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19.03.2006

09:53 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt

Bayer-Konzern distanziert sich von Calmund

Der Streit zwischen Bayer 04 Leverkusen und seinem Ex-Manager Reiner Calmund eskaliert immer mehr. Das Unternehmen wirft dem 57-Jährigen vor, mit einer Medienkampagne von den eigentlichen Sachverhalten abzulenken.

HB LEVERKUSEN. Vor dem Fußball-Bundesligaspiel der Rheinländer am Samstag gegen den FSV Mainz 05 (1:2) meldete sich die Bayer AG mit Schärfe zu Wort und verwahrte sich gegen die angebliche Medienkampagne des 57-Jährigen gegen den Club. "Die derzeit gestreuten Vermutungen, Verdächtigungen und Unterstellungen schaden sowohl dem Fußball im Allgemeinen als auch den Verantwortlichen von Bayer und nicht zuletzt Reiner Calmund selbst", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. "Wenn man diese Reaktionen sieht, muss man einen Haltepunkt setzen", begründete der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink das Vorgehen.

Die Bayer AG betonte, dass der Konzern seine Fußballtochter unterstütze, sich nicht an der von dritten initiierten Schlammschlacht zu beteiligen. "Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser genießt das volle Vertrauen des Konzerns." Die öffentlichen Erklärungen von Calmund hätten deutlich gemacht, dass der Ex-Manager mit Angriffen auf Holzhäuser von den eigentlichen Sachverhalten ablenken wolle, anstatt nachprüfbare Fakten über den Verbleib und die Verwendung der 580 000 Euro Barentnahmen vorzulegen. "Verein und Konzern verurteilen dieses Vorgehensweise von Reiner Calmund."

Wegen der Zahlung dieses Geldes an den Spielervermittler Volker Graul ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn. Die Bayer AG hatte auch die Bargeld-Transaktion zum Anlass genommen, um sich von Calmund im Sommer 2004 zu trennen. Der Grund des plötzlichen Ausscheidens kam durch einen Beitrag des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ans Tageslicht.

Mit Verwunderung reagierte Calmund-Rechtsanwalt Stefan Seitz auf die Bayer-Stellungnahme. "Wir haben Bayer sofort nach Erhalt des Fragenkatalogs des "Spiegel' schriftlich angeboten, den Sachverhalt gemeinsam schnellstmöglich und umfassend zu ermitteln und aufzuklären", sagte Seitz. Bayer habe dies kategorisch abgelehnt. "Von einer Kampagne von Reiner Calmund kann daher keine Rede sein." Vielmehr habe der Club durch einen Pressemitteilung und-konferenz zu dem Fall anlässlich des Heimspiels gegen Werder Bremen am 4. März selbst die öffentliche Diskussion aktiv entfacht. Außerdem habe nicht Calmund, sondern Bayer-Ehrenmitglied Gerrit Niehaus auf konkrete Missstände im Verein hingewiesen.

Bayer kündigte unterdessen an, in Zukunft davon abzusehen, sich auf diese Art und Weise mit dem früheren Angestellten auseinander zu setzen. "Sowohl die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH als auch die Bayer AG werden sich an der öffentlichen Diskussion über das Geschäftsgebaren von Reiner Calmund nicht beteiligen", teilte der Chemiekonzern mit. "Stattdessen wird das Unternehmen das weitere Verhalten gegenüber Calmund vom Ausgang der laufenden Ermittlungen abhängig machen und sich weitere juristische Schritte vorbehalten."

Der einstige Bayer-Macher hofft durch sein anstehendes Gespräch mit dem Kölner Staatsanwalt Norbert Reifferscheidt die Affäre beenden zu können. "Die Bayer AG braucht sich keine Sorgen machen. Ich werde bei der Staatsanwaltschaft Köln alles aufklären", sagte er der "Bild am Sonntag". Auch mit den Verantwortlichen des Clubs will er nach seinem Treffen mit dem Ermittler sprechen: "Danach, ich betone danach, reden wir über das Finanzgebaren, aber von und mit allen." Offen ist noch, wann er zum Gespräch beim Staatsanwalt geladen wird. "Einen Termin gibt es noch nicht, er wird aber eher nicht in der kommenden Woche sein", erklärte Seitz.

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