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12.07.2016

13:53 Uhr

Snapchat in der Bundesliga

Vorgetäuschte Nähe im Fußball

VonThomas Schmitt

Das soziale Netzwerk Snapchat erobert die Bundesliga. Neun Klubs und viele Stars ködern Fans beinahe täglich mit Bildern und Mini-Videos. Doch viele Snaps sind schwer verständlich oder langweilig. Ein Kommentar.

DüsseldorfDie sozialen Netzwerke machen es möglich. Fans können die Stars der eigenen Mannschaft inzwischen rund um die Uhr anschauen und verfolgen. Vor allem Snapchat, eine rasant wachsende App, eignet sich dafür gut. Inzwischen wird sie bereits von neun Bundesligavereinen und auch einigen Zweitligaklubs im Alltag regelmäßig genutzt. 

Fans müssen nun nicht mehr zum Trainingsgelände ihres Vereins pilgern, um einen Blick auf ihre Lieblingsfußballer zu erhaschen. Über Snapchat kann man ein paar Bilder oder Videos anschauen, wann immer man gerade Zeit hat. Wirklich viel zu sehen gibt es jedoch selten. Oft können nur eingefleischte Fans erkennen, wer gerade abgebildet wird. 

Das Problem: Die Fußballstars wissen wohl, dass sie vor, während und nach dem Training mit einem Handy gefilmt werden, doch sie ignorieren das häufig so gut, wie es eben geht. Der vereinseigene Snapchat-Filmer wiederum traut sich in der Regel nicht – persönlich oder mit seinem Kamera-Zoom – nah genug heranzugehen.

Snapchat für Anfänger: So funktioniert die App

Die App

Snapchat ist ein kostenloser Dienst für Smartphones und Tablets. Die Hälfte der Nutzer sind unter 25 Jahre alt. Bei vielen, die über 25 Jahre alt sind, sorgt Snapchat vor allem für eins: Verwirrung.
Im April 2016 sahen ca. 100 Millionen aktive Nutzer täglich 10 Milliarden Video-Clips.

Der Dienst

Gegründet wurde der Dienst 2011. Vor allem bei Teenies steht das Netzwerk mit dem gelben Geist hoch im Kurs: Sie verschicken ihre Schnappschüsse, die Snaps, in privaten Nachrichten oder posten sie öffentlich in sogenannten Geschichten.

Das Besondere

Die Privat-Snaps werden nach höchstens 10 Sekunden gelöscht, die Geschichten sind für 24 Stunden zu sehen, bevor sie von der Plattform verschwinden. Tipps von MEEDIA, wie die App funktioniert.

1. Account einrichten

Snapchat kann kostenlos sowohl für Apple- als auch Android-Geräte heruntergeladen werden. Einrichtung: E-Mail-Adresse, Geburtstag angeben, Nutzernamen wählen. (Hinweis: Der Nutzername kann nicht mehr geändert werden).

2. Freunde hinzufügen

Durch die Erfassung der Telefonnummer, zeigt Snapchat an, wer von den eigenen Kontakten ebenfalls einen Account hat.

3. Fotos oder Videos aufnehmen

Um ein Foto zu machen, drückt man einmal auf den Auslöser. Für ein Video hält man den Auslöser gedrückt. Wer das Foto löschen will, geht auf das X in der oberen linken Ecke. Oben rechts finden sich drei Symbole zur Bearbeitung des Bildes. Ganz links unten in der Ecke ist eine Uhr: Mit ihr legt man fest, wie lang Ihr Snap zu sehen sein soll. Minimum eine Sekunde,  Maximum zehn Sekunden.

4. Fotos und Videos verschicken

Man kann Fotos oder Videos entweder privat zu verschicken oder sie in eine öffentliche Geschichte posten. Bei privaten Mitteilungen sieht der Empfänger das Bild maximal zehn Sekunden, bevor es sich selbst löscht.

