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03.11.2015

13:54 Uhr

Steuer-Fahnder

Razzia gegen Zwanziger, Niersbach und den DFB

Gab es beim Deutschen Fußball-Bund schwarze Kassen? Wurde die WM 2006 gekauft? Jetzt gehen die Behörden dem nach – bei einer Razzia in der Frankfurter DFB-Zentrale und in den Wohnungen von DFB-Funktionären.

Ermittlungen gegen DFB

Steuer-Razzia: Werden die Anschuldigungen gegen den DFB endlich aufgeklärt?

Ermittlungen gegen DFB: Steuer-Razzia: Werden die Anschuldigungen gegen den DFB endlich aufgeklärt?

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FrankfurtRund 50 Beamte der Steuerfahndung und der Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsuchen derzeit die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt sowie Privaträume von aktuellen und ehemaligen DFB-Funktionären. Das teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittler suchen nach Hinweisen auf die mysteriöse Millionenzahlung des DFB an die Fifa vor der WM 2006 in Deutschland.

Es seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall aufgenommen worden, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwälte. Die Untersuchungen ständen im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und dem Geldtransfer von 6,7 Millionen Euro des WM-Organisationskomitees des DFB an den Fußball-Weltverband Fifa.

Der DFB erklärte in einer Reaktion auf die Razzia, der Verband unterstütze vollumfänglich die Ermittlungen. „Der DFB selbst ist nicht Beschuldigter des Verfahrens“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Ermittlungen richten sich gegen den Präsidenten des DFB und einstigen Vizepräsidenten des Organisationskomitees, Wolfgang Niersbach, sowie den im Jahr 2006 amtierenden DFB-Präsidenten und damaligen Schatzmeister des Organisationskomitees, Theo Zwanziger, und einen früheren DFB-Generalsekretär – laut „Bild“ handelt es sich um Horst R. Schmidt.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer damaligen Verantwortlichkeiten die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und hierdurch Körperschaft- und Gewerbesteuern sowie den Solidaritätszuschlag für das Jahr 2006 in erheblicher Höhe verkürzt zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft.

DFB-Affäre um WM 2006: Der „Spiegel“-Bericht und die Folgen

Auslöser

Mit einem Bericht über gekaufte Stimmen bei der Vergabe der WM 2006 erschüttert der „Spiegel“ den deutschen Fußball. Was seitdem geschah...

16. Oktober

- Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) räumt in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA ein.
- Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen ist, um damit vier entscheidende Stimmen im FIFA-Exekutivkomitee zu kaufen. Das Geld soll vom damaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus gekommen sein.
- Der DFB weist den „Spiegel“-Bericht als haltlos zurück.

17. Oktober

Fedor Radmann, ehemaliger Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, weist den Vorwurf des Stimmenkaufs zurück.
- Erstmals äußert sich Niersbach zu den Vorwürfen: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.“

18. Oktober

Franz Beckenbauer meldet sich zu Wort und dementiert den „Spiegel“-Bericht: „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

19. Oktober

- Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren. Als mögliche Tatbestände nennt eine Sprecherin Betrug, Untreue oder Korruption.
- Niersbach weist die Korruptionsvorwürfe erneut vehement zurück, räumt aber erstmals „den einen offenen Punkt“ ein: „Dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden.“
- Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger äußert Zweifel an der internen Aufarbeitung des DFB.

21. Oktober

Die DFB-Landesverbände fordern von Niersbach eine schnelle Aufklärung der Korruptionsvorwürfe.

22. Oktober

Niersbach tritt in Frankfurt sichtlich erschöpft vor die Presse und bringt nur wenig Licht ins Dunkel um die WM 2006.

23. Oktober

- Das DFB-Präsidium stärkt Niersbach den Rücken, hält aber „strikt daran fest [...], dass lückenlos aufgeklärt wird.“
- Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge und bestätigt im „Spiegel“ erstmals die Existenz einer schwarzen Kasse „in der deutschen WM-Bewerbung“. Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005.“

26. Oktober

Beckenbauer räumt in der Affäre erstmals einen „Fehler“ ein. Das Organisationskomitee hätte nicht auf einen Vorschlag der FIFA-Finanzkommission eingehen dürfen, um einen Finanzzuschuss zu bekommen, teilte der damalige OK-Präsident mit.

27. Oktober

Die vom DFB beauftragte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erklärt, mit Ergebnissen in der Affäre sei nicht schnell zu rechnen.

28. Oktober

Zwanziger sagt vor den externen Ermittlern der Anwaltskanzlei aus: „Ich habe dort alle meine Dokumente vorgelegt, meine Anmerkungen und meine Einschätzungen präsentiert.“

3. November

Die Staatsanwaltschaft führt beim DFB in Frankfurt/Main eine Steuer-Razzia durch. Zudem durchsucht sie die Wohnungen von Niersbach und Zwanziger. Die Beamten ermitteln im Zusammenhang mit 6,7-Millionen-Euro-Zahlung wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand der Staatsanwaltschaft soll eine durch das Organisationskomitee im Frühjahr 2005 geleistete Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro für eine Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht worden sein. Und das, obwohl ihr tatsächlich ein anderer Zweck zugrunde lag und die Zahlung daher nicht als abzugsfähige Betriebsausgabe hätte geltend gemacht werden dürfen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Frankfurt am Main Durchsuchungsbeschlüsse für die Geschäftsräume des DFB sowie die Wohnungen der Beschuldigten erlassen. Dies führte dazu, dass am Dienstag mehr als 50 Beamte der Frankfurter Steuerfahndung sowie der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt am Main unterwegs waren.

Kommentare (17)

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Herr Edward Jäger

03.11.2015, 10:21 Uhr

Das darf doch nicht wahr sein! Deutsche Bank, ADAC, VW und jetzt auch noch der DFB. Mein Gott! Wenigstens können wir noch unseren Politikern trauen, sonst wäre mein Vertrauen in die Redlichkeit der Menschen endgültig zerstört.

Herr Vinci Queri

03.11.2015, 10:25 Uhr

>> Wenigstens können wir noch unseren Politikern trauen >>

Damit fängt das Vertrauen eigentlich an....:-)

Wie gut, daß wir wenigstens noch denen trauen können, die uns täglich BESCHEISSEN !



Herr Jürgen Dannenberg

03.11.2015, 10:28 Uhr

Im Jahre 2000 war es Usus das in anderen Länder andere Sitten herrschten. Dem hat man Rechnung getragen. Man konnte den Betrag der Mehraufwendungen sogar von der Steuer absetzten.
Das die Linke jetzt unsere Sommer VW in den Dreck ziehen will, finde ich unerhört perfide.

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