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22.02.2016

07:38 Uhr

Skandal in Leverkusen

Sperrt Roger Schmidt!

VonThorsten Giersch

Das gab es in der Bundesliga noch nicht: Ein Trainer erhält die rote Karte und geht nicht. Bayer Leverkusens Coach Roger Schmidt trat mit Füßen, was den Fußball ausmacht. Er sollte lange gesperrt werden. Ein Kommentar.

Der vierte Offizielle muss sich einiges anhören. Das passiert häufig. Aber dass ein Trainer die Autorität des Schiedsrichtergespanns völlig ignoriert, muss Folgen haben. AP

Leverkusens Trainer Roger Schmidt gibt keine Ruhe

Der vierte Offizielle muss sich einiges anhören. Das passiert häufig. Aber dass ein Trainer die Autorität des Schiedsrichtergespanns völlig ignoriert, muss Folgen haben.

DüsseldorfRoger Schmidt pflegt seine Eitelkeit. In der Branche gibt es viele, die ihn nicht mögen. Und auch im Hinblick auf den Umgang mit Schiedsrichtern ist der Trainer von Bayer Leverkusen kein unbeschriebenen Blatt. Doch was Schmidt am Sonntag im Spiel gegen Borussia Dortmund getan hat, sprengt alles.

Für ihn hat der BVB das 1:0 nicht regelkonform erzielt. Schmidt hat sich bei den Unparteiischen derart intensiv beschwert, dass ihn Schiedsrichter Felix Zwayer auf die Tribüne verwies. Doch Schmidt erkannte die „rote Karte“ nicht an, verlangte stur eine Begründung für den Verweis und weigerte sich daher schlicht, die Coaching-Zone zu verlassen.

Schiedsrichter Zwayer reagierte souverän auf die Situation. Zuerst schickte er Kapitän Stefan Kießling zu Schmidt, da der Spielführer auf dem Feld der Ansprechpartner für den Schiedsrichter ist. Als dann Schmidt immer noch nicht ging, unterbrach Zwayer notgedrungen die Partie und verschwand in den Katakomben.

Spielunterbrechung in Leverkusen: Völlers Wutausbruch

Rudi Völler

Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist bekannt für seine emotionalen Auftritte. Im Sky-Interview lieferte er dafür ein weiteres Beispiel. Thema: Die Spielunterbrechung im Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund am 21. Februar 2016.

Quelle: sid

Attacke

Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt hatte sich geweigert, auf die Tribüne zu gehen. Dazu war er vom Schiedsrichter aufgefordert worden. Völler rechtfertigt dieses Verhalten und geht zum Gegenangriff über.

Zur Spielunterbrechung

"Der Schiedsrichter meinte, es ein bisschen spannender machen zu müssen. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob unser Trainer auf die Tribüne muss oder nicht. Aber das liegt in der Entscheidung des Schiedsrichters. Aber man kann es ihm auch einfach vernünftig erklären!"

Zu den Regeln

"So ein Spiel zu unterbrechen und dadurch so eine Hektik reinzubringen, das war völlig unnötig! Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er unserem Trainer das erklärt, egal, ob das in der Regel steht oder nicht. Wenn es anders im Regelwerk steht, dann haben wir wieder etwas dazugelernt. Dann hier so eine Nummer daraus zu machen! Die Spieler müssen reingehen, als wäre hier etwas Furchtbares passiert, das ist total übertrieben."

Zu einem Handspiel

"Wissen sie, wer neue Impulse hätte geben können? Der Schiedsrichter und die Linienrichter draußen, wenn er nämlich Handelfmeter gepfiffen hätte! Dann hätte er einen super Impuls geben können! Es war nämlich ein tausendprozentiger Elfmeter. Der Impuls wäre ganz wichtig gewesen. Das ist doch keine natürliche Handbewegung."

Zu Roger Schmidt

"Das ist doch bei anderen Trainern auch, das braucht man nicht überbewerten. Das macht jeder Trainer ein bisschen, die sind alle unter Hochspannung. Dann fühlt man sich auch ein bisschen ungerecht behandelt. Man kann unseren Trainer auch mal hochschicken, davon geht die Welt ja nicht unter. Das kann passieren, das passiert anderen auch."

