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30.01.2017

13:23 Uhr

Rettig kritisiert DFL und DFB

„Mir fehlt da die Fußballseele“

Mangelt es in der DFL und beim DFB an fußballerischer Fachkompetenz? Beide Verbände werden vom Ex-Liga-Chef Andreas Rettig scharf kritisiert. Er reagiert damit auf das Ausscheiden von Hansi Flick als DFB-Sportdirektor.

Der ehemalige DFL-Chef bemängelt fehlenden fußballerischen Sachverstand bei der DFL und dem DFB. dpa

Andreas Rettig

Der ehemalige DFL-Chef bemängelt fehlenden fußballerischen Sachverstand bei der DFL und dem DFB.

BerlinDer frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hat die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund kritisiert. „Nicht nur für die DFL, auch für den DFB gilt: Mir fehlen dort generell fußballfachliche Interessensvertreter“, sagte der heutige Geschäftsführer des Zweitliga-Letzten FC St. Pauli dem Fachmagazin „Kicker“ (Montagausgabe).

DFL-Präsident Reinhard Rauball wies die Vorwürfe zurück. „Die DFL ist sowohl mit Blick auf das Präsidium und den Aufsichtsrat als auch in Bezug auf die Geschäftsleitung sehr gut aufgestellt“, sagte er in einer Stellungnahme. „Zudem werden die regelmäßig tagenden Sportmanager aller Clubs vor wichtigen Entscheidungen im sportlichen Bereich einbezogen“. Konstruktive Vorschläge seien bei der DFL immer willkommen, sich jedoch als außerparlamentarische Opposition zu gefallen, diene nicht der Sache, höchstens der eigenen Profilierung.

Bundesliga-Report 2017: Die Saison 2016/17

Umsatz Bundesliga

Die nächste Rekordmarke ist geknackt: In der Saison 2015/16 erlösten die 18 Bundesligaklubs zusammen erstmals über drei Milliarden Euro. 3,24 Milliarden Euro bedeuten im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 622 Millionen Euro, beziehungsweise 23,7 Prozent.

Umsatz 2. Bundesliga

In Liga 2 steht ein Umsatz von 608,3 Millionen Euro zu Buche – ein plus von 20,6 Prozent.

Umsatz insgesamt

Alle 36 Klubs aus Bundesliga und 2. Bundesliga zusammen erlösten damit die Rekordsumme von 3,85 Prozent – ein Plus von 23,2 Prozent.

Gewinn

Mit 206,2 Millionen Euro nach Steuern liegt der Gewinn der 18 Bundesligisten viermal so hoch wie im Vorjahr. 16 der 18 Klubs erwirtschafteten einen Gewinn. Weniger rosig das Bild in der 2. Bundesliga: Hier belief sich der Gewinn auf 1,3 Millionen Euro – im Vergleich zu 5,4 Millionen Euro im Vorjahr. Elf von 18 Klubs machten Gewinn, 2014/15 waren es noch 16.

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Die 36 deutschen Klubs und ihre Angestellten zahlten zusammen 1,13 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, sowie an Sozial- und Unfallversicherung. 152,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum – der deutsche Fiskus nahm also durch den Profifußball erstmals mehr als eine Milliarde Euro ein.

Zuschauer

12,9 Millionen Zuschauer hatte die Bundesliga 2015/16 – erstmals seit zwei Saisons fällt die Zuschauerzahl damit knapp unter die Marke von 13 Millionen. Der Schnitt bleibt aber bei über 42.000 Stadionbesuchern pro Spiel. In die Stadien der 2. Bundesliga kamen 5,8 Millionen Besucher, ein Rekordergebnis. Insgesamt kamen damit 18,79 Millionen Fans, der zweitbeste Wert nach 2011/12 (18,81 Millionen).

Dauerkarten

Nach einem leichten Rückgang in der Vorsaison (10,19 Millionen Stück nach 10,32 in 2013/14) steigt die Zahl der Dauerkarten für Bundesliga und 2. Bundesliga 2015 wieder auf 10,59 Millionen Stück an.

Sicherheit in Stadien

14.058 Menschen arbeiteten in der Saison 2015/16 im Umfeld der Spiele für private Wach- und Sicherheitsdienste – 2014/15 waren es 13.021.

DFL-Fazit

„Der deutsche Profifußball setzt seinen erfolgreichen Weg fort. Er zeigt sich ökonomisch stark, höchst populär und gesellschaftlich engagiert“, urteilt die DFL in ihrem Report. „Ein stabiles Fundament, das durch nachhaltiges Wachstum entstanden ist.“

Als Beleg für seine Kritik hatte der 53-jährige Rettig das Ausscheiden von Hansi Flick als DFB-Sportdirektor genannt. „Es zeigt, welche Kompetenzen dem Sportdirektor beim DFB eingeräumt wurden oder eben nicht. Und bei der DFL ist seit meinem Ausscheiden der Sport nicht mehr im Range des Geschäftsführers verankert.“

Er bemängelte weiter, dass nach den Weggängen des heutigen Vorstandschefs des Hamburger SV, Heribert Bruchhagen, und des mittlerweile zum U21-Auswahltrainer ernannten Stefan Kuntz weitere Fußball-Kompetenz im DFL-Präsidium verloren gegangen sei. „Mir fehlt da die Fußballseele. Und das ist für mich eine grundsätzliche Problematik in den Verbänden“, sagte er.

DFL-Präsident Rauball erwiderte: „Es ist falsch und nicht hinnehmbar, wenn ohne jede inhaltliche Begründung das angebliche Fehlen einer ,Fußball-Seele' bei der DFL öffentlich beklagt wird.“ Rettig war von 2013 an DFL-Geschäftsführer. Anfang 2015 schied er freiwillig aus. Seit September 2015 ist er beim FC St. Pauli.

Von

dpa

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