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21.07.2014

12:48 Uhr

Schachtjor-Profis bocken

Donezk-Oligarch droht seinen Fußballern

Sie spielen für einen Oligarchenklub im Kriegsgebiet – jetzt wird es sechs südamerikanischen Fußballprofis von Schachtjor Donezk zu heiß. Den Verein trifft der Boykott hart. Der Klubbesitzer schäumt: „Sie werden leiden.“

Schluss mit lustig: Der ukrainische Milliardär Rinat Achmetow ist erzürnt über den Boykott seiner Spieler. dpa

Schluss mit lustig: Der ukrainische Milliardär Rinat Achmetow ist erzürnt über den Boykott seiner Spieler.

AnnecySechs Profis des ukrainischen Fußball-Meisters Schachtjor Donezk haben offenbar nach einem Testspiel in Frankreich den Rückflug in die Krisenregion im Osten der Ukraine verweigert. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS handelt es sich unter anderem um die südamerikanischen Spieler Alex Teixeira, Fred, Douglas Costa und Dentinho (alle Brasilien) sowie Facundo Ferreyra (Argentinien).

„Zu diesem Zeitpunkt möchte ich dazu keinen Kommentar abgeben“, sagte Schachtjors Manager Sergej Palkin. Anders Klubbesitzer Rinat Achmetow: Der 13 Milliarden Dollar schwere ukrainische Oligarch warnte seine Spieler öffentlich vor Konsequenzen. „Sie werden leiden“, teilte er mit, denn durch ihr Verhalten würden Entschädigungsklauseln greifen, die sie zur Zahlung von mehreren Millionen Euro verpflichten.

Sollten sich die südamerikanischen Spieler dennoch weiterhin weigern, nach Donezk zurückzukehren, wäre das ein herber Rückschlag für die Mannschaft des reichsten Mannes der Ukraine: Im 33 Mann starken Kader befinden sich 13 Spieler südamerikanischer Herkunft.

Fragen und Antworten zum Absturz von MH17

Können die Experten sicher sein, dass vor Ort nichts verändert wird?

Nein. Der OSZE-Forderung, nichts an der Absturzstelle zu verändern, wurde nach Angaben einer Sprecherin zumindest nicht gänzlich nachgekommen. So seien Gepäckstücke von Flugzeuginsassen fein säuberlich aufgereiht worden. Ein anderer OSZE-Vertreter berichtete, am Samstag seien Leichen von Passagieren des Flugs MH17 von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Straßenrand gebracht worden, ohne dass die OSZE-Experten Erklärungen dafür erhielten.

Können sich die Fachleute in der Ostukraine frei bewegen?

Nein. Sowohl die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als auch die ukrainische Regierung haben sich auch am zweiten Tag nach der Katastrophe beschwert, dass die prorussischen Separatisten die Arbeit der Experten massiv behindern, die bereits jetzt vor Ort sind. Die Ermittler können sich nach den Angaben nicht völlig frei bewegen und stehen unter Aufsicht schwer bewaffneter Rebellen. Inzwischen sollen die Aufständischen nach ukrainischen Angaben immerhin einer „Sicherheitszone“ rund um die Absturzstelle zugestimmt haben.

Und was ist mit den Familien der Opfer?

Das ukrainische Innenministerium hat in Charkow für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer Hunderte Hotelzimmer reserviert. In der Großstadt stünden auch Übersetzer und Psychologen bereit. Noch ist es nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines nicht in allen Fällen möglich gewesen, Familienangehörige ausfindig zu machen.

Was ist mit den Opfern?

Noch sind längst nicht alle 298 bei dem Absturz getöteten Insassen der malaysischen Passagiermaschine entdeckt worden. Zudem herrschen in dem Gebiet Temperaturen von um die 30 Grad. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums wurden die sterblichen Überreste der Passagiere und Besatzungsmitglieder nach Charkow gebracht, weit weg von den Gefechten. In der etwa 300 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Stadt werde ein Labor zur Identifizierung eingerichtet, hieß es. Separatisten wiederum kündigten an, die Leichen würden in Mariupol identifiziert.

Wer koordiniert die internationale Untersuchung?

Das ist noch immer nicht definitiv geklärt. Viele Länder, die Opfer zu beklagen haben, schicken eigene Experten in die Ukraine. Dort ist die Lage aber nach Angaben des Bundeskriminalamtes recht unübersichtlich. Sowohl der genaue Einsatzort als auch die Führung der Mission müssten noch geklärt werden, sagte ein Sprecher. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schlug in einem Brief an die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die Einsetzung einer aus mehreren Nationen besetzten Untersuchungskommission vor. Deutschland biete für einen Einsatz unter der Leitung der ICAO die Unterstützung der Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung an, sagte Dobrindt „Focus Online“.

Wie ist die Situation im Absturzgebiet?

Das Gebiet östlich von Donezk, in dem die Trümmer der abgestürzten Maschine liegen, ist riesig. Die Wrackteile sind nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes über eine Fläche von etwa 25 Quadratkilometern verstreut. Das entspricht in etwa der Größe der ostfriesischen Insel Norderney. Wo die Flugschreiber sind, ist weiterhin nicht definitiv geklärt. Sie könnten in den Händen der Aufständischen sein. Separatistenanführer Alexander Borodaj sagte, die Black Boxes könnten dem Internationalen Roten Kreuz übergeben werden.

Die meisten von ihnen sind wichtige Leistungsträger im stargespickten Team. Unter den laut transfermarkt.de wertvollsten sechs Akteuren befinden sich fünf Brasilianer. Der teuerste Schachtjor-Akteur, der brasilianische Neymar-Ersatz Bernard, hat bisher noch keine Stellungnahme zum Boykott seiner Vereinskollegen abgegeben.

Da Bernard der einzige brasilianische Donezk-Profi im brasilianischen WM-Kader ist, dürfte er zum Testspiel in Frankreich noch gar nicht mit von der Partie gewesen sein. Beim Donezk-Spieler Fred handelt es sich nicht um den Stürmer der Seleção, sondern um einen 21-jährigen Mittelfeldakteur.

Das ukrainische Militär will die Stadt Donezk von schwer bewaffneten Separatisten zurückerobern, die sich dort verschanzt haben. Der ukrainische Fußballbund muss noch entscheiden, wo der Verein seine Spiele abhalten soll, solange die Kämpfe andauern.

Kommentare (1)

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Herr Lung Wong

21.07.2014, 14:50 Uhr

Respekt, auch ein Fußballer muss nicht jeden Schwachsinn mitmachen.

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