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19.05.2017

12:02 Uhr

Sponsoren im Fußball

Adidas schlägt Nike auf dem Rasen

VonJoachim Hofer

Der Sportartikelkonzern Adidas lässt den Erzrivalen Nike in Europa weit hinter sich. Die Endspiele in Champions- und Europa-League machen Adidas-Teams komplett unter sich aus. Nur in einem Land läuft es nicht rund.

Umsatzzahlen bei Adidas

Adidas will noch höher hinaus – Aber es gibt Zweifel, ob das gelingen kann

Umsatzzahlen bei Adidas: Adidas will noch höher hinaus – Aber es gibt Zweifel, ob das gelingen kann

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MünchenThe same procedure as every year: Zum 27. Mal werden an diesem Samstag die Spieler des FC Bayern die Meisterschale in Händen halten. Kurz nach Abpfiff der Partie gegen Freiburg, so gegen halb sechs, wollen Ligapräsident Reinhard Rauball und Liga-Geschäftsführer Christian Seifert die Metallscheibe in der Münchener Fußball-Arena überreichen.

Für den Ausrüster Adidas sind die Münchener eine sichere Bank. In den vergangenen zehn Jahren standen die Kicker aus der bayerischen Landeshauptstadt am Ende der Saison sieben Mal an der Tabellenspitze. Dass der Deutsche Meister die Marke mit den drei Streifen trägt, ist deshalb nicht ungewöhnlich.

Die Baustellen von Adidas

Anspruchsvolles Erbe

Für den Sportartikelkonzern Adidas läuft es zur Zeit richtig gut. So gut, dass sich der seit rund einem halben Jahr amtierende Vorstandschef Kasper Rorsted schon des Öfteren die Frage gefallen lassen musste, ob es nicht eine Bürde sei, die Führung eines Unternehmens zu übernehmen, das in so guter Verfassung ist. Um eine Antwort nicht verlegen, konterte der 55-jährige Däne stets mit einem Bild aus der Welt des Fußballs: Lieber trainiere er einen Club aus der Champions League als einen Verein aus der zweiten Liga. Einige Baustellen hat Rorsted indes von seinem Vorgänger Herbert Hainer geerbt.

US-Geschäft braucht weitere Investitionen

Die USA waren vor einigen Jahren noch ein Problemmarkt. Um das zu ändern, pumpte Langzeit-Chef Hainer viel Geld ins Marketing und orientierte sich stärker am Geschmack der Amerikaner. Inzwischen ist Adidas bei der jungen Zielgruppe wieder angesagt. Rorsted muss aber weiterhin viel in den USA investieren. Der Abstand zu Marktführer Nike ist noch immer gewaltig und auch die anderen Konkurrenten schlafen nicht. „Der Wettbewerb wird intensiver werden“, prophezeit Matt Powell, Analyst beim Marktforscher NPD Group. Innovative Produktionswege, Schnelligkeit und Nachhaltigkeit seien entscheidend, um langfristig Erfolg zu haben.

Unsicherheitsfaktor Trump

Welche Auswirkungen die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf deutsche Unternehmen hat ist derzeit noch ein Rätsel. Sollte es allerdings zu den befürchteten Importsteuern kommen, könnte das Adidas oder auch Puma empfindlich treffen, glaubt Julian Easthope von der britischen Bank Barclays. Die meisten Waren der Sportartikelhersteller würden in Asien hergestellt. Es sei gut möglich, dass die Konzerne erwägen, bald mehr lokal zu produzieren.

Schwebender Golf-Verkauf

Beim Verkauf der Golfmarken Taylormade, Adams und Ashworth hakt es. Anders als geplant hat Adidas derzeit noch keinen Käufer. Die Verluste der Marken seien viel höher als angenommen, schrieb die „New York Post“ vergangene Woche. Fakt ist, dass immer weniger Menschen Golf spielen, der Markt schrumpft. Adidas will sich daher auf die Produktion von Kleidung und Schuhen für den Sport beschränken. Die Investitionen hierfür sind deutlich geringer als diejenigen für die Entwicklung neuer Schläger oder Bälle.

