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24.03.2006

15:35 Uhr

Saunieren in der Eifelschwyz. Handelsblatt

Saunieren in der Eifelschwyz.

Schweiz WM-Wunschgast des „Kurhotel Fürstenhof“

Kurpark wird Almwiese

VonChristine Hager

Die Schweizer Fußballnationalmannschaft wird im "Kurhotel Fürstenhof" im Eifelort Bad Bertrich Quartier nehmen. Der Hotel-Chef Walter Häcker freut sich. Das Fünf-Sterne-Haus stand zwar auch bei der Quartiersuche der Australier in der engeren Auswahl. Doch die Schweizer sind Häckers Wunschgäste.

BAD BERTRICH. Noch am Auslosungsabend der WM-Begegnungen schickte Walter Häcker dem Schweizer Nationaltrainer Jakob Kuhn ein Fax. Der Chef des "Kurhotels Fürstenhof" in Bad Bertrich war zuversichtlich: "Gruppe G ist auf jeden Fall zu schaffen, wir reservieren für euch vorsorglich bis zum Finale. Und die Taktik besprechen wir dann bei der Ankunft."

Die Schweizer sind Häckers Wunschgäste. Das Fünf-Sterne-Haus stand zwar auch bei der Quartiersuche der Australier in der engeren Auswahl. Aber den Eidgenossen gefiel das ehemalige Staatsbad in der Eifel so gut, dass sie schon vor ihrer endgültigen Qualifikation den Fürstenhof als Wunschort wählten.

Seit dem glücklichen Ausgang der Qualifikation in Istanbul, laufen in Bad Bertrich die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die ortsansässige Bank hat einhundert Schweizer Fahnen gestiftet, die auch nach der WM noch eine Zeit lang an die Gäste aus der Alpenrepublik erinnern sollen. Der Kurpark, vom "Fürstenhof" an zwei Seiten flankiert, wird für die Dauer der Spiele in eine Almwiese verwandelt.

Auch beim Bezahlen dürfen sich die Schweizer Gäste ganz heimisch fühlen. Während der WM können die Zechen in den Lokalen in Schweizer Franken beglichen werden.

Hotelchef Häcker räumt ein, dass ihn mit Fußball "nicht sehr viel verbindet". Und schmunzelt. Eigentlich besitzt er ein paar Reitpferde. Im Galopp ging es mit dem ehemals in Landesbesitz befindlichen "Fürstenhof" auch aufwärts, seit es der Karlsruher zusammen mit seiner Frau Renate vor 17 Jahren übernahm. Millionen haben die beiden investiert.

Von der heruntergekommenen Pracht der 70er-Jahre ist nichts mehr zu sehen. Stilvolle Eleganz: Ob im "Blauen Salon", im lichten "Petit Palais" mit Blick in den Kurgarten oder in dem in Rottönen und edlen Hölzern gestalteten, großen Speisesaal mit seinen üppigen Kristalllüstern - die Besucher fühlen sich zurückversetzt in eine vergangene Epoche. Aber die Häckers haben schon sehr früh die Zeichen der Zeit erkannt und nicht nur auf familiäre Atmosphäre, Herzlichkeit, Ambiente und Behaglichkeit gesetzt. Im Herzen der Wohlfühloase des "Fürstenhofs" liegt das Glaubersalz-Thermalbad, gekrönt von einer bunten Glaskuppel mit Blumen-Ornamenten und umgeben von Wandmalereien, in denen Motive der griechischen Antike aufgenommen werden. Das 32 Grad warme Wasser kommt aus der Bertricher Quelle, deren heilende Wirkung von Rheuma und Gicht bis hin zu Magen-, Leber-, Darm- und Gallenerkrankungen reicht.

Der Hotelier setzt darauf, dass der Aufenthalt der Kicker sein Haus für eine finanzkräftige Klientel interessant macht, die sich sonst niemals in die 1 000-Einwohner-Gemeinde zwischen Mosel und Maaren in der Vulkan-Eifel verirren würde.

Vom "Fürstenhof" aus sind Ausflüge in die alte Kulturlandschaft zwischen Trier und Koblenz möglich. Burg Eltz, das Benediktiner-Kloster Maria Laach, die Moselstädtchen Traben-Trabach, Bernkastel-Kues und nicht zuletzt die Eifeler Vulkanseen sind lohnenswerte Ziele.

Dass das kleine Bad in unberührter Eifelnatur in diesem Jahr das einzige WM-Quartier in Rheinland-Pfalz werden konnte, dazu bedurfte es allerdings noch einer Finanzhilfe "von oben". Voraussetzung für die Aufnahme in den 100 Häuser umfassenden Fifa-Katalog, aus dem die teilnehmenden Nationen ihre Unterkünfte auswählen konnten, warein großes Trainingsgelände.

Mit Unterstützung des Landes wurde in Bad Bertrich das Uessbachtal Stadion gebaut, dessen Tribüne dreimal so viele Zuschauer fasst, wie der Ort Einwohner hat - 3 000. Auch der ehrenamtliche Bürgermeister ist in der Fußballwelt kein Unbekannter: Günter Eichberg war von 1989 bis 1993 Präsident beim Traditionsverein Schalke 04 und ist dort als nicht ganz glücklicher "Sonnenkönig" in die Annalen eingegangen.

Und damit die ländliche Lage nicht zum Nachteil für die Schweizer Ballartisten gerät, wurde der nur zehn Autominuten entfernt liegende Flugplatz des Nato-Stützpunktes Büschel für fußballerische Zwecke geöffnet. Von hier aus starten die Schweizer Kicker zu ihren Spielen. Häcker freut sich über so viel Entgegenkommen.

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