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20.06.2017

08:47 Uhr

Steuer-Affäre im Fußball

Das absurde Wechseltheater um Cristiano Ronaldo

VonThomas Schmitt

Kaum ist eine Steueranklage gegen Cristiano Ronaldo öffentlich, kursieren irre Wechselgerüchte. Verlässt der bestbezahlte Sportler wirklich Real Madrid? Nein, sagt der Real-Präsident. Es wäre auch sinnlos. Ein Kommentar.

Verdacht auf Steuerbetrug

Spielt Ronaldo bald im Knast?

Verdacht auf Steuerbetrug: Spielt Ronaldo bald im Knast?

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Kein Sportler verdient so fantastisch wie Cristiano Ronaldo. Das US-Magazin „Forbes“ schätzte sein Jahreseinkommen zuletzt auf rund 83 Millionen Euro. Gut ein Drittel davon entfällt auf Werbung. Allein durch seine Karriere hat der – neben Leo Messi – beste Fußballer aller Zeiten finanziell ausgesorgt. So jemand hat es eigentlich nicht nötig, gegen das Finanzamt zu zocken.

Doch genau dies ist nach Ansicht der spanischen Behörden in Ronaldos Namen passiert. Es geht dabei inhaltlich um die Vermarktung seiner Bildrechte. Das ist ein Riesengeschäft, auch über seine sportliche Karriere hinaus. Doch seit Dezember 2016 gibt es durch geheime Dokumente von „Football Leaks“ ernsthafte Zweifel, dass im Reich von Ronaldo alles korrekt zugegangen ist.

Der Fiskus teilt diese Haltung und will Ronaldo nun in Spanien vor Gericht bringen und verurteilen, so wie das zuvor schon bei Messi gelungen ist. Doch im Gegensatz zu dem Argentinier geht es bei dem Portugiesen um eine wesentlich höhere Summe, die dem Fiskus vorenthalten worden sein soll. Ronaldo droht daher eine Haftstrafe.

Steuer-Affäre um Cristiano Ronaldo: Fakten und Reaktionen

Worum geht es?

Die spanische Staatsanwaltschaft wirft Cristiano Ronaldo vor, 2010 bewusst eine Geschäftsstruktur zur Verbergung von Einkommen geschaffen zu haben.

Die Summe?

Laut der Anklage schleuste der Fußball-Weltstar so zwischen 2011 und 2014 fast 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei.

Das Problem?

Bei den mutmaßlich hinterzogenen Geldern soll es sich um Einkünfte aus Bildrechten des Real-Madrid-Stürmers gehandelt haben.

Quelle: srf.ch

Der Auslöser?

Spiegel Online im Dezember 2016: „Der mehrmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat bis vor zwei Jahren eine Briefkastenfirma in der Karibik genutzt, in die seine Werbeeinnahmen flossen. Steuern zahlte der Portugiese darauf offenbar so gut wie keine. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem SPIEGEL von der Enthüllungsplattform Football Leaks zugespielt wurden.“

Ronaldos Anwälte

Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat den Vorwurf der Steuerhinterziehung zurückgewiesen. Das Lissaboner Unternehmen Gestifute seines Managers Jorge Mendes teilt mit, es habe niemals Unterschlagung gegeben. Es sei klar, dass der Spieler nicht versucht habe, Steuern zu umgehen.

Quelle: Zeit.de

Ronaldo im Netz

Bei Instagram schrieb der Weltfußballer des Jahres: „Manchmal ist die beste Antwort, still zu sein.“ Der 32-Jährige postete dazu ein Foto im Dress des portugiesischen Nationalteams, auf dem er sich mit einer Schweigegeste den Finger auf den Mund legt.

Quelle: diepresse.com

Focus

„Der Fall Cristiano Ronaldo ist kompliziert - juristisch genauso wie sportlich und menschlich. Traditionell halten auch die Medien in seinem Heimatland zu ihm, doch mittlerweile kommen aus Portugal auch kritische Stimmen.“

Lausitzer Rundschau

„Im fernen Russland lächelt Cristiano Ronaldo den Steuer-Ärger aus der sportlichen Heimat einfach weg. Beim Fangenspielen mit Real-Kumpel Pepe auf dem Trainingsrasen von Rubin Kasan scheinen die schweren Vorwürfe kurz vor Beginn des Confed Cups weit entfernt.“

Express

„Im Trainingsquartier der portugiesischen Nationalmannschaft beim Confed-Cup in Russland verriet Cristiano Ronaldo seinen Mitspielern, dass seine Entscheidung „endgültig“ sei und er die spanische Hauptstadt verlassen werde. „Ich verlasse Real Madrid. Ich habe meine Entscheidung gefällt. Es gibt kein Zurück mehr“, sagte Ronaldo zu seinen Nationalmannschafts-Kollegen. Ein Hammer!“

Spox.com

„Nachdem bekannt wurde, dass CR7 bei den Königlichen angeblich einen Abgang anstrebt, werden mehrere finanzstarke Klubs als potenzielle Ziele gehandelt. Darunter ist auch Ronaldos Ex-Team Manchester United.“

Seine Anwälte bestreiten die Vorwürfe. Doch die Knast-Perspektive macht den ohnehin als eitel bekannten Superstar offensichtlich kirre. Er droht, wie Dritte berichten, unverhohlen mit dem Weggang von Real Madrid. Angeblich gibt es erstklassige Interessenten, die genug Geld haben, um ihn zu kaufen: Manchester United, Paris Saint Germain oder ein Verein aus China.

Gut möglich, dass an diesem Interesse sogar was dran ist. Doch realistisch ist ein Wechsel von Ronaldo nach Frankreich oder England nicht. Denn in Europa wird er sich einer Auslieferung nach Spanien wohl kaum entziehen können. Wer kauft denn in Europa einen superteuren Altstar, wenn dieser womöglich bald hinter Gittern sitzt?

Sportlich macht das keinen Sinn, schließlich ist Ronaldo inzwischen 32 Jahre alt. Er ist zwar noch großartig in Form, doch länger als zwei oder drei Jahre wird er auf allerhöchstem Niveau kaum noch spielen. Wer solch einen Superstar in diesem Alter holt, darf also nicht nur an mögliche Erfolge denken, sondern muss die wirtschaftlichen Folgen kalkulieren. Und die sind gewaltig.

Kommentare (1)

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Reiner Blumenhagen

20.06.2017, 08:08 Uhr

Doch nicht nach Bayern, die würden doch NIEMALS einen Steuerhinterzieher verpflichten!!

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