Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2012

15:56 Uhr

Spielerberater Sandro und Kon Schramm

„Podolski ist unsere Premium-Marke“

VonThomas Mersch, Stefan Merx

13 Millionen soll der Wechsel von Lukas Podolski zum FC Arsenal gekostet haben. Kein schlechtes Geschäft – auch für seine Berater? Ein Gespräch über Geschäftsmodelle, Interessenkonflikte und die Ethik des Berufsstands.

Podolski liebt „seinen “ FC. dpa

Podolski liebt seinen FC.

DüsseldorfSeit Montag ist klar: Ihr teuerster Klient Lukas Podolski wechselt zu Arsenal London, eine Ablöse von 13 Millionen Euro ist im Gespräch. Wie viel davon bekommen Sie?

Sandro Schramm: Selbst Bekannte rufen nach Transfers immer an und sagen: Da habt ihr ja gut verdient. Dass wir einen Teil der Ablösesumme erhalten, ist aber ein Irrglaube. Unser Honorar berechnet sich nach dem Gehalt des Spielers.

Ein Zusammenhang zwischen Marktwert und Spielergehalt lässt sich kaum bestreiten, oder?

Sandro Schramm: Ja, aber ganz so einfach ist es nicht. Wir verfügen über eine Datenbank mit über 250 eigenen Transfers, und wir haben Excel-Tools entwickelt. Wenn uns ein Spieler fragt, was er verdienen kann, erwartet er eine Antwort. Da spielen Faktoren rein wie Alter, Position, Verein, der Anteil Fixgehalt und die variablen Komponenten. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür, was angemessen ist.

Podolski verdient über Privatverträge gut hinzu. Er wirbt für Pepsi, Hyundai, Rewe und weitere vier Marken. Ist er ein Selbstläufer?

Sandro Schramm: Poldi ist in Deutschland heute mit Sicherheit der Spieler mit dem höchsten Vermarktungswert. Wenn man sich die Zahl der Werbeverträge und die Volumina anschaut, hat er Michael Ballack abgelöst.

Gibt es eine Grenze? Entweder weil der Spieler überreizt ist, oder weil sich die Werbeengagements bereits mit anderen beißen?

Sandro Schramm: Wir verfolgen eine Premiummarkenstrategie mit Podolski. Wenn Pepsi für seine internationale Kampagne einen Nationalspieler sucht, dann ist es unsere Aufgabe, diesen Part mit Poldi zu besetzen. Im Umkehrschluss heißt es auch, dass wir keinen direkten Konkurrenten wie Schweinsteiger unter Vertrag haben können - das gäbe einen Konflikt.

Aber drohen nicht auch Konflikte, wenn er im bisherigen Klub Ford vertritt, in der Nationalmannschaft die Mercedes-Jacke trägt und für Hyundai twittern soll?

Sandro Schramm: Diese Dinge muss man vorab abklären, der Verein muss zustimmen. Auch der DFB-Marketingchef ist informiert, damit er Poldi bei einer Mercedes-Kampagne möglicherweise aus der ersten Reihe raushält.

Als Spielerberater sind Sie von einem dubiosen Image umweht. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe?

Kon Schramm: Es ist unter anderem eine Arbeitsvermittlung, verbunden mit einer hohen Verantwortung. Es geht um die Karriere des Spielers, darum, ob er einen Job hat und wie er wirtschaftlich aufgestellt ist. Wir haben eine enge emotionale Bindung und sind auch Fan unserer Spieler: Wir sitzen auf der Tribüne - und oftmals telefonieren wir mit unseren Spielern samstags noch um 23 Uhr anderthalb Stunden und diskutieren über das Spiel.

Nehmen Sie nur Spieler unter Vertrag, deren Fans Sie sind?

Kon Schramm: Das nicht, aber wir müssen charakterlich überzeugt sein. Wir können uns verbürgen, dass unsere Spieler integer sind.

Sitzt ein Spieler mit am Tisch, wenn Sie verhandeln?

Kon Schramm: Bei Vorgesprächen mit dem Trainer: ja. Wenn wir mit dem Manager Vertragsinhalte verhandeln: in der Regel nein.

Sie wissen auf den Penny genau, was Podolski verdient. Weiß er es auch von Ihnen?

Kon Schramm: Ja, das weiß er. Inzwischen müssen die Vereinbarungen, die wir mit den Klubs treffen, meist auch vom Spieler unterschrieben werden. Dem Spieler soll jeder Geldfluss transparent gemacht werden. Er wird auch verpflichtet, von unserem Honorar nichts anzunehmen. In England sind diese Dinge aufgrund von Korruption schon seit längerer Zeit strenger reglementiert.

Sie verhandeln im heißen Spannungsfeld: Spieler, Trainer, Klubmanager. Wer ist Ihr Kunde?

Sandro Schramm: Wir vertreten in erster Linie die Interessen des Spielers - gegenüber Vereinen, Werbekunden und Medien.

Dann müsste doch auch der Spieler für Ihre Dienste zahlen. Das tut aber der Verein.

Kon Schramm: Das ist seit Jahren eine Diskussion. Es hat sich nicht durchgesetzt. Wir präferieren die Zahlungen durch die Klubs. Auch sie sind unsere Partner, wir harmonisieren die Interessen. Es ist ein enges, partnerschaftliches Zusammenarbeiten.

Manchmal klingt das anders: Andreas Rettig, Manager des FC Augsburg, mahnte gleich nach dem Rekord-TV-Abschluss der Bundesliga: Man müsse aufpassen, dass nicht die Mehreinnahmen direkt in die Tasche der Spielerberater wandern. Überzogen?

Kon Schramm: Auf der anderen Seite, bei den Klubs, sitzen Leute, denen völlig freigestellt ist, welche Entscheidung sie im Hinblick auf die Höhe der Honorare treffen. Sie können immer sagen: Wir machen das nicht zu diesen Bedingungen.

Podolski: Der FC ist und bleibt mein Verein

Video: Podolski: Der FC ist und bleibt mein Verein

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×