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05.01.2016

11:29 Uhr

Sportjahr 2015

Und raus bist du!

VonChristian Spiller
Quelle:Zeit Online

Der Fifa-Präsident weg, der Uefa-Präsident weg, der DFB-Präsident weg. Klingt schlimm? ist es aber nicht. Einige gute Gründe, warum das Sportjahr 2015 das größte seit langer Zeit war.

Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v. r. n. l.), Noch-Uefa-Präsident Michel Platini und Noch-Fifa-Präsident Sepp Blatter: Ihre Karrieren als Fußballfunktionäre dürften vorbei sein. dpa

Die dreisten Drei

Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v. r. n. l.), Noch-Uefa-Präsident Michel Platini und Noch-Fifa-Präsident Sepp Blatter: Ihre Karrieren als Fußballfunktionäre dürften vorbei sein.

HamburgEs war ein großes Sportjahr, dieses 2015. Das größte seit Langem. Nicht weil der FC Barcelona die Champions League gewann. Auch nicht weil Serena Williams bei drei Grand Slams siegte oder Usain Bolt dreifacher Weltmeister wurde. Seine wichtigsten Szenen hatte das Sportjahr abseits der Spielfelder und Tartanbahnen.

Dort ging es den Sportmafiosi an den Kragen. Der Fifa-Präsident Sepp Blatter auf Jahre gesperrt, sein Ziehsohn Michel Platini ebenfalls, Franz Beckenbauer als Firlefranz entlarvt. Einer der schönsten Hattricks der Fußballgeschichte. Außerdem: Staatsdoping in Russland aufgedeckt, der Leichtathletik-Präsident abgesetzt, Hamburg hat Olympische Spiele abgelehnt. Ein Traumtor nach dem anderen.

Manche meinen, 2015 habe vor allem gezeigt, wie verkommen der Spitzensport ist. Man kann dieses Jahr aber auch als Zeitenwende deuten. Die Spielregeln haben sich geändert: Schweizer Beamte verhafteten im Morgengrauen Fifa-Funktionäre in ihrem Luxushotel. Die Fifa-Ethikkommission sperrte den eigenen Präsidenten. Journalisten deckten Dopingskandale auf. Der Bundestag beschließt ein strenges Anti-Doping-Gesetz. Bis vor Kurzem alles noch unvorstellbar.

Zu gut geölt lief die große Sportmaschinerie jahrzehntelang, das System aus Abhängigkeiten und Hinterzimmerdeals. Korrupte, unsportliche Männer in teuren Anzügen haben den Sport verkauft, haben sich gesundgestoßen an der Leidenschaft von Millionen Fans. Ihnen ging es nur um Fünf-Sterne-Hotels, Erste-Klasse-Flüge, Schampus und Macht. Sepp Blatter sagte einmal, er sei der einzige Mensch der Welt, der in jedem Land auftauchen könne und vom Staatschef empfangen werde. Hybris, Habsucht, Heuchelei. So sehr hatte man sich daran gewöhnt, dass fast nur Resignation blieb.

Doch dann kam 2015. Was für einen Unterschied ein Jahr macht. Es sieht so aus, als ob der milliardenschwere Spitzensport gerade Opfer seiner eigenen Größe wird. Und die Sportganoven Opfer ihrer eigenen Gier.

In den vergangenen Jahrzehnten öffnete sich etwa der Fußball neuen Gesellschaftsschichten. In den achtziger Jahren gab man in intellektuellen Kreisen noch etwas kleinlaut zu, zum Fußball zu gehen, diesem Proletensport. Mittlerweile gehört ein Stadionbesuch zum guten Ton. Der Sport wurde gesellschaftlich überhöht, mit Bedeutung aufgepumpt. Spätestens nach der WM 2006 war der Fußball durchfeuilletonisiert.
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