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28.07.2017

11:45 Uhr

Ronaldo vor der Richterin

System der Gier droht Einsturz

Die Staatsanwaltschaft wirft Superstar Ronaldo Hinterziehung von 14,7 Millionen Euro vor, am Montag wird er vor Gericht angehört. Doch die „Football Leaks“- Enthüllungen zeigen: Dahinter steckt mehr als nur ein Fall.

Ronaldo selbst bestreitet, dass er rund 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben soll. AP

Der „Fall Ronaldo“

Ronaldo selbst bestreitet, dass er rund 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben soll.

MadridEin Unternehmen in Irland. Eine Briefkastenfirma in der Karibik. Ein Konto in der Schweiz. Durch dieses Geflecht hat der bekannteste und bestbezahlte Fußballer der Welt jahrelang Millionen und Abermillionen an Werbeeinnahmen geschleust. An diesem Montag wird Cristiano Ronaldo deshalb in Madrid von einer Ermittlungsrichterin angehört. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Superstar von Real Madrid die Hinterziehung von rund 14,7 Millionen Euro an Steuern vor.

Ronaldo selbst bestreitet das. Er ließ über seine Anwälte erklären, ein legales Konstrukt unterhalten, zumindest aber nicht absichtlich Steuern hinterzogen zu haben. Nach dieser Anhörung am Montag wird sich entscheiden, ob dem 32-Jährigen der Prozess gemacht wird, oder ob er noch einmal aus dieser Sache herauskommt – sei es durch einen Deal mit den Behörden oder durch die Einstellung der Ermittlungen.

So oder so handelt es sich dabei aber nicht bloß um einen „Fall Ronaldo“. Seine Steueraffäre legt den Blick frei auf die gigantischen Millionenbeträge, die im Fußball fließen, auf die Gier der Protagonisten, auf den gefährlichen Einfluss seines Berater Jorge Mendes. All das wird von der Internetseite „Football Leaks“ sowie dem Magazin „Der Spiegel“ seit Monaten enthüllt und in dem Buch „Football Leaks. Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“ beschrieben.

Am 27. Juni sagte bereits der Spieleragent Jorge Mendes vor Gericht in Madrid aus. Er arbeitet mit Ronaldo zusammen, seit dieser 16 Jahre alt ist. Sinngemäß erzählte Mendes der Richterin: Er handele mit den Vereinen nur die Gehälter seiner Spieler aus. Für eine steuerliche Beratung oder die Gründung anderer Unternehmen habe er keine Zeit.

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Fakt ist jedoch: Wer mit Ronaldo werben will, wer sein Gesicht für eine PR-Kampagne oder nur für die kleinen, berühmten Stickerbilder der Fußballstars verwenden will, musste die entsprechenden Verträge bis 2014 mit einer Firma in Irland abschließen. Mehrheitsaktionär dieser Firma: Jorge Mendes. Geschäftsführer: Mendes' Neffe.

Die Firma in Irland behielt nach Abschluss jedes Vertrages aber nur eine Provision für sich ein und leitete das Geld auf die Britischen Jungferninseln weiter. Dort saß eine Briefkastenfirma, die ein Konto in der Schweiz besaß und an die Ronaldo bis 2014 seine Bild- und Werberechte abtrat. Mehr als 70 Millionen Euro flossen auf diesem Weg zwischen 2009 und 2014 in die Karibik. Der Unternehmenssteuersatz auf den Britischen Jungferninseln liegt bei null Prozent.

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