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24.04.2012

16:14 Uhr

Sportvermarkter Grothe

„Die Vereine sollten jetzt Stars kaufen“

VonFrederic Spohr

Wenn die Bundesliga ihre Aufholjagd fortsetzen will, muss sie sich im Ausland besser verkaufen. Der Schlüssel hierfür: Die Klubs brauchen hierfür mehr Top-Stars, erklärt Sportvermarkter Philipp Grothe.

Philipp Grothe ist Mitbegründer der internationalen Sportrechte-Agentur Kentaro in London.

Philipp Grothe ist Mitbegründer der internationalen Sportrechte-Agentur Kentaro in London.

KölnHandelsblatt Online: Herr Grothe, als internationaler Sportvermarkter kommen Sie in der Szene viel rum. Wie sehr schätzt man die Bundesliga im Ausland?

Philipp Grothe: In den vergangenen zwei Jahren hat die Bundesliga an Popularität gewonnen und sehr aufgeholt. Das ist sicherlich auch der sehr attraktiven Spielweise der Nationalmannschaft zu verdanken. Die ist wirklich in aller Munde und hat vielen die Augen für die Qualität des deutschen Fußballs geöffnet. Die englischen und spanischen Vereine sind aber sicher noch das Maß aller Dinge. Auch weil Fußball dort noch mehr in der Gesellschaft verwurzelt ist.

Die spanischen Vereine versinken in Schulden. Wie lange kann das gut gehen?

Der spanische Fußball wird sicherlich Probleme haben, abgesehen von vielleicht drei oder vier Vereinen. Auch weil die Gehälter nicht mehr ganz pünktlich kommen - oder vielleicht gar nicht mehr. Das passiert zwar sicherlich nicht Real Madrid oder dem FC Barcelona. Die verdienen beide sehr gut. Aber auch für die wird wahrscheinlich der nächste Fernseh-Deal innerhalb von Spanien nicht mehr so hoch ausfallen. 

Die Finanzlage beim FC Barcelona 2012

Einnahmen

In der Money League der Wirtschaftsprüfer von Deloitte liegt der FC Barcelona mit einem Umsatz von 451 Millionen Euro auf Platz zwei. Die mit Abstand größten Einnahmen kommen aus der TV-Vermarktung. Ein lukrative Vertrag mit der TV-Vermarktungsgesellschaft Mediapro spülte rund 183 Millionen Euro in die Kassen des Vereins, das sind rund 40 Prozent der Gesamteinkünfte.
Ein Viertel der Einnahmen stammen aus dem Ticketverkauf. Mit durchschnittlich knapp 80.000 Zuschauern liegt Barça im Vergleich zu anderen europäischen Top-Mannschaften ganz weit vorne.

Ausgaben

Barça hat angefangen zu sparen: Insgesamt gab der Klub in der Saison 2010/2011 laut Geschäftsbericht rund 441 Millionen Euro aus, 54 Millionen weniger als in der Vorsaison. Wichtigster Kostenblock sind die Personalkosten des Kaders, die Barcelona mit 257 Millionen Euro beziffert.
Barça hat auch hier den Rotstift angesetzt und die Gehälter um rund 10 Millionen Euro gekürzt. Insgesamt wies der Verein nach Steuern einen Verlust von neun Millionen Euro nach Steuern aus.

Schulden

Nach der Saison 2010/2011 wies der Verein Schulden in Höhe von 364 Millionen Euro aus. Immerhin rund 77 Millionen Euro weniger als in der Vorsaison. José Gay de Liébana, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Barcelona, taxiert die Schulden jedoch deutlich höher: Er schätzt, dass der Verein mit 578 Millionen Euro in der Kreide stünde, würde man alle Verbindlichkeiten mit einrechnen.
Danach wäre der FC Barcelona der am höchsten verschuldete Verein der spanischen Liga. Ein Gläubiger Barcelonas ist auch der Staat, dem der Verein derzeit rund 48 Millionen an Steuern schuldet.

Die Bundesliga vermeldet dagegen einen Rekord bei der TV-Vermarktung. Ab 2013 fließen deutlich mehr als 600 Millionen Euro in die Vereinskassen. Kommt jetzt die große Zeit der Bundesliga?

Das ist jetzt sicher ein Meilenstein auf dem Weg nach oben – der erste Schritt, um mit England, Italien und Spanien gleichzuziehen. Zusammen mit der Auslandsvermarktung wird die Liga sicherlich über 700 Millionen einnehmen. Damit rückt man in die Nähe von Italien und Spanien, die beide über 800 Millionen bekommen. Frankreich liegt schon hinter der Bundesliga.

Und die Bundesliga hat ja noch weitere gute Einnahmequellen.

Ja. In der Gesamtheit ist die Bundesliga jetzt so stark wie die anderen Ligen. Die Bundesliga hat bei den Sponsoring-Einnahmen klar die Note eins, eine Zwei bei den Fernsehen-Einnahmen und eine Drei bei den Zuschauer-Einnahmen. Das reicht jetzt für eine gute Gesamtnote.

Kommen dank höherer Vereinseinnahmen bald mehr Top-Spieler nach Deutschland?

Das Gehaltsniveau in England ist noch höher. Aber die deutschen Spitzenklubs brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. Außerdem kriegt man hier sein Gehalt pünktlich. Für den einen oder anderen Spieler ist das mittlerweile sicherlich auch ein Grund, zu wechseln.

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