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28.03.2006

12:52 Uhr

„Stechschritt und Hitlergruß“

Englands Boulevardpresse schürt den „Fußball-Krieg“

Englands Massenpresse beginnt sich wieder auf die "Krauts" einzuschießen und hat sogar den Geist von Adolf Hitler durch das WM-Quartier der englischen Fußballer spuken lassen.

HB MÜNCHEN/LONDON. Monate vor der Weltmeisterschaft feiern nationalistische Übersteigerungen in den Boulevardblättern Urstände mit dem Versuch, einen neuen "Fußball-Krieg" gegen den deutschen Gastgeber anzuheizen. Böse Erinnerungen an die Europameisterschaft 1996 auf der Insel werden wach, als Hurra-Patriotismus und anti-deutsche Kampagnen sogar das britische Unterhaus beschäftigten.

"Den Hitlergruß zu präsentieren, ist auch für Briten kein Gag", sagte kürzlich der britische Innenminister Charles Clarke. Seine Warnung wie auch der Aufruf von Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson, die Gastgeber bei der WM nicht zu beleidigen, ist auf taube Ohren gestoßen: Nationaltorwart Oliver Kahn erschien unlängst in einer Fotomontage mit Stahlhelm, ein Blatt wollte im WM-Logo der deutschen Polizei das Konterfei von Adolf Hitler erkannt haben.

Nach der Auslosung im vergangenen Dezember erklärte das Massenblatt "Sun" den Deutschen den "Britskrieg" (eine Ableitung von "Blitzkrieg") und klagte die WM-Macher an, sie würden die englischen Gäste auf der Tribüne mit Sicherheitsrobotern provozieren. Die mit Kameras und Sprengstoffsensoren ausgestatteten Maschinen erinnerten die auflagenstärkste Tageszeitung des Königreichs an Miniaturausgaben von "Rommels Panzern". Nichts könne englische Schlachtenbummler mehr auf die Palme bringen, zitierte "Sun" einen Fan, "damit haben die Deutschen ein mächtiges Eigentor geschossen."

Dies alles wirkt auf Beobachter in London noch als Vorspiel einer Kampagne, die ihre größten Hitzegrade erst bei der WM erreichen wird. Wie bei der EM vor zehn Jahren, als sie den "Ausbruch des chauvinistischen, besonders anti-deutschen Unsinns" scharf verurteilten, setzen die seriösen Zeitungen alles daran, dass sich die englischen Fans anständig benehmen und nicht wieder ihrem Frust in anti-deutschen Ausfällen Luft machen.

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