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28.11.2015

14:08 Uhr

Rummenigge erhöht Druck auf DFL

„Wir brauchen mehr Geld“

Der FC Bayern erlebt aktuell „die vielleicht beste Zeit“ seiner Geschichte – wäre da nicht die ausufernde Finanzkraft englischer Vereine. Gegen die „dramatisch guten Angebote“ von der Insel sieht der FC nur ein Mittel.

„Wir brauchen mehr Geld“, sagte Rummenigge mit Blick auf die Finanzstärke britischer Clubs. AFP

Bayern-Chef in der Offensive

„Wir brauchen mehr Geld“, sagte Rummenigge mit Blick auf die Finanzstärke britischer Clubs.

MünchenGanz kurz schlüpfte Karl-Heinz Rummenigge auf der harmonischen Jahreshauptversammlung des FC Bayern in die ohne Frontmann Uli Hoeneß verwaiste Rolle der Abteilung Attacke. Der Vorstandsvorsitzende richtete aus München eine klare Botschaft des Branchenführers an die Führung der Bundesliga. „Ich gehe nah ans Mikrofon ran, damit es in Frankfurt auch gehört wird: Ich fordere die Deutsche Fußball Liga eindringlich auf, einen Wettbewerb auf dem Markt für die Übertragungsrechte von Livespielen der Fußball-Bundesliga zu kreieren“, rief Rummenigge in den Saal.

Auch wenn sich der national sportlich wie finanziell so übermächtige Rekordchampion am Freitagabend im Glanz eines Rekordgewinns von 23,8 Millionen Euro sonnen konnte und der Umsatz in der vergangenen Meistersaison erneut die Schallmauer von einer halbe Milliarde Euro übertraf (523,7 Mio), gehen die Macher von der Säbener Straße beim Thema TV-Vermarktung in die Offensive. „Wir erleben seit einigen Jahren die vielleicht beste Zeit des FC Bayern in seiner 115-jährigen Geschichte“, verkündete Rummenigge den Mitgliedern stolz.

FC Bayern München: Die Hauptversammlung 2015

Mitglieder und Fanklubs

Der FC Bayern hat 270.329 Mitglieder. Das sind 150.000 mehr als vor zehn Jahren. Es gibt weltweit mehr als 4030 Fanklubs mit knapp 315.000 Mitgliedern.

Mr. FC Bayern

Rummenigge nannte Bastian Schweinsteiger „Mister FC Bayern“: „Bastian ist als großer Freund gegangen. Er wird sein Abschiedsspiel hier in München bestreiten, er wird mit dem Verein immer verbunden bleiben. Ich möchte ihm danken, er hat immer super zu unserem Klub gepasst.“

Der Ex-Präsident

„Uli Hoeneß unterstützt seit dem 2. Januar die Jugendabteilung des FC Bayern. Er hat 20 Kilo abgenommen, aber man konnte in seinem Gesicht ablesen, wie schwer diese Zeit ist. Ohne Zweifel hat er frischen Wind reingebracht, und inzwischen gefallen mir auch seine Gesichtszüge wieder besser. Lieber Uli, ich danke dir für dein Engagement.“ (Rummenigge)

Wirtschaftliches Prinzip

„Wir bleiben unserem Prinzip treu, nach dem jeder Euro, der ausgegeben wird, vorher auch verdient wurde.“ (Rummenigge)

„Maximaler sportlicher Erfolg bei wirtschaftlicher Solidität – das ist unsere Maxime“ (Dreesen)

Fernsehgelder

Der FC Bayern liegt in der europäischen Tabelle der Fernseheinnahmen für die Saison 2016/17 mit 73 Millionen Euro auf Platz 26. Spitzenreiter ist Manchester United (210 Millionen) vor Manchester City (205) und dem FC Arsenal (200). „Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass der FC Bayern 26. in dieser Tabelle ist.“

Umsatzrückgang

523,7 Millionen Euro. Das sind fünf Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Das sei ein stabil hohes Niveau, trotz der fehlenden UEFA-Supercup- und Weltpokal-Einnahmen (wie im Jahr davor).

