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24.11.2015

08:21 Uhr

St. Pauli kontert Völler

„Schweinchen Schlau, du cooler Typ!“

Quelle:SID

Wer bekommt die TV-Gelder im Fußball? Der Streit tobt in der Bundesliga. Und nicht nur Rudi Völler attackiert St. Paulis Manager Andreas Rettig. Der Verein reagierte cool - mit „Schweinchen Schlau“ auf Twitter.

SID

Rudi Völler hat Andreas Rettig attackiert

HamburgDer Sportchef Rudi Völler von Bayer Leverkusen hat St. Paulis Manager Andreas Rettig scharf attackiert. "Das ist ein typischer Rettig", reagierte er auf den Vorstoß des Managers, die TV-Gelder im deutschen Fußball anders zu verteilen und Vereine mit Großsponsoren zu benachteiligen.

"Er macht das, was er gerne tut: Er gibt ein bisschen Schweinchen schlau", sagte Völler vor dem Abflug Bayers zum Champions-League-Spiel bei BATE Borissow nach Weißrussland. Rettig war einst viele Jahre für den Werksklub tätig.

Der Antrag des Zweitligisten, die Erstligaklubs Bayer, VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim und Hannover 96 von der Verteilung der TV-Gelder auszunehmen, nannte der Weltmeister 1990 in verschiedenen Äußerungen "ein bisschen populistisch, unnötig, nicht in Ordnung und enttäuschend".

Investoren im Fussball: Die 50+1-Regel

Regel

Die 50+1-Regel ist ein Paragraph in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgliedern.

Hintergrund

Hintergrund dieser Regelung ist das Interesse von Großunternehmen oder Investoren am Fußball. Die Liga möchte einer Entwicklung wie in England, Spanien oder Italien vorbeugen, wo Fußballvereine zum Spielball für Investoren wurden.

Streit

Um die Regel gibt es seit Jahren Streit. Manche Investoren wollten sie kippen, doch ein Schiedsgericht bestätigte die Regel im Kern.

Ausnahme

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sicher: „Im deutschen Profi-Fußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Clubs übernehmen können.“

Charakter

Die Bundesliga behält damit nach Einschätzung der DFL ihren unverwechselbaren Charakter und kann weiter auf die Faktoren setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität, Vorrang des Wettbewerbs und gelebte Bodenständigkeit.

Investoren

Allerdings ist künftig im Liga-Fußball mehr Platz für Investoren. Das ist ein Erfolg von Hannovers Präsident Martin Kind, der gegen die Regel vorgegangen war.

Zukunft

Nach Einschätzung von Experten erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundene Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

Hoffenheim und München

Auch hinter 1899 Hoffenheim und 1860 München stehen potente Einzelpersonen – SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp (Hoffenheim) und der jordanische Multimillionär Hasan Ismaik (München) –, die die Mehrheit des Vereins besitzen. Jedoch haben sie ihre Stimmanteile formal auf 49 Prozent beschränkt, um nicht gegen die 50+1-Regel zu verstoßen.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ besagte, dass Investoren erlaubt sind, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. In unteren Ligen machen auch als Betriebssportgemeinschaften gegründete Vereine wie der FC Carl Zeiss Jena oder Wacker Burghausen von der Regel Gebrauch. Deshalb dürfen Jena oder Leverkusen den Sponsor im Vereinslogo und -namen tragen und der VfL Wolfsburg eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG sein.

Anteile an Fußballvereinen

Beim börsennotierten Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Wobei ein Tochterunternehmen von Audi auch 20 Prozent bei Zweitligist FC Ingolstadt 04 hält. Und bei Hertha BSC stieg Anfang des Jahres der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein.

St. Pauli konterte auf Völler mit einem Bild im sozialen Netzwerk Twitter. Es zeigt "Schweinchen Schlau" mit dem Logo von St. Pauli und ganz vielen Unterschriftenn aus der Geschäftsstelle des Vereins. Das verstärkte nur die Diskussionen über den Antrag des Vereins. Die einen fanden es stark, andere lästersten darüber, wie einige Manager der Bundesliga auch.

Der FC St. Pauli twitterte: "Schweinchen Schlau, du cooler Typ!" Die Mitarbeiter meinten damit ihren Manager Andreas Rettig.

Tweet von St. Pauli

Der FC St. Pauli twitterte: "Schweinchen Schlau, du cooler Typ!" Die Mitarbeiter meinten damit ihren Manager Andreas Rettig.

So zeigte sich Bayer-Geschäftsführer Michael Schade "überrascht, weil der Antrag nach den aktuellen Statuten unzulässig" ist. Schade warnte die Zweitligisten in dieser Hinsicht vor einem Eigentor: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Antrag durchgeht.

Aber falls doch, könnte es sein, dass andere Verein auch auf die Idee kommen, sich selbst zu vermarkten, zum Beispiel Bayern München. Und ob die Zweitligisten dann mit Eigenvermarktung mehr erlösen als die derzeitigen 170 Millionen Euro, bliebe abzuwarten."

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