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08.03.2016

09:37 Uhr

Spitzenspiel

Dämpfer für RB Leipzig

Quelle:dpa

Bei Schneefall und auf einem extrem schwer zu bespielenden Rasen taten sich der SC Freiburg und RB Leipzig im Spitzenspiel der zweiten Liga recht schwer. Für einige war es „kein richtiges Fußballspiel“.

Vincenzo Grifo (l) erzielte die zwischenzeitliche 1:0-Führung. Foto: Patrick Seeger dpa

SC Freiburg - RB Leipzig

Vincenzo Grifo (l) erzielte die zwischenzeitliche 1:0-Führung. Foto: Patrick Seeger

FreiburgZweitliga-Spitzenreiter RB Leipzig ist auf dem Weg in die Fußball-Bundesliga ausgerutscht. Bei starkem Schneefall verloren die Sachsen das Spitzenspiel beim SC Freiburg mit 1:2 (0:1). Auf dem extrem schwer zu bespielenden Rasen im Schwarzwaldstadion nutzten Vincenzo Grifo (10. Minute) und Florian Niederlechner (68.) zwei der wenigen Torchancen für die entscheidenden Treffer. Kapitän Dominik Kaiser (56.) erzielte nur den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Gäste, deren Vorsprung vor den Breisgauern sich auf drei Punkte verringerte.

„Auf so einem Platz ist es wichtig, in Führung zu gehen”, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich im TV-Sender Sky und betonte: „Es ging nicht so sehr um einen Gradmesser, sondern mehr um drei Punkte.” Leipzig hat trotz der Niederlage noch sechs Punkte Abstand auf den Relegationsrang. „Die Mannschaft hat das Beste draus gemacht”, sagte Leipzigs Torschütze Kaiser. Für Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier war die umkämpfte Partie „natürlich kein richtiges Fußballspiel”.

Immer wieder Fanproteste gegen RB Leipzig

Anfeindungen

Seit der Gründung von RasenBallsport Leipzig im Jahr 2009 sieht sich der von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz finanzierte Verein immer wieder Anfeindungen gegnerischer Fans ausgesetzt. Eine Chronologie ausgewählter Vorfälle.

2009

Nach der Übernahme des Spielrechts vom SSV Markranstädt gibt es in dem Leipziger Vorort bereits vor den ersten Partien Proteste. Dabei werden unter anderem Werbebanden beschädigt und der Rasen des Spielfeldes mit Unkrautbekämpfungsmittel zerstört.

März 2011

Nach Protesten seiner Fans sagt der KSV Hessen Kassel das vereinbarte Testspiel gegen RB Leipzig ab. Es folgen immer wieder ähnliche Beispiele: Das Prominenteste zuletzt im Sommer 2014, als sich der Bundesligist VfB Stuttgart von seinen Anhängern umstimmen lässt.

Saison 2014-2015

Im Internet wird die deutschlandweite Kampagne „Nein zu RB“ gegründet. Transparente mit der Aufschrift hängen in den Stadien zahlreicher Zweitligisten. Viele Anhänger boykottieren die Auswärtsspiele ihrer Clubs in Leipzig.

September 2014

Beim 1. FC Union Berlin tragen 20.000 Zuschauer im Stadion schwarze Regencapes und schweigen in den ersten 15 Minuten der Zweitligapartie.

Februar 2015

Beim Auswärtsspiel in Aue halten die Fans aus dem Erzgebirge ein Transparent in die Höhe, das Red-Bull-Chef Mateschitz in einer Naziuniform zeigt. Nach der Partie werden Spieler beim Auslaufen mit Schneebällen beworfen.

März 2015

In Karlsruhe erreichen die Anfeindungen mit dem Blockieren des Mannschaftsbusses und des Autos von Sportdirektor Ralf Rangnick, einem geforderten Trikot-Rücktausch und dem Eindringen von schwarz gekleideten Personen ins Mannschaftshotel den vorläufigen Höhepunkt.

März 2015 (2)

In Heidenheim werden Auswechselspieler bei der Erwärmung neben dem Feld mit Bierbechern beworfen. RB-Verteidiger Sebastian Heidinger trifft ein Becher, der mit Urin gefüllt ist.

September 2015

Fans des 1. FC Heidenheim attackierten den Mannschaftsbus von RB. Im Anzug liefen sie dem Bus entgegen und bewarfen ihn mit selbst gedruckten Geldscheinen. Auf den Scheinen war der Schriftzug "Scheiß Red Bull" zu lesen. Zudem wurde Mäzen Mateschitz mit großer Hakennase abgebildet.

