Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2016

18:58 Uhr

Schon zur EM 2016

Uefa führt Torlinientechnik ein

Diskussionen um Torklau oder Phantomtreffer könnten bald Fußballgeschichte sein. Auch die Uefa setzt nun auf Torlinientechnik als Hilfsmittel für Schiedsrichter. Welches System zum Einsatz kommt, ist aber noch offen.

Die Uefa hatte sich lange gegen die Torlinientechnik gesträubt. dpa

Tor oder kein Tor?

Die Uefa hatte sich lange gegen die Torlinientechnik gesträubt.

NyonDas Wembleytor wird in die Mottenkiste der Fußballgeschichte gepackt – bei der Fußball-EM in Frankreich soll es keine Diskussionen um Torklau oder Phantomtreffer geben. Nach der FIFA und dem DFB setzt auch die UEFA künftig auf Torlinientechnik als Hilfsmittel für ihre Schiedsrichter. Das entschied das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union am Freitag auf seiner Sitzung in Nyon. Damit gibt es nun in praktisch allen maßgeblichen Fußball-Wettbewerben diese Unterstützung für Referees.

In der Champions League soll ab der kommenden Saison die Torfrage im Zweifelsfall durch die Technik beantwortet werden, in der Europa League eine Spielzeit später. „Es wird uns helfen. Es ist Teil der Welt, in der wir leben“, sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino am Freitag. „Es wird alle Zweifel beseitigen, ob ein Tor erzielt wird oder nicht“, sagte der Schweizer.

Der Europa-Dachverband hatte sich lange gegen die Torlinientechnik gesträubt. Besonders der mittlerweile gesperrte Präsident Michel Platini galt als großer Gegner der elektronischen Hilfsmittel auf dem Fußballplatz. Stattdessen führte die UEFA zwei Torassistenten ein, die das Geschehen in den Strafräumen im Blick haben sollen. Diese soll es auch weiterhin geben.

Die FIFA hatte nach der WM 2010 und einer gravierenden Fehlentscheidung zugunsten Deutschlands im Achtelfinale gegen England nach einem nicht anerkannten Tor von Frank Lampard die Einführung auf Geheiß des mittlerweile ebenfalls gesperrten Präsidenten Joseph Blatter forciert.

In diesen Stadien wird die Fußball-EM 2016 ausgetragen

Bordeaux (vier Gruppenspiele, ein Viertelfinale)

Stade de Bordeaux - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von Girondins Bordeaux - Kosten: 184 Millionen Euro

Lens (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Félix Bollaert-Delelis - Fassungsvermögen: 35.000 - Spielstätte von RC Lens - Kosten: 70 Millionen Euro

Lille (vier Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale)

Stade Pierre Mauroy - Fassungsvermögen: 50.000 - Spielstätte von OSC Lille - Eröffnet: August 2012 - Kosten: 425 Millionen Euro

Lyon (vier Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Halbfinale)

Stade de Lyon - Fassungsvermögen: 58.000 - Spielstätte von Olympique Lyon - Kosten: 405 Millionen Euro

Marseille (vier Gruppenspiele, ein Viertel- und ein Halbfinale)

Stade Velodrome - Fassungsvermögen: 67.000 - Spielstätte von Olympique Marseille - Umbauarbeiten abgeschlossen: Herbst 2014 - Kosten: 267 Millionen Euro

Nizza (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Nice - Fassungsvermögen 35.000 - Spielstätte von OGC Nizza. Eröffnet: September 2013 - Kosten: 245 Millionen Euro

Paris (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Parc des Princes (Prinzenpark) - Fassungsvermögen: 45.000 - Spielstätte von Paris St.Germain - Renovierungskosten: 95 Millionen Euro

Saint Denis (Eröffnungsspiel, drei Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale plus Endspiel)

Stade de France - Fassungsvermögen: 80.000 - Spielstätte der Französischen Nationalmannschaft - Renovierungskosten: keine Angaben

Saint Etienne (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Geoffroy Guichard - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von AS St. Étienne - Kosten: 58 Millionen Euro

Toulouse (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Toulouse - Fassungsvermögen bei UEFA-Wettbewerben: 33.000 - Spielstätte des FC Toulouse - Abschluss der Renovierungen: Sommer 2015 - Kosten: 35 Millionen Euro

Beim Confederations Cup 2013 und der WM 2014 in Brasilien war das System GoalControl zum Einsatz gekommen, das wie das Hawk Eye per Kameras und Computersignal funktioniert. Nur einmal musste das System bei der WM wirklich helfen - im Vorrundenspiel zwischen Frankreich und Honduras, als der Ball vom Innenpfosten letztlich hinter der Linie im Tor von Honduras landete. Die Rechtmäßigkeit des legendären Wembleytores von Geoff Hurst für England im WM-Finale 1966 gegen Deutschland ist bis heute nicht geklärt.

Die Bundesliga setzt seit Beginn der laufenden Saison auf das britische Hawk Eye. Wirklich knifflige Situationen gab es auch in Deutschlands höchster Spielklasse seither nicht. Nach längerem Widerstand vor allem finanzschwächerer Clubs hatten sich die deutschen Vereine für eine Einführung ausgesprochen. Auslöser des Umdenkens war der Kopfball von Leverkusens Stefan Kießling gegen Hoffenheim im Oktober 2013, der von außen durch das Netz ins Tor ging und, obwohl offensichtlich irregulär, als Treffer auch von der Sportgerichtsbarkeit angesichts der herrschenden Regeln bestätigt wurde.

Die UEFA will in Kürze entscheiden, welches der drei von der FIFA lizenzierten Systeme zum Einsatz kommen soll. Kostenfragen hatte sie stets als Hemmnis für die Torlinientechnik angeführt. Gerade in den Europacupwettbewerben steht der Verband vor einer Herausforderung, müssen doch rund 80 Arenen mit der Technik ausgestattet werden. Aus diesem Grund wurde wohl die Einführung in der Europa League um eine Saison hinausgezögert.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×