?

Ins Leben gerufen wurde die International Sport and Leisure (ISL) Mitte der 1980er-Jahre vom damaligen Adidas-Chef Horst Dassler. Die Schweizer Agentur war eine Tochtergesellschaft der ISMM-Gruppe, die mit den Rechten für die Fußball-Weltmeisterschaften handelte.

Was zahlte ISL?

Allein für die außereuropäischen TV-Rechte zur WM 2002 und 2006 zahlte die ISL der FIFA 1,4 Milliarden Franken. Aber auch die Olympischen Spiele sowie Tennis- und Motorsport-Wettbewerbe gehörten zum Portfolio.

Was passierte 2001?

Im Jahr 2001 ging die ISL bankrott. Der FIFA entstand dadurch ein Schaden von 51 Millionen Schweizer Franken – ein Verlust, der durch höhere neue Vermarktungseinnahmen später auf 36,9 Millionen Franken begrenzt werden konnte.

Wer folgte auf die ISL?

Die Fernsehrechte an der WM 2006 übernahm die Agentur Infront um Manager Günter Netzer und Gesellschafter Robert Louis-Dreyfus. Der Franzose soll dem DFB vor der WM 2006 das Geld für die kürzlich publik gewordene ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro geliehen haben.

Welche Rolle spielt Netzer?

Von Netzer will der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger laut einem aktuellen „Spiegel“-Bericht erfahren haben, dass das Geld zum Stimmenkauf für die WM-Vergabe genutzt wurde – Netzer bestreitet das.

Gab es Korruption?

In einem Strafprozess gegen die ISL wurden 2008 mehrere Zahlungen an hochrangige Sportfunktionäre bekannt, unter anderem der FIFA und des Internationalen Olympisches Komitees IOC. 138 Millionen Franken sollen zwischen 1989 und 2001 über eine Stiftung in Liechtenstein verteilt worden sein – offenbar, um sich die lukrativen Marketingrechte zu sichern.

Wer ist betroffen?

Der ehemalige FIFA-Präsident João Havelange erhielt demnach 1,5 Millionen Franken, Ricardo Teixeira als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees rund 12,7 Millionen Franken. Eine Strafuntersuchung gegen die FIFA wegen Korruptionsvorwürfen stellte die Schweizer Staatsanwaltschaft im Jahr 2010 gegen eine Zahlung von 5,5 Millionen Franken ein.

Was muss noch aufgeklärt werden?

Zwanziger forderte schon im Jahr 2012, dass auch die Rolle der ISL bei der WM-Vergabe 2006 untersucht werden solle. Dem „Spiegel“ zufolge nahm Zwanziger die ISL-Akte zudem zum Anlass, einen Anwalt prüfen zu lassen, ob er sich bei der 6,7-Millionen-Zahlung des DFB möglicherweise selbst strafbar gemacht hat - was dessen Gutachten zufolge nicht der Fall gewesen sein soll.

Der bahrainische Funktionär habe seine Bewerbung angekündigt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur BNA. Bis Mitternacht haben mögliche Anwärter noch Zeit, um die notwendigen Unterstützerstimmen von FIFA-Mitgliedsverbänden zu sammeln. 

Der südafrikanische Unternehmer Tokyo Sexwale hat die Unterstützung des südafrikanischen Fußballverbandes. Er genießt als Weggefährte von Nelson Mandela einen guten Ruf. Sexwale kündigte an, dass er am Montag die nötigen Papiere für seine Kandidatur bei der Fifa einreichen will. 

Um für die Nachfolge des suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter zu kandidieren, müssen Anwärter Unterstützungsschreiben von mindestens fünf nationalen Fußballverbänden haben. Afrika hat insgesamt 54 Fußballverbände. Diese Hürde scheint für Sexwale, der im Rohstoffgeschäft zu Reichtum gekommen ist, also leicht nehmbar. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×