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24.02.2016

11:45 Uhr

Schiedsrichter-Eklat in Leverkusen

DFB bestraft Schmidt und Völler

Das DFB-Sportgericht hat die Ausfälle von Leverkusens Trainer Roger Schmidt und Sportdirektor Rudi Völler geahndet. Schmidt muss mindestens drei Spiele auf die Tribüne und 20.000 Euro zahlen. Völler erhält eine Geldstrafe.

Bayer gegen BVB

Bayer-Coach Schmidt: „Empfinde die Strafe als hart“

Bayer gegen BVB: Bayer-Coach Schmidt: „Empfinde die Strafe als hart“

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FrankfurtTrainer Roger Schmidt vom Bundesligisten Bayer Leverkusen ist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für maximal fünf Spiele gesperrt worden. Wegen fortgesetzten unsportlichen Verhaltens gilt ein Innenraumverbot für fünf Spiele, wobei drei direkt zu verbüßen sind. Die beiden restlichen werden bis zum 30. Juni 2017 zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss Schmidt 20.000 Euro Strafe bezahlen.

Grund für die Strafe war der Eklat mit Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) am Sonntag im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (0:1). Der DFB teilte zur Strafe mit: „Während eines Aufenthaltsverbots für den Innenraum ist es einem Trainer nicht gestattet, während eines Spieles seiner Mannschaft im Stadion-Innenraum zu sein.“

Das Innenraum-Verbot beginne jeweils eine halbe Stunde vor Spielbeginn und ende eine halbe Stunde nach Abpfiff. „Der Trainer darf sich in dieser Zeit weder im Innenraum noch in den Umkleidekabinen, im Spielertunnel oder im Kabinengang aufhalten. Im gesamten Zeitraum darf er mit seiner Mannschaft weder unmittelbar noch mittelbar in Kontakt treten.“

Spielunterbrechung in Leverkusen: Völlers Wutausbruch

Rudi Völler

Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist bekannt für seine emotionalen Auftritte. Im Sky-Interview lieferte er dafür ein weiteres Beispiel. Thema: Die Spielunterbrechung im Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund am 21. Februar 2016.

Quelle: sid

Attacke

Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt hatte sich geweigert, auf die Tribüne zu gehen. Dazu war er vom Schiedsrichter aufgefordert worden. Völler rechtfertigt dieses Verhalten und geht zum Gegenangriff über.

Zur Spielunterbrechung

"Der Schiedsrichter meinte, es ein bisschen spannender machen zu müssen. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob unser Trainer auf die Tribüne muss oder nicht. Aber das liegt in der Entscheidung des Schiedsrichters. Aber man kann es ihm auch einfach vernünftig erklären!"

Zu den Regeln

"So ein Spiel zu unterbrechen und dadurch so eine Hektik reinzubringen, das war völlig unnötig! Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er unserem Trainer das erklärt, egal, ob das in der Regel steht oder nicht. Wenn es anders im Regelwerk steht, dann haben wir wieder etwas dazugelernt. Dann hier so eine Nummer daraus zu machen! Die Spieler müssen reingehen, als wäre hier etwas Furchtbares passiert, das ist total übertrieben."

Zu einem Handspiel

"Wissen sie, wer neue Impulse hätte geben können? Der Schiedsrichter und die Linienrichter draußen, wenn er nämlich Handelfmeter gepfiffen hätte! Dann hätte er einen super Impuls geben können! Es war nämlich ein tausendprozentiger Elfmeter. Der Impuls wäre ganz wichtig gewesen. Das ist doch keine natürliche Handbewegung."

Zu Roger Schmidt

"Das ist doch bei anderen Trainern auch, das braucht man nicht überbewerten. Das macht jeder Trainer ein bisschen, die sind alle unter Hochspannung. Dann fühlt man sich auch ein bisschen ungerecht behandelt. Man kann unseren Trainer auch mal hochschicken, davon geht die Welt ja nicht unter. Das kann passieren, das passiert anderen auch."

Aufgebracht

"Was haben sie eigentlich mit dem Roger Schmidt? Es ist doch viel wichtiger, dass er keinen Elfmeter gepfiffen hat, oder finden sie nicht? Was meinen Sie? Wer hat uns denn mehr geschadet, der Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Nicht, wenn das Mikro aus ist, sagen, du hast ja Recht."

Vorschläge an den Schiedsrichter

"Vielleicht hat er den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Aber das muss man jetzt doch nicht so aufpumpen, die Nummer. Man muss die Mannschaften doch nicht reinschicken. Geh doch hin und sag, Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren beim vierten Offiziellen. Warum hat er das nicht gemacht?"

Sarkasmus

„Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Felix Zwayer jetzt gesperrt wird. Ich kann es mir nicht vorstellen“, stellte Völler sarkastisch fest.

Revanche

In seiner ungebremsten Erregung warf Völler dem Schiedsrichter auch noch vor, er habe Bayer nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt. "Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!", rief er in Anspielung auf ein Handspiel des Dortmunders Sokratis in der 71. Minute voller Sarkasmus ins Sky-Mikrofon von Sebastian Hellmann.

