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31.05.2016

08:53 Uhr

Streit um Bildrechte vor Gericht

Hat Messi seine Millionen vor der Steuer versteckt?

VonSandra Louven

An diesem Dienstag beginnt der Prozess gegen den wertvollsten und am besten verdienenden Fußballer der Welt: Lionel Messi. Er soll Millionen-Einnahmen aus Bildrechten in Scheinfirmen vor der Steuer versteckt haben.

Dem Weltfußballer wird vorgeworfen Steuern hinterzogen zu haben. AFP; Files; Francois Guillot

Lionel Messi

Dem Weltfußballer wird vorgeworfen Steuern hinterzogen zu haben.

MadridEr ist gewohnt, im Rampenlicht zu stehen und die Schlagzeilen zu beherrschen. Doch dieses Mal dürften ihm die Scheinwerfer überaus unangenehm sein: An diesem Dienstag beginnt der Gerichtsprozess gegen Fußballheld Leo Messi und seinen Vater wegen Steuerhinterziehung. Der hoch dekorierte und am besten verdienende Kicker der Welt muss selbst am Donnerstag aussagen.

Der fünffache Weltfußballer hat stets beteuert, dass sich ausschließlich sein Vater um „la plata“ (das Geld) gekümmert habe.  Die Staatsanwaltschaft will deshalb auch nur den Vater verurteilt sehen. Doch das spanische Finanzamt als Geschädigter klagte Lionel Messi mit an. Dem Duo wird vorgeworfen, zwischen 2007 und 2009 insgesamt 4,1 Millionen Euro am Finanzamt vorbei geschleust zu haben.

Lionel Messi: Seine Sponsoren

Seine Sponsoren

Lionel Messi ist eines der gefragtesten Werbegesichter überhaupt. Davon profitiert der Argentinier auch gehörig. Die Sponsoringberatung Sport+Markt schätzt, dass er im Jahr bis zu 20 Millionen Euro durch Werbedeals verdient. Die jeweiligen Summen sind zumeist unbekannt, die wertvollsten sind hier in absteigender Reihenfolge zusammengestellt.

Stand: 2012

Adidas

Der Vertrag mit dem deutschen Sportartikelhersteller ist der höchstdotierte in der umfangreichen Werbesammlung des weltbekannten Fußballers und auch für den Konzern einer der wichtigsten Werbedeals überhaupt. Dafür, dass er mit Adidas-Schuhen spielt und zu den Markenbotschaftern des Unternehmens gehört, bekommt der Superstar jährlich eine mittlere einstellige Millionensumme überwiesen.

Pepsi

Der amerikanische Getränkekonzern ist bekannt dafür, nur mit Weltstars zu werben. Neben Messi haben auch schon Roberto Carlos, Fernando Torres und Michael Ballack einen kräftigen Schluck aus der Dose genommen. Auch Popstars wie Justin Timberlake und Britney Spears gehörten schon zu den ausgesprochen gut bezahlten Werbegesichtern.

EA Sports

Als „Transfer-Coup“ bezeichnete es der Videospielhersteller EA Sports, als Messi im November vergangenen Jahres das Werbegesicht des Unternehmens wurde. Sein Konterfei schmückt seitdem die weltbekannte Fußballspielreihe „FIFA“. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen Transfer, denn für den schärfsten Konkurrenten der FIFA-Reihe, Pro Evolution Soccer von Konami, hatte der Argentinier von 2009 bis 2011 geworben. Die sind nun auf Cristiano Ronaldo umgestiegen.

Lary's

Bastian Schweinsteiger zieht sich am liebsten mit Funny-Frisch-Chips aufs Sofa zurück, Messi greift dafür zur Konkurrenz von Lay’s. Wahrscheinlich beschränkt sich das Fernsehen und Chipsessen aber auf die Werbespots. Denn Spitzensportler müssen streng auf ihre Ernährung achten. Und Messi darf darüber hinaus nicht in Werbekonflikte geraten…

Herbalife

….denn er ist auch Botschafter von Herbalife. Der Konzern ist der offizielle Ernährungspartner des FC Barcelona und hat sich zeitgleich mit dem Deal 2010 auch den kleinen Dribbelkünstler mit ins Boot geholt. Zu der Vereinbarung gehört, dass die unternehmenseigene Stiftung mit der Leo Messi Foundation Ernährungs- und Bildungsinitiativen umsetzt.

