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29.05.2014

10:10 Uhr

Sorgen vor der WM 2014

Brasiliens Gustavo fordert mehr Sicherheit

Vor der Fußballparty steigen die Sorgen um die Sicherheitslage im Gastgeberland. Brasiliens Nationalspieler Luiz Gustavo hat Verständnis für die Demonstranten. Er kennt die Probleme, hofft aber auf ein friedliches Fest.

Luiz Gustavo fordert: „Brasilien braucht mehr Sicherheit.“ dpa

Luiz Gustavo fordert: „Brasilien braucht mehr Sicherheit.“

WolfsburgBrasiliens Nationalspieler Luiz Gustavo zeigt vor der Heim-WM Verständnis für die Sorgen seiner Landsleute und die Probleme in seiner Heimat. „Ich kann die Leute auf der Straße verstehen. Brasilien braucht mehr Sicherheit, auch die Gesundheitsversorgung ist vielerorts schlecht“, sagte der Mittelfeldspieler in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Im vergangenen Jahr war es während des Confederations Cup zu Ausschreitungen gekommen. Zahlreiche Menschen hatten auf der Straße gegen Korruption, Misswirtschaft und hohe Preise protestiert.

Trotzdem setzt der 26-Jährige vor seiner ersten Weltmeisterschaft auf die Fußballbegeisterung der rund 200 Millionen Brasilianer: „Wir brauchen das ganze Land, und das wissen die Leute auch. Daher werden sie uns unterstützen.“ Er ist überzeugt, mit Unterstützung der Fans den goldenen Siegerpokal gewinnen zu können. „Wir werden bis zum Finale dabei sein und dann, wenn Gott will, auch Weltmeister werden“, betonte der Bundesliga-Akteur des VfL Wolfsburg.

Dass die Erwartungshaltung in seiner fußballverrückten Heimat riesig ist und alles andere als der Titel für die meisten Fans eine große Enttäuschung wäre, wertet er als zusätzliche Motivation: „Das ist positiver Druck. Wir werden versuchen, die Leute mitzunehmen und ihre positive Energie für uns zu nutzen.“

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

Das gestiegene Selbstbewusstsein der „Selecão“ hängt vor allem mit dem Gewinn des Confederations Cup im vergangen Jahr zusammen – und für Gustavo auch mit Trainer Luiz Felipe Scolari: „Er weiß ganz genau, worauf es bei Weltmeisterschaften ankommt. In schwierigen Situationen kennt er Lösungen, die nur ein großer Trainer wie er kennen kann.“

Zudem sei das Mannschaftsgefüge deutlich ausgeglichener als bei den vergangenen Turnieren. „Früher hatten wir Topstars wie Ronaldo, Romario oder Ronaldinho. Heute ist das anders. Bei uns gibt es keine Individualisten, das Team steht über allem“, betonte er: „Das ist der simple Unterschied zu früher.“

Die Meinung von einigen Europäern, die den südamerikanischen Teams Vorteile wegen der klimatischen Bedingungen einräumen, teilt Gustavo nicht. „Ich glaube, dass alle Mannschaften Probleme mit den Klima haben könnten - auch Brasilien. Zwar kennen ich und meine Mitspieler die Bedingungen, doch fast alle Spieler unserer Mannschaft spielen in Europa“, sagte der Profi.

Neben der großen Unterstützung durch seine Landsleute sieht er stattdessen einen anderen Vorteil - das Essen. Gustavos Lieblingsgericht? „Reis mit Bohnen, das ist das brasilianische Nationalgericht. Das gibt es in Deutschland leider nicht, zumindest nicht die spezielle brasilianische Zubereitung“, sagte der VfL-Spieler. Und fügte mit grinsender Miene an: „Umso besser, dass die WM in Brasilien stattfindet.“

Von

dpa

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