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30.09.2015

11:14 Uhr

Spielmacher

Wie Trainer den Fußball verändern

VonThomas Hitzlsperger

Neue Trainer sprechen heute gerne von einem langfristigen Projekt, das sie umsetzen werden. Um die langfristige Ausrichtung des Vereins muss sich jedoch der Sport-Vorstand kümmern, meint Thomas Hitzlsperger.

Der deutsche Trainermarkt hat eine Menge guter Talente in den vergangenen Jahren hervorgebracht. dpa

Thomas Hitzlsperger

Der deutsche Trainermarkt hat eine Menge guter Talente in den vergangenen Jahren hervorgebracht.

Wenn Peter Neururer wieder einen Job annimmt, wird er gewohnt lässig behaupten, dass er genau der richtige Trainer sei. Er ist keiner, der von einem Dreijahresplan redet. Neururer macht es sofort. Das mag naiv oder vielleicht arrogant wirken, aber planlos ist es nicht.

Neue Trainer sprechen heute gerne von einem langfristigen Projekt, das sie umsetzen werden. Gemeint ist damit, dass sie nicht sofort nach der ersten Niederlagenserie entlassen werden wollen. In der Bundesliga werden jedoch keine Projektmanager gesucht, sondern Fachkräfte, die mit den Spielern das Maximum erreichen sollen.

Um die langfristige Ausrichtung des Vereins muss sich der Sport-Vorstand kümmern. Das kann und darf nicht die Aufgabe des Trainers sein, weil der Verein sonst bei jedem Trainerwechsel die Philosophie ändern müsste. Das hält kein Klub aus.

Champions-League-Prämien

Hohe Ausschüttung

Die Champions League bleibt für die Uefa und die teilnehmenden Fußball-Klubs ein florierendes Geschäft. Mehr als 900 Millionen Euro werden in dieser Spielzeit ausgeschüttet.

Sichere Startprämie

Als fixe Startprämie verbuchen alle 32 Vereine 8,6 Millionen Euro. In der Summe sind für den Champions-League-Sieger im besten Fall mehr als 60 Millionen Euro möglich.

Siegprämien

Pro Sieg in der Gruppenphase gibt es eine Million Euro, für jedes Unentschieden halb so viel. Erfolg zahlt sich auch in der K.o.-Runde richtig aus. 3,5 Millionen Euro überweist die UEFA für den Achtelfinal-Einzug, weitere 3,9 Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. Die Halbfinalisten erhalten 4,9 Millionen Euro, der unterlegene Finalist 6,5 Millionen. Der Sieger des Endspiels Ende Mai in Lissabon bekommt 10,5 Millionen Euro überwiesen. Dazu kommen Ticketeinnahmen in Millionenhöhe.

Bayern verdienen am meisten

Der FC Bayern kommt nach dem Achtelfinale bereits auf 28,76 Millionen Euro Startgeld und Prämien. Dortmund nahm 24,85, Leverkusen 21,43 und Schalke 18,51 Millionen Euro ein. Ziehen die Bayern ins Viertelfinale ein, würden die Gesamteinnahmen bereits annähernd 50 Millionen Euro betragen.

Der Titel war viel Geld wert

Beim Titelgewinn 2013 kassierten die Münchner insgesamt 55,046 Millionen Euro an Uefa-Prämien, davon 19,146 Millionen aus dem Markt-Pool. Hinzu kamen rund 15 Millionen Euro an Zuschauer-Einnahmen aus sechs Heimspielen.

Vergleich Europa League

Die Gelder in der Europa League sind im Vergleich zur Königsklasse nur Trostpflaster. Im kleinen Europacup fließen nur mehr als 200 Millionen Euro an die 48 Vereine. Der Cupsieger bekommt fünf Millionen Euro, der unterlegene Finalist muss sich mit 2,5 Millionen Euro begnügen. Mit speziellen Bonifikationen kann der Europa-League-Sieger fast zehn Millionen Euro einstreichen.

Der deutsche Trainermarkt hat eine Menge guter Talente in den vergangenen Jahren hervorgebracht. Bundesliga-Trainer ist nun ein Traumjob für jedermann, Erfahrung als Fußballprofi keine Voraussetzung mehr. Das hat den Fußball verändert und einen neuen Typus hervorgebracht, der neuerdings als Laptop-Trainer bezeichnet wird. Der allgemeinen Qualität hat das nicht geschadet.

Zu beobachten ist jedoch, dass sich die Spielstile vieler Mannschaften ähneln. Besonders beliebt ist das Gegenpressing, am liebsten in einem 4-2-3-1-System. Die Athletik, das Tempo und das Spielverständnis haben zugenommen. Doch wenn alle Verfechter der schnellen Balleroberung sind, entscheidet am Ende wieder Tagesform oder individuelle Klasse. Dadurch werden auch die Neulinge ersetzbar und müssen nach kurzer Zeit fürchten, vom nächsten Jahrgangsbesten verdrängt zu werden.

Es überrascht daher nicht, dass mit Bayern München und Borussia Dortmund zwei Teams an der Bundesliga-Spitze stehen, deren Trainer kein System als das einzig Wahre ausrufen. Das Spiel verändert sich rasant, Pep Guardiola und Thomas Tuchel haben dies begriffen. Und Peter Neururer weiß, dass diese Entwicklung noch nicht überall angekommen ist.

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