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03.08.2016

19:32 Uhr

Schlammschlacht um Draxler-Wechsel

„Rechtlich sehr schwierig für Draxler“

VonThomas Schmelzer

Julian Draxler würde den VfL Wolfsburg gerne verlassen, darf es aber nicht. Die Lage ist verzwickt. Der Rechtsanwalt Christian Keidel sagt im Interview, auf was Draxler noch hoffen kann.

Der Nationalspieler hat das Heft des Handelns nicht in der Hand. Er muss abwarten, wie sich der VfL Wolfsburg verhält. AFP; Files; Francois Guillot

Julian Draxler muss weiter warten

Der Nationalspieler hat das Heft des Handelns nicht in der Hand. Er muss abwarten, wie sich der VfL Wolfsburg verhält.

DüsseldorfIn der Schlammschlacht um einen möglichen Abgang Julian Draxlers vom VfL Wolfsburg wirft der Nationalspieler seinem Club Wortbruch vor. Der Verein halte sich nicht an eine mündliche Ausstiegsklausel. Christian Keidel von der Kanzlei Martens erklärt, warum mündliche Absprachen oft wertlos sind – und worauf der Nationalspieler noch hoffen kann.

Herr Keidel, Julian Draxler behauptet der VfL Wolfsburg hätte ihm mündlich zugesichert, den Verein verlassen zu dürfen, wenn sich dazu „Möglichkeiten ergeben“. Würde ihm so eine mündliche Ausstiegsklausel etwas bringen?
Eher nicht, denn laut dem DFL-Musterarbeitsvertrag für Spieler müssen Vereinbarungen über die Laufzeit des Vertrags schriftlich festgehalten werden. Wenn so ein Mustervertrag zum Einsatz gekommen ist, sind mündliche Ergänzungen zu dem Arbeitsvertrag grundsätzlich unwirksam. Außerdem wäre die zitierte Formulierung „Wenn sich dazu Möglichkeiten ergeben“ viel zu unbestimmt. Das konnte wohl nicht bedeuten, dass sich der Verein verpflichteten wollte, den Spieler bei jeder Möglichkeit abzugeben. Um einen rechtlichen Anspruch herzuleiten, hätten Herr Draxler und der VfL eine klare Bedingung vereinbaren müssen, bei deren Eintritt ein frühzeitiger Wechsel des Spielers möglich ist. Zum Beispiel bei der Zahlung einer bestimmten Transfersumme. Das nennt man dann Buy-out-Klausel.

Julian Draxler sagt auch, allen Beteiligten wäre klar gewesen, dass er bei einem attraktiven Angebot eines internationalen Top-Klubs gehen wolle.
Auch das ist viel zu unbestimmt. Was ist ein internationaler Top-Klub? Was ist ein attraktives Angebot? Solche Begrifflichkeiten ändern sich ständig. Was ein attraktives Angebot ist, hängt ja auch vom Marktwert eines Spielers ab – und der ändert sich nun mal permanent. Ob ein Angebot für den Klub attraktiv ist, muss er selbst entscheiden.

Erzwungener Wechsel: Draxler demontiert sich selbst

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Julian Draxler versucht sich mit vereinsschädigendem Verhalten aus dem Vertrag beim VfL Wolfsburg zu pressen. Damit ruiniert er vor allem sich selbst. Der Verein täte gut daran, ein Exempel zu statuieren. Ein Kommentar.

Kann Julian Draxler also gar nichts machen?
Er könnte den Vertrag allenfalls anfechten. Dafür müsste der Verein den Spieler aber über eine bedingungslose Wechselmöglichkeit arglistig getäuscht haben. Allerdings erscheint es mir sehr unwahrscheinlich, dass dies der Fall war. Die Beweislast läge jedenfalls bei Herrn Draxler.

Wie hätte sich Draxler stattdessen seine Optionen offen halten können?
Zum Beispiel mit der erwähnten Buy-out-Klausel. Die wurden von Vereinen und Spielern auch schon öfter genutzt, um Wechsel zu erzwingen. Das war zum Beispiel beim Wechsel von Javi Martinez zum FC Bayern der Fall.

Gilt bei Verträgen also, um es mit Guardiola zu sagen: Schriftlich oder nix?
Das kommt auf den Vertrag an. Wenn ein Vertrag die Schriftform zwingend vorsieht, sind mündliche Änderungen in der Regel unwirksam. Dieser Grundsatz gilt überall, auch außerhalb des Sports. Sofern allerdings die Schriftform weder vertraglich vereinbart noch gesetzlich vorgesehen ist, gilt natürlich das Wort oder der Handschlag genauso.

Und Draxler? Wie stehen seine Chancen, doch noch vor Saisonbeginn wechseln zu dürfen?
Das ist schwierig zu beurteilen, da ich die Einzelheiten nicht kenne. Wenn aber wirklich nur die von Herrn Draxler erwähnten Äußerungen getätigt wurden, sieht es aus rechtlicher Sicht sehr schwierig aus. Das Einzige, was man aus der vermeintlichen mündlichen Zusage der Wolfsburger ableiten könnte ist, dass sich der Verein die Angebote wenigstens ansehen muss. Vielleicht erreicht Herr Draxler sein Ziel aber durch den derzeit aufgebauten öffentlichen Druck doch noch. Ich bin jedenfalls großer Fan von ihm.

Der Rechtsanwalt Christian Keidel von der Kanzlei Martens arbeitet seit Jahren im Sportrecht. Er vertritt Athleten, Trainer, Vereine, Verbände und Unternehmen.

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