Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2017

14:09 Uhr

Schalke-Clubchef Tönnies

„Unser Anspruch ist die Champions League“

In der Fußball-Bundesliga ist Domenico Tedesco noch ganz neu. Doch die Erwartungen an das Trainertalent sind beim FC Schalke 04 enorm. Sein Oberboss Clemens Tönnies lobt ihn in den höchsten Tönen.

Schalkes Präsident zeigt sich überzeugt. Domenico Tedesco als neuer Trainer des Reviervereins sei eine gute Wahl. dpa

Clemens Tönnies

Schalkes Präsident zeigt sich überzeugt. Domenico Tedesco als neuer Trainer des Reviervereins sei eine gute Wahl.

GelsenkirchenClubchef Clemens Tönnies ist überzeugt, mit der Verpflichtung des noch unerfahrenen Trainertalents Domenico Tedesco die richtige Wahl für eine erfolgreiche Zukunft des FC Schalke 04 getroffen zu haben. „Ich habe mir seine Vita in Ruhe angeguckt: Das ist ein junger, verhältnismäßig unbekannter, aber sehr kompetenter Trainer“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Gelsenkirchener Fußball-Bundeslisten im Interview mit der Funke Mediengruppe (Samstag). Er sei nach dem Treffen mit dem erst 31-Jährigen „top begeistert“ gewesen: „Er hat mich auch von der menschlichen Seite her total überzeugt.“

Der Revierverein hatte am Freitag den bisherigen Cheftrainer Markus Weinzierl nach einem Jahr beurlaubt und überraschend den Coach des Zweitligisten FC Erzgebirge Aue als Nachfolger geholt. Dass Tedesco als jüngster Cheftrainer in Schalkes Historie im Profi-Fußball bisher nur über die Erfahrung von elf Zweitliga-Partien verfügt, in denen er Aue zum Klassenverbleib führte, hält Tönnes nicht für einen Makel oder ein Risiko. Im Gegenteil: „Finde ich gut!“, meinte der Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück. „Ich glaube, dass der Trainerberuf nichts mit dem Alter zu tun hat. Sondern mit der Reife der Persönlichkeit und der Qualität der Arbeit.“

Tönnies verwies auf die Karrieren von Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Jürgen Klopp (Mainz/Dortmund/Liverpool) und Thomas Tuchel (Mainz/Dortmund), die zunächst auch kaum Erfahrung hatten. Er vertraue Manager Christian Heidel, der Klopp und Tuchel einst in Mainz entdeckt habe. Auch wenn es mit Weinzierl nicht so funktionierte, wie man sich das vorgestellt hatte, vertraut Tönnies dem Sportvorstand, „er ist ja nicht ganz unerfolgreich mit der Benennung von völlig unbekannten Überraschungstrainern“.

Man habe auch über den zuvor beim Reviernachbarn Borussia Dortmund beurlaubten Tuchel nachgedacht, räumte Tönnies ein. Dieser sei zweifellos ein „überragender Trainer“. Aus Respekt vor Schalkes Fans habe man das jedoch nicht weiterverfolgt. „Ich weiß nicht, ob das jetzt gepasst hätte zu diesem Zeitpunkt, ihn so frisch von Dortmund zum Erzrivalen zu holen. Ich weiß nicht, wie die Fans das aufgenommen hätten.“

Schalke 04: Warum Trainer Weinzierl gehen muss

Ziele verpasst

Nur Platz 10 in der Bundesliga ist zu wenig für die Ansprüche von Schalke 04. Das bedeutet: kein internationales Geschäft

Ohne Konzept

Manager Christian Heidel hat beim Trainer, den er selbst holte, kein Konzept erkannt. Das sagte er öffentlich.

Schwacher Manager

Auf Schalke hat Manager Heidel noch wenig Erfahrung. Er hat erst vor einem Jahr angefangen – mit gehörig Vorschusslorbeeren. Die sind nun weg. Seine Stellung ist durch den Misserfolg geschwächt.

Eigenschutz

Heidel hatte Weinzierl für einige Millionen vom FC Augsburg freigekauft. Nun schützt er die eigene Position, indem er den erfolglosen Trainer wieder fallen lässt.

Im Team umstritten

Mehrere Spieler äußerten sich negativ über Weinzierl nach der Saison. Einer nannte ihn sogar einen „Feigling“.

Und nun?

„Schalke muss über Tuchel nachdenken“, fordert „Sport Bild“. Hintergrund: Heidel hat in Mainz mit Tuchel schon zusammengearbeitet, allerdings endete das im Streit.

Leverkusen?

Spekuliert wird, dass Weinzierl nach Leverkusen geht. Laut Bild soll er bei Manager Rudi Völler hoch im Kurs stehen.

Lothar Matthäus

„Das Duo Christian Heidel/Markus Weinzierl sollte für einen Schalker Neuanfang stehen, doch Platz zehn zeigt, dass sie die hohen Erwartungen weit unterboten. Mit diesen finanziellen Möglichkeiten und dem Kader ist für Schalke einfach mehr drin.“

Dass Tedesco bei den Königsblauen vor einer großen Herausforderung steht, liegt auf der Hand. Tönnies betonte, dass sich Schalkes Erwartungshaltung nicht geändert habe: „Unser Anspruch ist, Champions League zu spielen. Nicht nur meiner, sondern der der Fans, der Mitglieder. Wir wollen oben mitspielen, einer der großen Kräfte innerhalb der Bundesliga sein.“ Seine ersten Fragen an den jungen Coach seien gewesen: „Wie sehen Sie die Mannschaft? Können Sie diese Mannschaft besser machen? Da hat er gesagt: Ja, das kann ich.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×