Head & Shoulders

Mehrere Trainingseinheiten am Tag, Spiele in der Champions League, im Pokal und in der Liga – Profisportler wie Lionel Messi duschen andauernd. Procter & Gamble macht sich das zu nutze und hat ihn als Werbegesicht für das Anti-Schuppen-Shampoo Head & Shoulders verpflichtet. Ob er es auch tatsächlich nötig hat, ist unbekannt.

Dolce & Gabbana

2009, 2010 und 2011 wurde Messi jeweils zum Weltfußballer des Jahres gekürt. Die letzten beiden Auszeichnungen nahm der Argentinier im edlen Zwirn der italienischen Modemarke Dolce & Gabbana entgegen. Die kleidet ihn seit zwei Jahren bei solchen offiziellen Anlässen ein.

Audemars Piguet

Die Schweizer Luxusuhrenmarke Audemars Piguet konnte Messi 2010 als Markenbotschafter gewinnen. Mittlerweile gibt es in einer limitierten Auflage von 1000 Stück die Leo Messi Royal Oak. Die Uhr wird mit persönlicher Widmung des Spielers in einer lackierten, einem Schuhkarton nachempfundenen, Box ausgeliefert.

Chery

Zu Luxusanzügen- und Uhren passen Luxusautos. Messi wurde 2010 also auch das Gesicht einer Automarke. Allerdings einer auf den ersten Blick etwas skurrilen: Doch der Fußballstar ist auch im fernen China berühmt und so verpflichtete ihn der dort ansässige Autobauer Chery für seine edle Riich-Modellreihe.

Actileche (Marke von Grupo Bimbo)

Möglicherweise noch ein Produkt, bei dem die Ernährungsberater des Superstars einschreiten würden: Weißbrot. Messi bewirbt es aber dennoch. Das Brot nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als in erster Linie im spanischsprachigen Raum verkauft wird. Auch für Messi gilt anscheinend: Es muss nicht immer die Welt sein.

Kurztexte von Malte Laug

Vater und Sohn sollen Einkünfte von Bildeinnahmen über ein Netz von Scheinfirmen verteilt und so vor der Steuer versteckt haben. Mit dem Modell steht Messi in Spanien nicht alleine da. Auch seinen Klubgefährten Javier Mascherano verurteilte ein Gericht Anfang des Jahres wegen des gleichen Konstrukts zu 800.000 Euro Strafe.

Eine mögliche Erklärung könnte die gängige Entlohnungspraxis der Stars in Spanien sein. Dort ist es üblich, dass Spieler nicht nur ihr normales Gehalt überwiesen bekommen. „Die Top-Spieler besitzen darüber hinaus auch noch eine Gesellschaft, in die Einnahmen für ihre Bildrechte fließen“, sagt Sandalio Gómez, Chef des Zentrums für Sport Business Management an der Business School IESE in Barcelona, dem Handelsblatt. Die Gründung eigener Gesellschaften ist nicht illegal und lohnt sich in der Regel, weil die Einnahmen dann anders versteuert werden.

Bei Messis Club, dem FC Barcelona, erhielten die Spieler die kompletten Einnahmen aus ihren Bildrechten, erklärt Gómez. Andere Vereine wie Barcelonas Erzrivale Real Madrid kassierten dagegen die Hälfte der Bildeinnahmen selbst. „Wenn die Klubs sich die Bildrechte mit den Spielern teilen, kontrollieren die Vereine natürlich als erste, dass alles korrekt versteuert wird“, so der Sportwissenschaftler. „Das Modell des FC Barcelona erleichtert dagegen Betrug.“

Kommentare (7)

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Baron v. Fink

31.05.2016, 08:41 Uhr

Unglaublich wie man als hart arbeitender Sportler von den staatlichen Organen verfolgt wird.
Hätte der Gute mal in Schiffe investiert wäre ihm das nicht geschehen.

Account gelöscht!

31.05.2016, 09:00 Uhr

Man kann nur noch im Hotel friedlich wohnen, überall wo anders stellt einem der Staat solch merkwürdige Urkunden über Steuern zu.

Herr Ciller Gurcae

31.05.2016, 09:11 Uhr

Spricht etwas gegen diesen Messie als Nachbarn?

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