Ungewisse Reebok-Zukunft

Der Druck auf die Fitness-Tochter nimmt zu. Reebok wächst nur außerhalb des amerikanischen Heimatmarkts und weitaus schwächer als die Hausmarke Adidas. Seit Jahren wird spekuliert, wann sich Adidas von der 2006 zugekauften Tochter wieder trennt. Rorsted scheint zumindest ungeduldiger zu sein als sein Vorgänger. In jedem Sport müsse jedes Mannschaftsmitglied seinen Beitrag zum Gesamterfolg des Teams leisten, hatte er im Herbst gesagt und erste Einschnitte eingeleitet. Dazu gehört der Abbau von 150 Jobs. Zudem wird etwa die Hälfte der Outlets und Läden von Reebok in Nordamerika geschlossen.

Digitalisierung soll Chancen eröffnen

Rorsted will Adidas noch digitaler machen. Bereits jetzt schon vernetzt sich der Konzern mit seinen Konsumenten, studiert das Kaufverhalten und die Sportgewohnheiten, um besser auf Wünsche reagieren zu können. Digitaler heißt auch schneller. Im fränkischen Ansbach testet Adidas seit dem vergangenen Jahr Automatisierungstechniken für die Herstellung von Schuhen. In der so genannten Speed-Factory sollen Roboter eine halbe Million Paar pro Jahr fertigen. Eine weitere Anlage ist in den USA geplant. Test gab es auch kürzlich mit Klamotten. In einem Pop-up-Store in Berlin konnte man sich für kurze Zeit seinen persönlichen Pullover stricken lassen.

Quelle: dpa

Bemerkenswert allerdings ist, dass die Nummer zwei der Sportbranche dieses Frühjahr auch international dominiert. Mit Juventus Turin und Real Madrid stehen zwei von Adidas gesponserte Teams im Finale der Champions League. Im Endspiel der Europa League duellieren sich ebenfalls zwei Mannschaften, die bei den Franken unter Vertrag sind: Ajax Amsterdam und Manchester United.

Damit nicht genug: In England hat sich mit Chelsea bereits ein Adidas-Team die Meisterschaft gesichert, genauso Juventus in Italien. Und Real hat in Spanien beste Chancen auf den Titel. Weltmarktführer Nike hat derweil auf dem Rasen das Nachsehen. Die großen Teams der Amerikaner verabschiedeten sich alle vorzeitig aus der Champions League, Barcelona ging genauso unter wie Paris Saint-Germain, Atletico Madrid oder Manchester City.

Begehrter „Superstar“: Adidas läuft Nike den Rang ab

Begehrter „Superstar“

Adidas läuft Nike den Rang ab

Der bestverkaufte Sneaker der USA kam 2016 aus Deutschland. Adidas entthront Nike ausgerechnet in den Vereinigten Staaten. Und der Kampf der Erzfeinde um den Spitzenplatz des Sportschuhmarktes geht unvermindert weiter.

Dass die eigenen Teams die großen Titel holen, ist für die Sportmarken extrem wichtig. Denn Clubs wie Manchester United kassieren bis zu 100 Millionen Euro pro Saison von ihrem Ausrüster. Sie sorgen weltweit für hohe Umsätze aus dem Verkauf von Trikots und anderen Fanartikeln – allerdings nur, wenn sie regelmäßig einen Pokal holen.

Seit ein paar Jahren schon konzentrieren sich die beiden führenden Sportmarken fast nur noch auf Vereine, die global die Fußballfans begeistern. Einst hat Adidas gemeinsam mit dem Lokalrivalen Puma fast die ganze Bundesliga ausgestattet. Inzwischen zählt für das Label praktisch nur noch der FC Bayern. Die anderen Adidas-Clubs in der deutschen Eliteklasse, also Schalke, der HSV und Ingolstadt, spielen international keine Rolle.

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