Mai 2016

Im letzten Heimspiel als Trainer des FC Ingolstadt wurde Trainer Ralph Hasenhüttl von den eigenen Fans ab ausgepfiffen, weil er zu RB Leipzig wechselte. Im Fanblock hielten Zuschauer große Transparente hoch, darauf stand: Hasenhüttl wolle lieber Rangnicks Hofnarr in Leipzig sein als König der "Schanzer", er habe keinen Charakter.

November 2016

Unbekannte haben auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig vor dem Duell bei Bayer Leverkusen eine Farbbeutel-Attacke verübt. Der Vorfall ereignete sich auf der Anfahrt zum Spiel einen Kilometer vor der BayArena. Die Farbbeutel trafen die Windschutzscheibe des RB-Gefährts. Zu Schaden kam niemand. "Wir können das nicht gutheißen", sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler bei Sky: "Ich weiß nicht, ob es welche von Bayer Leverkusen oder andere waren, aber das können wir natürlich nicht hinnehmen. Das darf wirklich nicht sein." Leverkusens Trainer Roger Schmidt sagte, dieses Verhalten sei "völlig unnötig und respektlos".

Dezember 2016

In der ersten Halbzeit des Spiels Hertha BSC gegen RB Leipzig ist für rund eine Minute in der Hertha-Kurve ein Banner in Anspielung auf eine frühere Erkrankung von Leipziger Sportdirektor Ralf Rangnick entrollt worden. "Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout", stand darauf. Der 58-Jährige musste im Jahr 2011 seinen Trainer-Job bei Schalke 04 wegen eines Erschöpfungssyndroms aufgeben. "@HerthaBSC distanziert sich von diesem widerlichen Banner!", schrieb Herthas Manager Michael Preetz nach dem 0:2 (0:1) via Twitter und setzte damit ein deutliches Zeichen. Rangnick reagierte relativ gelassen.

Die 23 500 Zuschauer sahen zwei technisch eigentlich starke Aufstiegsfavoriten, die auf dem glitschigen Untergrund große Probleme hatten. Beiden Teams unterliefen schon zu Beginn viele leichte Fehler. Den ersten größeren nutzten die Freiburger gleich eiskalt aus.

Nach einem langen Abschlag von SC-Torwart Alexander Schwolow konnte Leipzigs Verteidiger Marvin Compper den Ball nicht kontrollieren und ließ ihn an Florian Niederlechner durchrutschen. Über Maik Frantz gelangte der Ball zum starken Grifo, der ins lange Eck zur Führung einschob.

Fakten zu RB Leipzig

Gründung

Der Verein wurde am 19. Mai 2009 als RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Er übernahm damit das Startrecht von drei Männermannschaften des SSV Markranstädt.

Umsatz

Die Region hofft auf den großen wirtschaftlichen Schwung durch einen sächsischen Fußballverein in der Bundesliga. Für die Region Leipzig könnten durch den Aufstieg von RB in die erste Liga rund 200 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden, schätzen Experten.

Kaderwert

Der Kader ist rasant im Wert gestiegen. Zu Zweitligazeiten betrug der Marktwert rund 30 Millionen Euro, im November 2016 sind es mehr als 80 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Sponsoren

Hauptsponsor ist die Getränkefirma Red Bull aus Österreich. Experten schätzen, dass der Konzern rund 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Da die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist der Hauptsponsorenname als Namensbestandteil unzulässig. Auch über das Logo herrschte lange Zeit Unklarheit, jedoch wurde es nachträglich vom SFV nach minimalsten Änderungen doch zugelassen.

Stadion

Seine Heimspiele trägt RasenBallsport Leipzig in der 44.345 Zuschauer fassenden "Red Bull Arena" aus. Es war als Zentralstadion auch Austragungsort der WM 2006 und ist 2003 für 90 Millionen Euro gebaut worden. Der Vertrag über die Namensreche läuft bis 2040. Nachgedacht wird über ein größeres Stadion.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Ein Bier der Marke Ur-Krostitzer (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,50 Euro

Vereinsführung

Das Management wird gebildet vom Sportdirektor Ralf Rangnick, dem Geschäftsführer Ulrich Wolter sowie dem Mäzen Dietrich Mateschitz.

Trainer

Ralph Hasenhüttl hat die Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 übernommen. Der Österreicher war zuvor mit dem FC Ingolstadt in die Bundesliga aufgestiegen und hatte die Klasse überraschend gehalten.

Wertvollste Spieler (November 2016)

Naby Keita (11 Millionen Euro), Oliver Burke (10 Millionen Euro), Timo Werner (8 Millionen Euro).

Personalaufwand

Der Etat der Profi-Mannschaft liegt in der Saison 2016/17 bei 35 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu Spitzenteams, die dafür 100 Millionen Euro ausgeben. Beim FC Bayern sind es sogar rund 200 Millionen Euro.

