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21.09.2014

19:17 Uhr

Rheinisches Derby

Ein beinahe friedliches Null zu Null zwischen Köln und Gladbach

VonThorsten Giersch

Viel Aufregung vor dem Anpfiff, aber viel Leerlauf auf dem grünen Rasen: Das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach bot Emotionen, aber keine Tore. Für den großen Aufreger sorgte ein Nationalspieler.

Christoph Kramer platzte 20 Minuten vor Schluss der Kragen: Er ließ sich nach einem Zusammenprall zu einer Tätlichkeit hinreißen – und kam glimpflich davon. dpa

Christoph Kramer platzte 20 Minuten vor Schluss der Kragen: Er ließ sich nach einem Zusammenprall zu einer Tätlichkeit hinreißen – und kam glimpflich davon.

KölnHennes VIII muss sich vorgekommen sein wie Bo. Denn wie der Hund von US-Präsident Barack Obama genoss Kölns Maskottchen bei diesem „Hochrisikospiel“ Personenschutz. Besondere Bewachung unter der Woche im Zoo, per Bodyguard zur Junkersdorfer Straße und um 17.11 Uhr ab auf den Rasen.

Genützt hat der blökende Glücksbringer nur bedingt. Immerhin haben „seine“ Kölner bei dem mäßig schön anzuschauenden 0:0 nicht verloren - anders als in den vier vorherigen Spielen, die die Borussen mit einem Torverhältnis von 15:1 gewannen. Das Glück, so unbeschadet wie Hennes VIII. ins Stadion zu kommen, hatten nicht alle Fans: Prügeleien der Ultras überschatteten das Derby und jagten so manchem Zuschauer Angst ein. Die Hundertschaften der Polizei hatten reichlich zu tun, bekamen die Lage aber in den Griff, sie nahmen etwa 60 Personen in Gewahrsam, ein Polizist wurde bei den Aktionen leicht verletzt. Im Stadion sorgten die 50.000 Anhänger dann für eine phantastische Atmosphäre - selbst auf das obligatorische Verbrennen von gegnerischen Fanschals wurde verzichtet.

Bundesliga: Die Sprüche des 4. Spieltags

Mitleid

„Das will keiner erleben“, Berlins Trainer Jos Luhukay zu dem Freiburger Coach Christian Streich nach einem skandalträchtigen Tor in der nachspielzeit. .

Fassungslos

„Wahnsinn“... „verrückt“ ... „sprachlos“ Freiburgs Coach Streich ringt nach dem Spiel gegen Hertha Berlin um Fassung.

Klare Kante

„Ich fühle mich heute im wahrsten Sinne des Wortes beschissen“ Fritz Keller, Winzer und Präsident des SC Freiburg.

Selbsteinschätzung

„Ich wusste nicht, dass ich überhaupt soweit schießen kann.“ Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp vom SC Paderborn bei Sky zu seinem Bundesliga-Rekordtor aus 83 Meter.

Erkenntnis

„Einen Punkt.“ Trainer Thomas Schaaf von Eintracht Frankfurt auf die Frage, was er nach dem 2:2 bei Schalke 04 mitnehme.

Für die Ewigkeit

„Die Tabelle kann man ausschneiden. Daraus kann der Fanshop eine schöne Tapete machen.“ Paderborns Manager Michael Born nach der Übernahme der Tabellenführung durch das 2:0 gegen Hannover 96.

Trainerlob

„Sie ist brutal intakt, da sind keine faulen Eier drin.“ Josef Zinnbauer, ehemaligiger Finanzvertriebler (Spitzname: Ferrari Joe) und Trainer des Hamburger Sportvereins über seine Mannschaft.


Doch auch die Spieler brannten vor allem in der ersten Halbzeit kein Feuerwerk ab. Immerhin hatte Tony Jantschke nach acht Minuten die erste Torchance, bezeichnenderweise nach eine Ecke. Doch sein Kopfball landete genau in den Armen von Kölns Keeper Timo Horn. Die Gäste spielten den gepflegteren Fußball und zeigten, dass sie die balltechnisch gewandtere Truppe sind. Effektiv war der Ballbesitzfußball aber nicht. Nach einer Viertelstunde war es ein langweiliger Kick, den keines der beiden Teams scheinbar wirklich gewinnen wollte.

Mitten im Schlafwagenfußball packte der FC dann urplötzlich einen blitzsauberen Angriff aus: Per Flachpass schickte Marcel Risse seinen Flügelmann Pawel Olkowski durch die Nahtstelle der Viererkette auf die Reise, doch der Pole scheiterte aus guter Position an Gladbachs Torwart Yann Sommer.

Danach verflachte die Partie sofort wieder. Die Gäste bekamen zu spüren, warum der FC als einziger Profiverein Deutschlands noch ohne Gegentor ist. Die Borussen bissen sich an den zwei Viererketten der Gastgeber die Zähne aus, versuchten es aber auch irritierend häufig mit langen Bällen. Köln dagegen agierte konzentriert, mit einer riesigen Geduld und wartete auf den einen Pass zum Lucky Punch. Doch der kam bis zum Pausenpfiff nicht. Und genauso wenig schafften es die Gladbacher, eine Torchance herauszuspielen.

Nach der Halbzeit ging es dafür sofort zur Sache: Kölns Linksverteidiger Jonas Hector misslang der Spielaufbau, so war sein Gegenspieler André Hahn rechts frei und konnte ungestört Flanken. Den Kopfball setzte Max Kruse knapp neben das Tor. Da wäre die Zu-Null-Serie der Kölner beinahe beendet worden. Es sollte die beste Chance der Gäste im ganzen Spiel bleiben.

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