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11.11.2013

12:01 Uhr

Steueraffäre

„Hoeneß schadet dem Berufsstand“

Der Berufsverband für Aufsichtsräte legt Uli Hoeneß nahe, sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern München niederzulegen. Schließlich müsse der die Finanzen überprüfen. Doch der Betroffene denkt nicht daran.

Uli Hoeneß besucht eine Wohltätigkeitsveranstaltung vor dem Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende. Der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern will sein Amt nicht niederlegen. Reuters

Uli Hoeneß besucht eine Wohltätigkeitsveranstaltung vor dem Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende. Der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern will sein Amt nicht niederlegen.

Solange keine Entscheidung im Steuerstrafverfahren gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern München ergangen ist, ist die Integrität Hoeneß' als Kontrolleur eines Wirtschaftsunternehmens in Frage gestellt. Diese Ansicht vertritt die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD).

Das Landgericht München hatte vergangene Woche die Anklage wegen Steuerhinterziehung zugelassen. Der Aufsichtsrat der FC Bayern AG hatte daraufhin seinem Vorsitzenden das Vertrauen für die Fortführung seines Amtes ausgesprochen. Hoeneß habe mehr als 30 Jahre lang hervorragende Dienste geleistet und sei eine wichtige Führungspersönlichkeit. Auch Hoeneß selbst denkt trotz der Anklageerhebung gegen ihn in seiner Steueraffäre nicht daran, seine Ämter beim Fußball-Rekordmeister aufzugeben. „Warum sollte ich?“, fragte der 61-Jährige nach einer Nachfrage des ZDF am Wochenende rhetorisch zurück. Allerdings hat er für Ende November den Rückzug von seinem Aufsichtsratsposten bei einer Tochter des Versicherungsriesen Allianz bekanntgegeben.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

„Die FC Bayern AG ist eine Aktiengesellschaft wie jede andere auch“, meint Astrid Hamker, Vorstandsvorsitzende des Berufsverbands für Aufsichtsräte. Der Aufsichtsrat einer AG habe die Geschäftsführung, namentlich den Vorstand, zu überwachen. Hierzu zähle auch die Überwachung der Geschäftspolitik sowie andere grundsätzliche Fragen der Unternehmensplanung, insbesondere der Finanz-, Investitions- und Personalplanung. „Wenn durch ein laufendes Verfahren wegen Steuerhinterziehung Zweifel an dem persönlichen Finanzgebaren eines Aufsichtsrats und dessen Integrität aufkommen, wie kann diese Person gleichzeitig über Finanztransaktionen eines Unternehmens Aufsicht führen?“, fragt Hamker.

Das Festhalten am Mandat schädige das Ansehen des Berufstandes Aufsichtsrat im Allgemeinen und dem des Aufsichtsrates der Bayern München AG im Besonderen. „Herr Hoeneß sollte daher im eigenen Interesse und aus Verantwortung gegenüber seinem Verein, um den er jahrzehntelange Verdienste hat, bereit sein, persönliche Konsequenzen einzugehen und sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG niederlegen“, bekräftigt die Vorsitzende des Berufsverbandes.

Kommentare (15)

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1-8-6-0

11.11.2013, 13:31 Uhr

Ein vorbestrafter Vorstandsvorsitzender und ein vermutlich bald vorbestrafter Aufsichtsratsvorsitzender - und keiner denkt an Konsequenzen, die von anderen schon lange eingefordert worden wären. Supervorbilder auch für die Jugend im Verein!!

brdkleinrentner

11.11.2013, 13:35 Uhr

...Steuerbetrüger, Geldsäcke, FC Bayern München-VIPS,
Allianz, Audi usw. alles Sponsoren eines Herrn Hoeneß, sie sind SCHÄDLINGE in der Deutschen Anstandskultur. Pfui Deifel.

Account gelöscht!

11.11.2013, 13:40 Uhr

Aber dennoch ein top-geführter Verein, im Gegensatz zu manch anderem.

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