Auch in der Folge bliebt der Schneefall dicht. Nach rund einer halben Stunde unterbrach Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie sogar kurzzeitig, damit die Linien freigeschaufelt werden konnten. Gefährlich wurden die Leipziger in der Folge meist nur, wenn ein langer Pass den schnellen Stürmer Yussuf Poulsen fand.

Eine erste echte Torchance erarbeitete sich das Team von Trainer Ralf Rangnick aber erst nach dem Seitenwechsel - und nutzte diese gleich aus. Poulsen hatte im SC-Strafraum zu viel Platz und legte den Ball auf Kaiser zurück, der aus kurzer Distanz den Ausgleich schoss.

Doch nur rund zehn Minuten später bewies Freiburgs Trainer Christian Streich mit der Einwechselung von Torjäger Nils Petersen ein glückliches Händchen. Mit seiner ersten Aktion passte er den Ball auf Winter-Neuzugang Niederlechner, der sein viertes Tor im SC-Trikot erzielte und für großen Jubel auf den Rängen sorgte.

RB Leipzig: Retortenverein, Talentschmiede, Spitzenreiter

Premiere

Das erste Pflichtspiel der Vereinsgeschichte bestritten die Leipziger am 31. Juli 2009 im Sachsenpokal und besiegten in der ersten Runde den VfK Blau-Weiß Leipzig mit 5:0. Christian Streit schoss das erste Pflichtspieltor für RB Leipzig.

Erfolge in der Anfangszeit

Kurz vor dem Beginn der zweiten Bullen-Saison wurde das Zentralstadion am 24. Juli 2010 offiziell in Red Bull Arena umbenannt. Zur Eröffnung spielte RB Leipzig vor 21.566 Zuschauern gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 (1:2). Das erste Pflichtspiel mit dem ersten Tor (Steven Lewerenz) folgte am 6. August gegen Türkiyemspor Berlin (1:1).

Erste Erfolge

Meister der Oberliga Nordost und Aufstieg in die Regionalliga 2009/10, Sachsenpokalsieger und Qualifikation für den DFB-Pokal 2011 und 2013. Meister der Regionalliga Nordost und Aufstieg in die 3. Liga 2012/13. Aufstieg in die zweite Liga 2013/14.

Talentschmiede

Am 14. August 2011 wurde das Trainingszentrum offiziell eröffnet. Es ist neben der Red Bull Arena die zweite Vereinsbasis. Aktuell trainieren neben der Profi-Mannschaft die Nachwuchs-Mannschaften der U23, U19, U17, U16, U15 und U14 im sechs Hektar großen Zentrum auf sechs Plätzen unter Top-Bedingungen.

Trainingszentrum

Im Spätherbst 2013 fiel der Startschuss für den Ausbau des Trainingszentrums, dessen Herzstück ein Gebäudekomplex (13.500 Quadratmeter) mit Trainings-, Ausbildungs-, und Unterbringungsmöglichkeiten ist. Dazu kommen vier Naturrasen- und zwei Kunstrasenplätze nach FIFA-Maßen (105 x 67 Meter) und mit Flutlicht, sowie unter anderem ein Internat mit 50 Einzelzimmern, Büroflächen, Fan- und Elterncafé und eine überdachte Tribünenanlage mit 1000 Sitzplätzen.

Erster Torjäger

RB-Kapitän Daniel Frahn (26) wurde 2012 und 2013 mit 26 bzw. 20 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nordost. Auch in der dritten Liga spielte er 2013/14 eine gute Rolle und schoss 19 Tore.

Erste Pokalsensation

Im ersten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte gelang am 29. Juli 2011 ein echter Coup. Mit 3:2 warf RB Leipzig den Bundesligisten VfL Wolfsburg aus dem Wettbewerb.

Zweite Bundesliga

2014 bis 2016 spielte RB in der 2. Bundesliga. Für die Saison 2015/16 verpflichtete Leipzig den Bundesligaspieler Davie Selke für acht Millionen Euro von Werder Bremen. Insgesamt gab der Verein 18,6 Millionen Euro für neue Spieler aus und damit 2,1 Millionen Euro mehr als alle anderen 17 Zweitligisten zusammen.

Bundesliga

Am 8. Mai 2016 stieg RB Leipzig in die erste Liga auf. Viel Geld wurde erneut für Spieler ausgegeben. So kam der Juniorennationalspieler Timo Werner für rund 10 Millionen Euro vom VfB Stuttgart. Das schottische Talent Oliver Burke kostete rund 18 Millionen Euro (15 Millionen Pfund). Er kam von Nottingham Forest.

Spitzenreiter

Am 11. Spieltag der Saison 2016/17 übernahm RB die Tabellenführung. Zudem brach der Aufsteiger den Rekord des MSV Duisburg aus der Saison 1993/94. Bislang hatte kein Aufsteiger am 11. Spieltag 27 Punkte gesammelt.

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