5. Private Chats

Um Freunden ein neues Bild oder ein neues Video zu schicken, klickt man zweimal auf den Namen. Wer ein Gespräch mit einem neuen Freund starten möche, kann über die Suchmaske den Namen des Kontaktes eingeben. Macht sein Chat-Partner einen Screenshot des eigenen Snaps, erhält man eine Benachrichtigung.

6. Die Geschichten

Vor allem für Prominente und auch immer mehr Medienmacher sind die Snapchat-Geschichten reizvoll. Hier werden alle veröffentlichen Snaps gesammelt und hintereinander abgespielt. Die Geschichte wird so im Verlauf eines Tages immer länger und nahezu in Echtzeit erzählt. Um einen Snap zu einer Geschichte hinzuzufügen, klickt man auf das Plus-Zeichen unten links neben dem Download-Symbol.

7. Geschichte löschen

Nach 24 Stunden werden öffentliche Geschichten gelöscht. Es ist nicht möglich, mehrere separate Geschichten innerhalb dieses Zeitraums zu erstellen – alle Snaps landen in derselben. Man kann eigene Stories ansehen und mit dem X-Zeichen in der rechten unteren Ecke löschen.

8. Wischen

Wer mit dem Finger von der Startseite aus nach rechts wischt (zur Erinnerung: Ein Wisch nach links bringt Sie zu den Chats), gelangt in den Geschichten-Bereich. Hier sind die Aktivitäten der Freunde zu sehen. Haben diese neue Geschichten veröffentlicht, wird nach dem Öffnen der App unten rechts eine Benachrichtigung angezeigt.

9. Unternehmen bei Snapchat

Dort, wo Sie die Geschichten Ihrer Kontakte sehen können (Swipe nach rechts), finden Sie auch den Discover-Bereich. Es ermöglicht Unternehmen, redaktionelle Inhalte wie Text, Video und auch Musik bei Snapchat unterzubringen.

Oft rätseln Zuschauer daher, was denn gerade passiert auf und neben dem Platz. Überdies fehlen mitunter Erklärungen in den einzelnen Snaps, obwohl gerade Snapchat dafür eine Fülle von Möglichkeiten bietet. Fazit: Die Vereine täuschen über die neue App eine neue Nähe zu den Stars vor, die tatsächlich nur selten erreicht wird. 

Es gibt allerdings positive Ausnahmen inmitten der Bilderflut: Etwa wenn über Snapchat gezielt ein wichtiger Transfer eines Spielers mitgeteilt wird. Oder der Snapchat-Autor bei der Vertragsunterzeichnung des Kickers dabei sein darf. Gelegentlich machen sich die Vereinsautoren auch Gedanken, was sie ihren Fans denn eigentlich erzählen wollen. 

Snapchat in Zahlen

Was ist Snapchat?

Snapchat gilt als soziales Netzwerk der Stunde. Zwar sind die Nutzerzahlen im Vergleich etwa zu Facebook, Twitter und Instagram weitaus geringer, aber besonders viele junge Leute nutzen die App*

*Zahlen nach Angaben von Snapchat

Anzahl der Nutzer

Rund 150 Millionen Nutzer sind täglich aktiv.

Videos

10 Milliarden Videos sind täglich auf Snapchat zu sehen

Alter der Nutzer

Fast 90 Prozent aller Nutzer sind jünger als 35 Jahre

Ü25

60 Prozent sind jünger als 25

Heimatmarkt USA

60 Prozent der US-amerikanischen Smartphone-Nutzer zwischen 13 und 34 sind auf Snapchat

Da es solche Geschichten auch in großen Fußballklubs jedoch nicht immer gibt und die Vereine dennoch etwas liefern wollen, überfluten sie die Zuschauer mit schnell gemachten Aufnahmen aus dem Trainingsalltag. Das wirkt auf Dauer ermüdend und sollte überdacht werden – im eigenen Sinne.

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