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24.03.2016

18:57 Uhr

Sicherheitsbedenken vor Länderspielen

Ohne Angst, mit größter Vorsicht

Die EM findet statt, sagt Frankreich nach den Terroranschlägen von Brüssel. Die Verbände wollen keine Angst zeigen, bauen auf Sicherheitskonzepte. Eine Frage bleibt: Wie werden Zuschauer außerhalb der Stadien geschützt?

Polizisten beobachten das Training der Nationalmannschaft. Dennoch warnt der Verband vor Panikmache. dpa

Training unter Polizeischutz

Polizisten beobachten das Training der Nationalmannschaft. Dennoch warnt der Verband vor Panikmache.

Berlin, Brüssel, ParisTrotz der Terroranschläge von Brüssel sieht die Münchner Polizei vor dem Fußball-Länderspiel in der bayerischen Landeshauptstadt am Dienstag keine erhöhte Gefahr. „Es gibt keine Hinweise auf Terroranschläge oder ähnliches“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Schon vor den Bombenexplosionen in Belgien mit Toten und Verletzten habe für die Partie Deutschland gegen Italien (20.45 Uhr) in der Münchner Arena die höchste Sicherheitsstufe gegolten. Hunderte Einsatzkräfte sollen am Dienstagabend im Stadion und davor „gut sichtbar“ im Einsatz sein. Die genaue Zahl werde erst kurzfristig festgelegt, so der Sprecher.

Das Freundschaftsspiel ist die zweite Begegnung der DFB-Elf nach der Absage von Hannover im Herbst infolge der Terroranschläge von Paris. Am Samstag spielt die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in Berlin gegen England.

Der Deutsche Fußball-Bund selbst sieht derzeit keine Gefahr für das Länderspiel. „Wir bereiten uns vor, das Spiel ganz normal durchzuführen“, erklärte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert am Mittwoch in Berlin. Es gebe weiterhin „keinerlei Hinweis auf die Gefährdung unserer Veranstaltung“, ergänzte er. Nach den Terroranschlägen sind die Sicherheitsmaßnahmen rund um die deutsche Nationalmannschaft hochgefahren worden. Das zeige, wie sensibel mit dem Thema umgegangen werde, betonte der DFB-Sicherheitschef.

In diesen Stadien wird die Fußball-EM 2016 ausgetragen

Bordeaux (vier Gruppenspiele, ein Viertelfinale)

Stade de Bordeaux - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von Girondins Bordeaux - Kosten: 184 Millionen Euro

Lens (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Félix Bollaert-Delelis - Fassungsvermögen: 35.000 - Spielstätte von RC Lens - Kosten: 70 Millionen Euro

Lille (vier Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale)

Stade Pierre Mauroy - Fassungsvermögen: 50.000 - Spielstätte von OSC Lille - Eröffnet: August 2012 - Kosten: 425 Millionen Euro

Lyon (vier Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Halbfinale)

Stade de Lyon - Fassungsvermögen: 58.000 - Spielstätte von Olympique Lyon - Kosten: 405 Millionen Euro

Marseille (vier Gruppenspiele, ein Viertel- und ein Halbfinale)

Stade Velodrome - Fassungsvermögen: 67.000 - Spielstätte von Olympique Marseille - Umbauarbeiten abgeschlossen: Herbst 2014 - Kosten: 267 Millionen Euro

Nizza (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Nice - Fassungsvermögen 35.000 - Spielstätte von OGC Nizza. Eröffnet: September 2013 - Kosten: 245 Millionen Euro

Paris (vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Parc des Princes (Prinzenpark) - Fassungsvermögen: 45.000 - Spielstätte von Paris St.Germain - Renovierungskosten: 95 Millionen Euro

Saint Denis (Eröffnungsspiel, drei Gruppenspiele, ein Achtel-, ein Viertelfinale plus Endspiel)

Stade de France - Fassungsvermögen: 80.000 - Spielstätte der Französischen Nationalmannschaft - Renovierungskosten: keine Angaben

Saint Etienne (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade Geoffroy Guichard - Fassungsvermögen: 42.000 - Spielstätte von AS St. Étienne - Kosten: 58 Millionen Euro

Toulouse (drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale)

Stade de Toulouse - Fassungsvermögen bei UEFA-Wettbewerben: 33.000 - Spielstätte des FC Toulouse - Abschluss der Renovierungen: Sommer 2015 - Kosten: 35 Millionen Euro

Die Kontrollen der Zuschauer und aller akkreditierten Stadion-Gäste „werden intensiviert“, kündigte Große Lefert an. Dabei würde der DFB als Veranstalter in enger Kooperation mit der Polizei und den Ordnungsdiensten arbeiten. Die kurzfristige Absage der Partie im November des Vorjahres gegen die Niederlande in Hannover habe gezeigt, wie konsequent gehandelt werde, wenn konkrete Erkenntnisse über eine Gefährdung vorliegen. Beim Spiel gegen England würden „ausreichend“ Sicherheitskräfte eingesetzt, sagte Große Lefert, ohne Zahlen zu nennen. Aus England werden 4000 Fans in Berlin erwartet.

Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich am Tag nach den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt mit mehr als 30 Toten und über 250 Verletzten schockiert. Ihm seien natürlich auch die Bilder von Paris wieder in den Kopf gekommen. Von den Terroristen wolle man sich aber auch mit Blick auf die EM in Belgiens Nachbarland Frankreich nicht in Furcht versetzen lassen. „Wir lassen uns jetzt erstmal von diesen Dingen nicht beeindrucken. Wir hoffen und erwarten auch, dass diese Europameisterschaft friedlich abläuft“, sagte Löw.

Und trotz der Terrorserie in Europa wollen die französischen Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 2016 das Turnier nicht infrage stellen. „Das wäre eine Niederlage, damit würde man den Terroristen einen Sieg geben“, sagte Premierminister Manuel Valls am Mittwoch in einem Interview des Senders Europe 1. „Die Fußball-Europameisterschaft abzusagen oder zu verschieben hieße, diesen Feiglingen recht zu geben“, sagte Sport-Staatssekretär Thierry Braillard der Zeitung „L'Équipe“. Er glaube auch nicht, dass die UEFA als Organisatorin der EM darüber nachdenke.

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