Rekordgewinn

Das operative Ergebnis liegt zum ersten Mal bei mehr als 100 Millionen Euro: 111,3 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern beträgt 31,4 Millionen Euro, nach Steuern sind es 23,8 Millionen.

Steuern

Das Steueraufkommen im vergangenen Geschäftsjahr betrug 162,5 Millionen Euro. In den vergangenen zehn Jahren hat der FC Bayern mehr als 1,1 Milliarden Euro an Steuern gezahlt. Finanzchef Dreesen: „Das ist ein ganz ordentlicher Beitrag zum Gemeinwohl.“

Kriegskasse

Zum Bilanzstichtag 30. Juni 2015 betrug das Eigenkapital der Münchner 411,5 Millionen Euro, auf dem „Festgeldkonto“ lagen 176,7 Millionen Euro.

Die Zukunft aber malte der Bayern-Chef düster, zumindest dann, wenn es der Bundesliga besonders im Wettbewerb mit der reichen englischen Premier League nicht gelingen sollte, konkurrenzfähig zu bleiben. „Ich sage voraus: Die Gehaltssteigerungen und die Ablösesummen, die auch in die Luft schießen, werden bis in die 3. Liga in Deutschland wahrgenommen werden“, bekräftigte Rummenigge im Anschluss an die knapp vierstündige Versammlung ohne Neuwahlen.

Rummenigges Forderung vor der DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt ist unmissverständlich: „Wir brauchen mehr Geld, nicht nur Bayern München, die gesamte Bundesliga braucht mehr Geld!“

Der einflussreiche Liga-Krösus möchte die Solidargemeinschaft im deutschen Profifußball nicht aufkündigen, aber „nur unter einer Conditio“, wie der Bayern-Chef betonte: „Dass die DFL dafür Sorge trägt, dass die deutschen Topclubs in Europa wettbewerbsfähig sein können und vor allem bleiben. Wir haben uns in den letzten Jahren Großes aufgebaut. Und das werden wir nicht so einfach aufgeben!“

Über neun Milliarden Euro nähmen die englischen Clubs in den kommenden drei Spielzeiten ein, berichtete Rummenigge. Die Premier League profitiert dabei von einem wahnwitzigen Wettbewerb der Pay-TV-Anbieter auf der Insel, zudem ist sie weltweit als TV-Programm begehrt. Nur einen Bruchteil kassieren die deutschen Proficlubs.

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„Unsere Spieler erhalten schon jetzt dramatisch gute Angebote“, berichtete Rummenigge von den Lockrufen aus England. Angestrebte Vertragsverlängerungen mit Weltmeistern wie Thomas Müller, Manuel Neuer und Jérôme Boateng werden damit für den FC Bayern noch teurer. Auch Trainer Pep Guardiola, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, könnte in England bessere Zukunftsperspektiven für sich sehen.

„Die Mannschaft des FC Bayern hat ihren Preis, einen sehr hohen Preis“, berichtete Rummenigge den Mitgliedern. Mit 227,3 Millionen Euro wurde der Personalaufwand der FC Bayern München AG beziffert; die Trainer- und Spielergehälter machen den Löwenanteil aus.

Bei den Haupteinnahmequellen Spielbetrieb (137,6 Mio), Sponsoring (113,9 Mio) und Merchandising (101,7 Mio) stößt der Verein an Grenzen. In der TV-Vermarktung (58,3 Mio) sehen die Bayern-Bosse Reserven. In naher Zukunft werde Deutschlands Nummer 1 in einem Ranking der TV-Einnahmen auf Platz 26 in Europa abstürzen, mahnte Rummenigge und drohte: „Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren!“

Von

dpa

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