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10.12.2015

14:52 Uhr

Schweini und van Gaal

Manchester, Millionen und ein Missverständnis

VonThomas Schmitt

Der böse Holländer Louis hackt auf Weltmeister Bastian Schweinsteiger herum. Der gute Kalle und der feine Jogi verteidigen ihn. War der Wechsel des bayerischen Urgesteins ein Fehler? Und wann sagt Ana endlich was dazu?

VfL Wolfsburg gegen Manchester United: Bastian Schweinsteiger klatscht nach seiner Auswechselung mit Trainer Louis van Gaal ab. dpa

Ausgewechselt

VfL Wolfsburg gegen Manchester United: Bastian Schweinsteiger klatscht nach seiner Auswechselung mit Trainer Louis van Gaal ab.

DüsseldorfDie Aufregung ist groß in England: Manchester United hat gegen Wolfsburg verloren und ist hochkant aus der Champions League geflogen. Kein deutscher Fan dürfte darüber traurig sein, selbst wenn er ein Fan von Bastian Schweinsteiger ist. Schließlich ist dies gut für die Bundesliga, die ohnehin gegenüber Spanien, Italien und England ins Hintertreffen gerät.

Doch was passiert nun? Jetzt hacken plötzlich ganz viele auf dem deutschen Weltmeister und Kapitän der Nationalmannschaft herum. Schon vor dem Spiel hatte der vor Jahren in München in Ungnade gefallene Trainer Louis van Gaal seinen Mittelfeldstrategen öffentlich kritisiert. Mit der Auswechselung im Spiel gegen Wolfsburg gab er ihn praktisch zum Abschuss frei.

Die keineswegs zimperlichen Medien in England nahmen die Vorlage dankend an. So spottete der „Guardian“: „Der Fußballer, der so lange wie ein Mercedes surrte, hustete und prustete, als die VW-Logos an ihm vorbeirasten. Er ließ zu viele Gelegenheiten zu, bis er endlich ausgewechselt wurde.“ Und die „Sun“ störten sogar die Handschuhe, die er „aus irgendwelchen Gründen“ als „Einziger“ trug.

So spottet die englische Presse über Schweinsteiger

Daily Mail

„Bye bye Champions League, hello Europa League: neues Tief für van Gaal, nachdem Manchester in einer Horror-Nacht abgestürzt ist.“

The Sun

„Die Premier-League-Riesen wurden ausgeschaltet, weil Naldo für die Deutschen zweimal traf. Im Land von Volkswagen war das wirklich ein Unfall von van Gaal und seinem Team. Und niemandem sah man seine 31 Jahre mehr an als Bastian Schweinsteiger bei seiner ersten Reise nach Hause. (...) Er war aus irgendwelchen Gründen der Einzige, der Handschuhe trug. Es sah so aus, als nagt die Zeit an ihm.“

The Telegraph

„Louis van Gaal wird zu einer 'lame duck' bei Manchester United – nur der Gewinn der Premier League kann ihn noch retten. Ein einschläfernder Spielstil, bizarre Entscheidungen und ein arrogantes Verhalten lassen United eine Zukunft ohne den niederländischen Teammanager planen.“

The Guardian

„Für Manchester war es eine ernüchternde Nacht und eine trostlose Erinnerung daran, wie weit es davon entfernt ist, sich mit den Topteams in Europa auf Augenhöhe zu messen. Bastian Schweinsteiger, einer der Spieler, die hinterher von van Gaal kritisiert wurden, wurde überrannt und seine kurze Zeit bei United wurde festgehalten in der Art, wie Julian Draxler ihn in der Vorbereitung zu Wolfsburgs zweitem Treffer ausgespielt hat.“

Manchester Evenig News

„Der Deutsche war eine riesige Enttäuschung. Er sah langsam aus und war ein Schwachpunkt statt eine treibende Kraft.“

Solcherlei Schelte kommt bei eingefleischten Schweini-Fans wie Majestätsbeleidigung an. Daher beeilten sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Bundestrainer Jogi Löw, dem Ur-Bayer und Kapitän der Nationalmannschaft öffentlich beizuspringen. „Louis soll den Bastian in Ruhe lassen“, schimpfte Rummenigge. „Er ist nach wie vor ein Weltklasse-Spieler“, lobte Löw.

Was der so mit Lob und Tadel überhäufte Spieler dazu meint, ist noch nicht so recht klar. Denn gegenüber seinen 8,6 Millionen Fans auf Facebook und seinen 2,9 Millionen Followern auf Twitter schweigt er seit zwei Tagen. An den Kameras lief er zuletzt einfach vorbei. Gefeiert hat er dagegen seine Ehrung zum „Spieler des Monats November“ durch die Fans von Manchester.

Gemessen an diesem Zuspruch läuft es also so schlecht nicht in Manchester. In der Tat, das Team agiert defensiv relativ gut, viele Spiele gingen zu Null aus, was auch ein Verdienst des defensiven Mittelfeldstrategen Schweinsteiger ist. Es hakt jedoch am Spiel nach vorne. Doch dafür ausgerechnet den Deutschen verantwortlich zu machen, wirkt ungerecht.

 

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