Aufgebracht

"Was haben sie eigentlich mit dem Roger Schmidt? Es ist doch viel wichtiger, dass er keinen Elfmeter gepfiffen hat, oder finden sie nicht? Was meinen Sie? Wer hat uns denn mehr geschadet, der Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Nicht, wenn das Mikro aus ist, sagen, du hast ja Recht."

Vorschläge an den Schiedsrichter

"Vielleicht hat er den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Aber das muss man jetzt doch nicht so aufpumpen, die Nummer. Man muss die Mannschaften doch nicht reinschicken. Geh doch hin und sag, Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren beim vierten Offiziellen. Warum hat er das nicht gemacht?"

Sarkasmus

„Ich weiß nicht, ob Schiedsrichter Felix Zwayer jetzt gesperrt wird. Ich kann es mir nicht vorstellen“, stellte Völler sarkastisch fest.

Revanche

In seiner ungebremsten Erregung warf Völler dem Schiedsrichter auch noch vor, er habe Bayer nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt. "Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!", rief er in Anspielung auf ein Handspiel des Dortmunders Sokratis in der 71. Minute voller Sarkasmus ins Sky-Mikrofon von Sebastian Hellmann.

Dies entsprach voll und ganz den Regeln und diente dazu, die Situation zu entkrampfen. Zunächst war zwar unklar, ob er das Spiel überhaupt wieder anpfeifen würde. Doch offenbar hatte Zwayer dies von Anfang an vor. Nach intensiven Diskussionen in den Katakomben kamen die Spieler wieder auf das Spielfeld zurück. Leverkusen Trainer Schmidt blieb zunächst verschwunden.

Nun kann man sich fürwahr über die Rechtmäßigkeit dieses entscheidenden Tores streiten. Und es erregt nicht nur Roger Schmidts Gemüt, wie der BVB derzeit von zweifelhaften Entscheidungen profitiert - wie auch später dem für Leverkusen nicht gegebenen Handelfmeter. Aber was hier passiert ist, war jenseits von Gut und Böse und muss drastische Folgen haben.

Felix Zwayer nach Schmidt-Eklat: „Habe weisungsgemäß gehandelt“

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„Habe weisungsgemäß gehandelt“

Leverkusens Trainer Schmidt hat beim 0:1 seines Teams gegen den BVB für einen Eklat gesorgt. Schiedsrichter Zwayer unterbrach das Spiel für neun Minuten. Nun erläutert er, warum er keine andere Möglichkeit sah.

Es handelt sich keinesfalls um eine „Lappalie“, wie es Dortmunds Kapitän Mats Hummels nach dem Spiel ausdrückte - wohl auch, weil er derzeit ungern über Schiedsrichterentscheidungen spricht. Und auch der völlig unangebrachte Sarkasmus von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler („Ob Herr Zwayer jetzt gesperrt wird, weiß ich nicht“) zeigt, dass in Leverkusen grundsätzlich falsch gedacht wird.

Kommentare (7)

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Herr Marcel Europaeer

22.02.2016, 11:43 Uhr

Roger Schmidt hat sich unprofessionell verhalten.
Schiedsrichter Zwayer hat die Situation nicht eskalieren lassen und sich professionell verhalten.

Das Verhalten von Schmidt zeugt von Größenwahn. Nur weil er ein paar besonders talentierte Balltreter herumkommandieren darf (und dafür weit überdurchschnittlich Geld bekommt) möchte er auch noch persönlich gepampert werden, wenn ihm eine Entscheidung des Unparteiischen nicht passt. Das ist peinlich.

Ich hoffe, er ist intelligent genug, um das eigene Fehlverhalten zu erkennen.

Herr Jürgen Dannenberg

22.02.2016, 13:50 Uhr

Bitte Völler gleich mit. Was der sich wieder geleistet hat, grenzt nicht an, es ist schon Rufmord.
Schade das der DFB sich nicht traut auch juristisch gegen solche Auswüchse vorzugehen.

Herr Jürgen Mücke

22.02.2016, 16:08 Uhr

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