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14.01.2015

16:37 Uhr

Streit um DFB-Akademie

Initiative setzt Bürgerentscheid durch

Der Verband des Fußball-Weltmeisters muss sich bei seinem „Jahrhundertprojekt“ DFB-Akademie weiter mit Widerstand aus der Bevölkerung herumschlagen. Eine Initiative setzte jetzt einen Bürgerentscheid durch.

Der DFB will auf dem Gelände der bisherigen Rennbahn in Frankfurt eine 89 Millionen Euro teure Akademie bauen. Doch in der Bevölkerung regt sich Widerstand. dpa

Der DFB will auf dem Gelände der bisherigen Rennbahn in Frankfurt eine 89 Millionen Euro teure Akademie bauen. Doch in der Bevölkerung regt sich Widerstand.

FrankfurtDie Initiative Pro Rennbahn hat einen Bürgerentscheid in Frankfurt erzwungen und damit die Debatte um das geplante millionenschwere Trainingszentrum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) neu angeheizt. Die Überprüfung der Unterschriftenlisten hat nach Angaben der Stadt vom Mittwoch ergeben, dass von den 18.884 abgegebenen Unterschriften 13.715 gültig sind – erforderlich waren 13 604. Der DFB reagierte auch auf diese Nachricht gelassen, der Verband vertraut weiter auf die Zusage der Kommune.

Die Stadt plant, den Bürgerentscheid nun noch vor den Sommerferien - wahrscheinlich im Juni - durchzuführen. Mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten müssten dann für den Erhalt der Galopp-Rennbahn stimmen, damit der ursprüngliche Beschluss des Magistrats gekippt wird. Der bereits bestehende 99 Jahre gültige Erbbauvertrag für das 15 Hektar große Gelände beläuft sich auf sieben Millionen Euro und müsste in diesem Fall komplett neu verhandelt werden.

Der DFB will auf dem Gelände der bisherigen Rennbahn eine 89 Millionen Euro teure Akademie bauen: Ein „Jahrhundertprojekt“, wie Präsident Wolfgang Niersbach sagte. Geplante Übergabe des Areals ist der 31. Dezember 2015. 213 Architekten aus aller Welt haben sich bereits beworben, im Mai sollen die vier Gewinner gekürt werden.

„Das Bürgerbegehren ist ein demokratischer Prozess, den wir selbstverständlich respektieren. Gleichzeitig vertrauen wir den im Römer gefassten klaren Beschlüssen und sind zuversichtlich, dass die Frankfurter mehrheitlich die positiven Effekte der geplanten Akademie für ihre Stadt sehen“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

„2016 rollen die Bagger, Ende 2018 sollten wir komplett umziehen“, hatte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock im Dezember angekündigt. Zu den Widerständen aus der Bevölkerung sagte Niersbach damals: „Das ist alles in Absprache mit der Stadt geregelt, wir zweifeln nicht an der Seriosität. Wir haben nichts Verbotenes getan, wir haben nicht gedrängt.“ Das Gelände sei dem DFB schließlich angeboten worden.

TV-Rechte: Was Fernsehsender für den Fußball zahlen

Bundesliga I

In der Bundesliga fließt Geld an die Klubs seit 1965. Am Anfang waren es mit umgerechnet gut 330.000 Euro, doch dieser Betrag erhöhte sich Schritt für Schritt. Einen richtig großen Sprung machte Bundesliga aber erst Ende der achtziger Jahr mit einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bundesliga II

In den neunziger Jahren wurde die Marke von 100 Millionen Euro pro Saison gerissen. In den folgenden Jahren vervierfachte sich der Betrag bis 2013 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Bundesliga III

Aktuell sind folgende Erlöse für die 1. und 2. Bundesliga vereinbart, wie auf der Internetseite Fußball und Geld nachzulesen ist:
2014/2015: 642 Millionen (1. Bundesliga: 513,6 / 2. Bundesliga: 123,4)
2015/2016: 663 Millionen (1. Bundesliga: 531 / 2. Bundesliga: 132)
2016/2017: 673 Millionen (1. Bundesliga: 539 / 2. Bundesliga: 134)

Bundesliga IV

Ein neuer Vertrag muss also vorerst nicht ausgehandelt werden. Allerdings kursiert bereits die Erwartung, dass die Einnahmen aus TV-Rechten spätestens 2017 die Milliardengrenze erreichen.

Premier League

Vorbild dafür ist die englische Premier League, die bereits über die Milliardengrenze gesprungen ist. Mehr noch: Ab 2016 steigen dort die TV-Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - allein aus dem Inland.

Serie A

In Italien wurde ein Vertrag für den Zeitraum 2015 bis 2018 geschlossen. Die Serie A erhält danach 943 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen mehr als im Zeitraum von 2011 bis 2014.

Ligue 1

Der französische Profifußball hat einen neuen Vertrag ab 2016 geschlossen. Danach kassiert die Liga pro Saison 748,5 Millionen Euro – also deutlich weniger als in Italien und vor allem England.

Primera Division

Anders ist die Situation in Spanien. Dort vermarktet sich nicht die Liga, sondern es verkaufen die Klubs ihre TV-Rechte einzeln. Deshalb schaffen beliebte Vereine wie Madrid und FC Barcelona seit Jahren hohe Millionenbeträge, während die meisten anderen deutlich weniger erlösen.

Fifa

Schon 2011 hat die Fifa für die von ihr veranstalteten Weltmeisterschaften TV-Rechte vergeben. Dies betraf den Zeitraum 2015 bis 2022. Es ging dabei um einen von 1,85 Milliarden US-Dollar.

Die Initiative Pro Rennbahn wehrt sich dagegen, dass „eine 150-jährige Tradition ausgelöscht wird“. Das Projekt DFB koste die Bürger Frankfurts nur Steuergeld fürs Prestige. 2015 läuft auf jeden Fall noch die komplette Turfsaison auf der Galopprennbahn. Dann sollen hier die A-Nationalmannschaft des DFB und andere Auswahlteams ihren Treffpunkt haben, auch die Spitzen-Schiedsrichter.

Geplant sind neben Trainingsplätzen auch Hotel, Halle, medizinische und sportwissenschaftliche Einrichtungen sowie ein Pressezentrum. Auch die Verwaltung des 6,8 Millionen Mitglieder und 26 000 Vereine starken Verbandes will von der Otto-Fleck-Schneise zum neuen Akademiegelände umziehen.

Von

dpa

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