Auch Bayer-Sportchef Rudi Völler wurde bestraft. Das Sportgericht verhängte gegen den ehemaligen DFB-Teamchef eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Der 55-Jährige hatte in Interviews nach dem Spiel dem Unparteiischen unterstellt, in der zweiten Halbzeit absichtlich den Handelfmeter gegen Borussia Dortmund beim 1:0-Erfolg gegen Bayer in der 71. Minute nicht gepfiffen zu haben. Völler hatte bei Sky geätzt: „Aber er hat sich ja revanchiert. Deswegen hat er auch nicht den Elfmeter gepfiffen. Na, dann gleicht sich ja wieder alles aus.“

Zwayer hatte Schmidt nach dessen heftigen Protesten aufgrund des 0:1-Gegentreffers aus dem Innenraum verbannt. Der Coach kam allerdings der Aufforderung nicht nach, sondern blieb in der Coachingzone vor der Bayer-Bank stehen. Leverkusens Ersatz-Kapitän Stefan Kießling ging auf Anweisung Zwayers zweimal zu seinem Trainer, um Schmidt die Entscheidung des Unparteiischen zu übermitteln.

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Der Trainer blieb allerdings stur und forderte eine persönliche Begründung des Referees für den Verweis auf die Tribüne ein, daraufhin unterbrach Zwayer die Partie für neun Minuten und schickte beide Teams in die Kabine. Die restliche Spielzeit verfolgte Schmidt dann von dort aus.

Bayer gegen BVB: Reaktionen zu Roger Schmidt

Stefan Kießling (Bayer Leverkusen)

"Es war eine scheiß Situation und unnötig. Auch vom Schiedsrichter. Er hätte ja auch hingehen und es ihm sagen können. Im Endeffekt war es einfach blöd. Wir hatten schwere Beine, aber wir haben nichts zugelassen. Dann kriegst du so ein scheiß Tor und verlierst deswegen. Dass man sich da aufregt, das ist doch normal."

Christoph Kramer (Bayer Leverkusen)

"Der Freistoß war ein paar Meter weiter hinten, daher kann ich den Ärger verstehen. Ich finde, dass der Schiedsrichter es dem Trainer hätte persönlich sagen können. Es war wohl ein Kräftemessen und damit auch unnötig brisant. Ich habe einen klaren Handelfmeter gesehen. In der Szene kann man von einer Benachteiligung reden."

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund)

Zur strittigen Freistoßentscheidung: "Natürlich ist es ein Foul. Der Abstand liegt wahrscheinlich im Ermessensspielraum. Ich denke, dass es so okay ist. Es gab aber auch schon Entscheidungen, in denen es zurückgepfiffen wurde. Wenn der Schiedsrichter die Elfmeterszene so sieht, dann kann und dann wird er es wohl so pfeifen."

Mats Hummels (Borussia Dortmund)

Zum Handspiel im Dortmunder Strafraum: "Wenn die Hand so weggestreckt ist, dann können wir uns nicht beschweren, wenn er ihn gibt. Wenn ich das so sehe und der Schiedsrichter Elfmeter gepfiffen hätte, dann hätte ich auf keinen Fall gesagt, das ist eine Fehlentscheidung."

Schiedsrichter-Experte Peter Gagelmann (1)

"Grundsätzlich ist es so, dass der Spielführer immer der Ansprechpartner für den Schiedsrichter ist. Der Trainer wird dann genauso behandelt wie ein Spieler, d.h. wenn er das Spielfeld nicht verlassen will, dann droht man mit dem Spielabbruch. Das hat der Felix Zwayer gemacht und das ist der normale Weg."

Gagelmann (2)

"Es ist schade, dass der Fußball nicht mehr im Vordergrund steht, sondern man über solche Dinge diskutieren muss, wenn ein Trainer sich so verhält. Ich finde es respektlos dem gesamten Fußball gegenüber."

Gagelmann (3)

"Wir haben am Sonntag tausende von Fußballspielen in der Kreisklasse, wo es häufig Spielabbrüche gibt. Wenn Trainer in der Bundesliga schon den Anweisungen der Schiedsrichter nicht folgen, dann finde ich das sehr traurig und schade. Das ist nicht gut für den gesamten Fußball. Felix Zwayer wird jetzt eine Meldung im Spielbericht machen und alles Weitere geht dann über den Kontrollausschuss."

Gagelmann ist Schiedsrichter und Experte beim TV-Sender Sky

Schiedsrichter Felix Zwayer

"Ich habe versucht, mehrmals Einfluss zu nehmen, dass der Leverkusener Trainer Roger Schmidt den Innenraum verlässt. Da dem nicht Folge geleistet wurde, blieb mir keine andere Wahl, als das Spiel zu unterbrechen", sagte der Unparteiische aus Berlin.

Zwayer zur Konterchance

Schmidt hatte sich darüber echauffiert, dass der BVB Sekunden vor dem Dortmunder Siegtor einen Freistoß zu weit vorne ausgeführt habe. "Es liegt im Ermessen des Schiedsrichters, drei, vier, fünf Meter weiter entfernt ausführen zu lassen, weil eine Konterchance unterbunden wurde", sagte Zwayer dazu.

SID-Kommentar

"Was der 48-Jährige nach dem Abpfiff als Sturheit seinerseits bezeichnete, war in Wahrheit eine Mischung aus Arroganz und Dummheit. Die Ignoranz gegenüber dem Spielleiter, der den Bayer-Coach durch den vierten Offiziellen zuvor schon eindringlich ermahnt hatte, ist kaum noch zu überbieten."

Schiedsrichtermanager Krug

DFL-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug hält nach dem Eklat beim Bundesliga-Spiel in Leverkusen eine Verbannung von Bayer-Trainer Roger Schmidt für mehrere Spiele für möglich. „Das wird ein Fall für den Kontrollausschuss. Eine längere Sperre für Roger Schmidt ist durchaus denkbar“, sagte der Spitzenfunktionär der Deutschen Fußball Liga der „Bild“-Zeitung (Montag).



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