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27.09.2016

21:39 Uhr

Sam Allardyce

Englischer Nationaltrainer gibt nach Undercover-Skandal auf

Der englische Nationaltrainer wurde heimlich gefilmt, wie er Undercover-Reportern Tipps zur Umgehung von Transferregeln gegeben hat. Nun ist sein Trainer-Aus besiegelt – nach gerade einmal 67 Tagen.

Fussball Skandal

Nach nur einem Spiel - Englands Nationalcoach ist raus

Fussball Skandal: Nach nur einem Spiel - Englands Nationalcoach ist raus

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LondonEnglands Fußball ist mit dem Aus von Fußball-Nationaltrainer Sam Allardyce nach nur 67 Tagen um die nächste Peinlichkeit reicher. Nach nur einem Spiel im Amt muss der Coach wegen einer bizarren Affäre schon wieder gehen. Wie der englische Fußball-Verband FA am Dienstag nach einem Krisentreffen mit dem 61-Jährigen mitteilte, habe man sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Das Verhalten des erst am 22. Juli verpflichteten Allardyce sei eines englischen Nationaltrainers unangemessen, hieß es in einer FA-Erklärung.

Auslöser war ein Bericht des „Daily Telegraph“. Demnach soll Allardyce bei einem Treffen mit verdeckt recherchierenden Reportern Tipps zur Umgehung von Transferregeln gegeben haben. Die Journalisten hatten sich als Geschäftsleute ausgegeben und filmten heimlich mit.

Im Glauben, es handle sich um Vertreter einer ostasiatischen Firma, habe Allardyce erklärt, wie die Regeln des englischen Fußballverbands (FA) zum Besitz von Transferrechten umgangen werden könnten. Außerdem soll er einen lukrativen Beratervertrag ausgehandelt haben.

„Es war eine große Ehre für mich, damals im Juli ernannt worden zu sein, und ich bin tief enttäuscht über dieses Ende“, erklärte Allardyce auf der Verbandsseite. Nachdem Vorgänger Roy Hodgson wegen des blamablen 1:2 im EM-Achtelfinale gegen Island zurückgetreten war, erhielt Allardyce Ende Juli einen Zweijahresvertrag - für den ihn die FA einem Bericht zufolge für mehr als drei Millionen Euro aus dem Kontrakt mit seinem vorherigen Club Sunderland herauskaufen musste.

Allardyce musste sich am Dienstag bei einem Treffen mit FA-Präsident Greg Clarke und Generaldirektor Martin Glenn erklären - und entschuldigte sich für seine Äußerungen, obwohl er betonte, seine den Journalisten genannten Vorschläge hätten der Zustimmung durch die FA bedurft. „Ich erkenne an, dass ich etwas gesagt habe, was für andere peinlich ist“, räumte er ein. Britische Medien hatten berichtet, die FA habe Abschriften der mitgefilmten Gespräche angefordert.

Am Montag war die Welt für „Big Sam“ noch in Ordnung. Die Sonne schien, Sam Allardyce war beim Golf. Der Trainer der britischen Fußballnationalmannschaft hatte das erste Spiel als Chef der Nationalelf hinter sich und gesiegt. Doch dann erhielt der 61-Jährige die Nachricht, wie die Schlagzeilen des nächsten Tages aussehen würden – und die Welt sah auf einmal ganz anders aus.

Auf allen TV-Kanälen waren am Dienstag in Großbritannien Ausschnitte eines verdeckt gefilmten Videos von Reportern der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“ zu sehen, in dem Allardyce mit den Undercover-Journalisten spricht. Den Medienberichten zufolge soll er mit ihnen einen Beratervertrag für 400.000 Pfund (umgerechnet 461.000 Euro) ausgehandelt haben und ihnen erzählt haben, wie Transferregeln des britischen Fußballverbands FA zu umgehen sind. Die Regeln, die vom britischen Fußballverband FA eingeführt wurden, um eben solche Profiteure auszuschalten seien „lächerlich“, erklärte der wie immer sehr selbstbewusst auftretende Allardyce demnach den Reportern. „Man kann die Regeln umgehen“. Er kenne Agenten, die das „die ganze Zeit tun“.

Es geht bei diesen Geschäften um viel Geld: Die englische Premier League ist die bei Weitem reichste Fußball-Liga der Welt. In diesem Sommer war die Rekordsumme von 1,17 Milliarden Pfund (1,35 Milliarden Euro) für Spielertransfers geflossen.

Mit den „third party ownership“-Regeln will die FA verhindern, dass ein Agent oder Investor „Anteile“ an einem Spieler kauft und bei dessen Wechsel zu einem anderen Club mitkassiert.

Allardyce bot offenbar an, als „Botschafter“ für 400.000 Pfund nach Singapur und Hongkong zu reisen und sein Wissen dort weiterzugeben. Und konnte es sich auch nicht verkneifen, ein paar bissige Kommentare über die Entscheidung der FA zur Erneuerung des Wembley-Stadions, seinen Vorgänger und Prinz Harry und Prinz William zu machen.

Allardyce hatte erst Ende Juli einen 3-Millionen-Pfund-Vertrag als neuer Nationaltrainer Englands unterschrieben. Er folgte auf Roy Hodgson, der nach Englands Scheitern im EM-Achtelfinale gegen Island zurückgetreten war. Das erste Pflichtspiel als Nationaltrainer hatte Allardyce Anfang September angetreten und war mit einem Sieg in der WM-Qualifikation vom Platz gegangen.

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