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25.10.2015

10:46 Uhr

Schlammschlacht um die Fußball-WM 2006

„Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt“

Warum zahlte der DFB 6,7 Millionen Euro an die Fifa? Die Diskussion rund um die WM-Vergabe 2006 artet in wüste Beschimpfungen aus. Doch der frühere Verbandspräsident Zwanziger kontert. Und Fifa-Boss Blatter streut Zweifel. 

Der suspendierte FIFA-Präsident mischt sich in die Diskussion um die Vergabe der WM 2006 ein. AFP

Sepp Blatter

Der suspendierte FIFA-Präsident mischt sich in die Diskussion um die Vergabe der WM 2006 ein.

Der vom Amt des FIFA-Präsidenten suspendierte Joseph S. Blatter (79) hat sich in die Affäre um die WM 2006 eingeschaltet. Aussagen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über den angeblich pikanten Inhalt eines Vier-Augen-Gesprächs mit Franz Beckenbauer widersprach er. „Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Jamais de la vie. Nie im Leben“, sagte Blatter im Gespräch mit der Zeitung „Schweiz am Sonntag“.

Niersbach hatte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag unter Bezug auf ein Gespräch mit dem damaligen WM-Chef Franz Beckenbauer mitgeteilt, dass der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus für das deutsche WM-OK aus Privatgeldern umgerechnet 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen habe.

Die Zahlung war laut Niersbach eine Bedingung der FIFA für einen späteren Zuschuss des Weltverbandes zu den Organisationskosten des WM-OK in Höhe von 170 Millionen Euro. „Das stimmt einfach nicht“, sagte Blatter. Weder von Beckenbauer noch vom DFB habe er Geld gefordert.

Auf die Seite von Niersbach hat sich dagegen ein weiterer Insider geschlagen, der frühere Bundesinnenminister Otto Schily. Der „Bild am Sonntag” sagte Schily, es sei äußerst fragwürdig, dass sich Zwanziger in der Affäre um die Überweisung an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus „als 'Ankläger'“ gebärde. Nach allem, was bisher bekannt geworden sei, sollte er sich „eher in der Rolle des Beschuldigten sehen“.

Der frühere Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Theo Zwanziger sei im Organisationskomitee für die WM 2006 der Finanzverantwortliche gewesen. Er gehe davon aus, dass Zwanziger „von vornherein wusste, für welchen Zweck er die Überweisung von 6,7 Millionen Euro freigezeichnet hat“, erklärte Schily und kritisierte, dass Zwanziger sich Zeit mit der Aufklärung gelassen habe. Er bezeichnete dies als „eine sehr seltsame Ruhepause seines Gewissens als Finanzverantwortlicher im Organisationskomitee des DFB“.

Zwanziger reagierte umgehend auf solche Vorhaltungen und rechtfertigte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Grund für sein Verhalten sei, dass er die wahren Hintergründe der Millionen-Zahlung während seiner Amtszeit nicht gekannt habe. „Es ist lediglich zu sagen, dass sich zwischen 2005, dem Datum der Überweisung, und 2012 die Einschätzung zwischen allen Beteiligten, dass es sich um eine Provisionszahlung gehandelt haben soll, nicht geändert hat“, betonte Zwanziger.

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