Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2016

20:38 Uhr

Sieg gegen Dauerrivale Ronaldo

Messi ist Weltfußballer – mal wieder

Lionel Messi ist Weltfußballer des Jahres. Der fünfte Sieg des Superstars bei der Fifa-Gala in Zürich ist allerdings keine große Überraschung. Der deutsche Fußball holte keine großen Preise, sorgte aber für Emotionen.

Lionel Messi

Messi wird (wieder) Weltfußballer des Jahres

Lionel Messi: Messi wird (wieder) Weltfußballer des Jahres

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ZürichLionel Messi verzichtete auf jeden modischen Schnickschnack. Diesmal gab es keinen Anzug mit kleinen, weißen Punkten und keinen lila Frack wie bei vergangenen Fifa-Galas. Im schlichten schwarzen Armani-Anzug nahm der beste Fußballspieler der Welt seinen fünften Ballon d'Or entgegen, und die in Zürich versammelten Kollegen verneigten sich ehrfürchtig vor dem Superstar des FC Barcelona.

Im Dauerduell mit Cristiano Ronaldo setzte sich der 28-Jährige mit 41,33 Prozent der Stimmen durch und holte sich den Titel als Weltfußballer des Jahres 2015. Nach zwei zweiten Plätzen hinter seinem Lieblingsrivalen von Real Madrid in den vergangenen Jahren wurde der Argentinier am Montagabend im Kongresshaus von Zürich wie schon von 2009 bis 2012 mit der wichtigsten Auszeichnung für einen Profifußballer geehrt und baute seine Rekordmarke mit nun einer Handvoll Titel aus. Ronaldo kam auf 27,76 Prozent.

Wie erwartet konnte Messis brasilianischer Teamkollege vom FC Barcelona, Neymar, als dritter für das Finale bei der Fifa-Gala nominierter Spieler nicht in die Entscheidung um den Ballon d'Or eingreifen und erhielt nur 7,86 Prozent der Stimmen.

„Jedes Jahr will man besser sein als im Jahr zuvor. Wir hatten ein berauschendes Jahr, und das erfüllt einen mit Stolz“, sagte Messi. Erster Grautlant war Neymar, der mit einem kecken Hut immerhin modisch mehr auffiel als sein Kollege.

Deutsche Profis hatten es diesmal nicht unter die Top drei geschafft. Bayern-Schlussmann Manuel Neuer, vor einem Jahr als frisch gekürter Weltmeister-Torwart noch Dritter hinter Ronaldo und Messi, schied wie sein Münchner Teamkollege Thomas Müller und Toni Kroos von Real Madrid aus, als das Feld im November 2015 von 23 Spielern auf drei reduziert worden war. Neuer wurde immerhin als einziger deutscher Spieler und als einziger Bundesliga-Profi in die Fifa-Weltelf gewählt.

Zehn Dinge, die Sie noch nicht über Messi wussten

Medizinische Behandlung

Messi litt in seiner Jugend an einer Wachstumsstörung (Somatotropinmangel), sodass er mit 13 Jahren kaum 1,40 m groß war. Nachdem er wegen seiner geringen Körpergröße und den für lokale Verhältnisse hohen Behandlungskosten in bekannten argentinischen Mannschaften nicht aufgenommen worden war, wandten sich seine Eltern an den FC Barcelona. Der stellte ihn unter Vertrag und bezahlte die Ärzte.

Das Schweigen

Lionel Messi soll sehr schweigsam sein. Nicht nur auf dem Fußballplatz als auch in Interviews und TV-Auftritten bekommt er kaum die Zähne auseinander. Dass er in seiner Jugend sehr oft von seiner Familie getrennt war und die meiste Zeit auf dem Fußballplatz verbrachte, werten einige Beobachter als Grund für sein Schweigen.

Die Serviette

Den ersten Vertrag mit dem FC Barcelona unterschrieb Lionel Messis Vater in einem Restaurant in Barcelona auf einer Papierserviette.

Heimatstadt Rosario

Den schweigsamen Fußballer von Weltformat treibt es immer wieder zurück in seine argentinische Heimatstadt Rosario. Trotz seiner wegen des Fußballs ständig wechselnden Aufenthaltsorte ist er seiner Heimat treu geblieben. Seinen Jugendfreunden soll er täglich Textnachrichten schicken.

Ungesundes Essen

Lionel Messi soll so ungesund gelebt haben, dass sein früherer Coach Pep Guardiola beim FC Barcelona alle Softdrink-Automaten verbannte. Dennoch kann man dem Schleckermäulchen keine Gewichtsprobleme vorwerfen.

Versteckte Tattoos

Tattoos sind im Profifußball nichts Ungewöhnliches, bei Messi aber schon. Das brave Fußball-Ausnahmetalent scheint wie der Gegenentwurf zum voll tätowierten Kicker. Dabei hat er selbst zwei Tattoos, eins an der linken Wade und eins auf der linken Schulter.

Die „Hand Gottes“ Part II

Diego Armando Maradona und Lionel Messi ähneln sich nicht nur, weil sie beide Weltfußballer wurden und den Standard ihrer Zeit immer in Frage stellten. Messi eiferte seinem Idol sogar so stark nach, dass er prompt denn zweiten Teil der „Hand Gottes“ lieferte. Auch er kam nicht nur ungestraft davon, sondern sorgte damit für ein Tor.

Soziales Engagement

Im Jahr 2007 gründete Messi die Leo Messi Fundation, eine Organisation zur Förderung des Zugangs zu Bildung und Gesundheitsversorgung für schutzbedürftige Kinder.Im März 2010 wurde Messi als Botschafter für die UNICEF ernannt. Im März 2013 spendete er einem Kinderkrankenhaus in seiner Heimatstadt Rosario 600.000 Euro.

Katalanisch

Wenn er betrunken ist, soll er katalanisch sprechen: Lionel Messi wohnt seit 15 Jahren in Barcelona, die katalanische Sprache ist ihm anscheinend schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Che Guevara

Lionel Messi muss sich neben Diego Armando Maradona in Argentinien nur einem Mann geschlagen geben: Che Guevara, mit dem er den Geburtstag teilt.

Der deutsche Fußball holte diesmal im Gegensatz zu 2013 und 2014 keine großen Preise, sorgte aber für die emotionalen Momente des Abends. Gerald Asamoah nahm stellvertretend für alle Vereine, die Flüchtlingen helfen, den FIFA-Fair-Play-Preis entgegen. „Der Fußball kann viel bewegen“, sagte Asamoah. Es sei „sehr wichtig, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenzutreten“. 2016 werde ein wichtiges Jahr für ein solidarisches Miteinander, sagte der Ex-Schalker.

In der Frauen-Entscheidung landete die nach der WM zurückgetretene Frankfurterin Célia ?a?ic hinter der neuen Preisträgerin Carli Lloyd aus den USA. Dennoch sorgte sie für einen der schönsten Augenblicke des Abends: „In den nächsten Monaten kommt eine neue Herausforderung auf mich zu. Dafür gibt es keine Trophäe, und ich freue mich sehr darauf“, sprach sie auf der Bühne glückstrahlend von ihrer Schwangerschaft.

Bei der Trainerwahl ging der deutsche Fußball erstmals seit 2012 leer aus. Barca-Coach Luis Enrique gewann vor Bayern-Trainer Pep Guardiola und wurde Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw (2014) und Jupp Heynckes (2013). Nachfolger des Frauentrainer des Jahres Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg) ist US-Weltmeistertrainerin Jill Ellis.

An der Dominanz von Messi gab es keine Zweifel. Die Ehrung als solche durch den Fußball-Weltverband nimmt allerdings kuriose Züge an. Seit 2008 belegten Messi und Ronaldo mit einer Ausnahme (2010) immer die Plätze eins oder zwei. Der letzte andere Sieger war der Brasilianer Kaka 2007. „Ich bin ein großer Gegner des Ballon d'Or. Wer wird gewinnen? Sie wissen es so gut wie ich - es wird Messi sein“, hatte Arsenal-Trainer Arsène Wenger noch kurz vor der Zeremonie gelästert.

Messis Erfolgszahlen im Jahr 2015 sind unstrittig und beeindruckend: Fünf Titel mit dem FC Barcelona, 43 Tore in der spanischen Liga, allein zehn Treffer auf dem Weg zum Triumph in der Champions League mit den Katalanen gegen Juventus Turin im Juni in Berlin. „Einen Moment heraus zu picken, ist schwer. Es war insgesamt ein besonderes Jahr“, sagte Messi. Auch in der laufenden Saison hat er schon wieder neun Treffer in der Primera Division erzielt, obwohl er wegen einer Knieverletzung im Herbst fast zwei Monate gefehlt hatte.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×