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03.08.2013

12:47 Uhr

Studie der Humboldt-Universität

Westdeutschland betrieb staatliches Doping-System

Der „Süddeutschen“ liegt exklusiv eine Studie vor, die staatlich geförderte und systematische Doping-Praktiken belegt. Extrembeispiel: Die Sommerspiele 1976. Die SPD fordert nun Aufklärung vom Bundesinnenminister.

Doping-Skandal: Eine Studie belegt offenbar das ganze Ausmaß der staatlichen Förderung. dpa

Doping-Skandal: Eine Studie belegt offenbar das ganze Ausmaß der staatlichen Förderung.

DüsseldorfDer Doping-Skandal um staatlich finanziertes Doping nimmt immer größere Dimensionen an. Ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hat offenbar erstmals Zugriff auf eine Studie der Humbdolt-Universität Berlin, nach der in der Bundesrepublik über Jahrzehnte in den olympischen Sportarten systematisch mit leistungssteigernden Mitteln gearbeitet wurde. Der Forschungsbericht der vorliegt, zeigt offenbar, dass das System von der Politik gedeckt und gefördert wurde. Und die Zeitung nennt konkrete Fälle und Anwendungsgebiete, die über die bislang bekannte Faktenlage zur geförderten Doping-Forschung hinausgehen.

Mittelpunkt der Vorwürfe: das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp). Das direkt dem Bundesinnenministerium unterstehende Institut soll dem Bericht zufolge seit seiner Gründung 1970 die Fäden gezogen haben – und hat die Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ auf Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds selbst in Auftrag geben. „Ich habe die Studie 2008 initiiert, damit die Doping-Vergangenheit auch im westdeutschen Sport aufgearbeitet wird. Wir werden die Ergebnisse der Studie 'Doping in Deutschland' intensiv analysieren und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach.

Der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, sieht daher Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der Pflicht aufzuklären, inwieweit in der Bundesrepublik der systematische Einsatz von Dopingmitteln staatlich gefördert wurde. Doping müsse im Interesse von fairem Sport bekämpft und unterbunden werden. „Aufklärung ist daher ohne Ansehen der Person geboten, die Studie muss veröffentlicht werden“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „Das haben wir in Richtung DDR früher kritisiert und so muss es erst recht für die Bundesrepublik gelten. Herr Friedrich ist jetzt in der Pflicht“, betonte das SPD-Bundesvorstandsmitglied.

In der Studie „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ hatten sich die Forscher auf interne handschriftliche Notizen aus dem BISp gestützt. Zudem lagen ihnen Zeitzeugenberichte vor. Die nun angeblich im Koblenzer Bundesarchiv aufgetauchten Akten wären die ersten offiziellen Dokumente zur staatlichen Dopingförderung in den 1970-er Jahren.

Peter-Michael Kolbe: Kurz nach seinem 60. Geburtstag wird der Ausnahmeruderer mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. dpa

Peter-Michael Kolbe: Kurz nach seinem 60. Geburtstag wird der Ausnahmeruderer mit Doping-Vorwürfen konfrontiert.

Der Bericht deckt Ungeheures auf. So wurde vordergründig Forschung betrieben, um Nichtwirksamkeit von Stoffen zu testen. Stellte sich das Gegenteil heraus, so die „Süddeutsche“, wurden die Mittel aber zur illegalen Leistungssteigerung verwendet. Die Rede ist zum Beispiel von anabolen Steroiden oder Amphetaminen. Als prominenter Fall wird Ruderer Peter-Michael Kolbe genannt (fünf Weltmeistertitel).

Ein nach ihm benanntes Mittel, die „Kolbe-Spritze“, soll dem Bericht nach bei den Olympischen Spielen 1976 in München rund 1200 Mal an bundesdeutsche Athleten verabreicht worden sein. Auch im Fußball fanden die Substanzen offenbar Verwendung. Erschreckend auch das Detail, dass bereits 1988 mit Epo experimentiert wurde. Die „Süddeutsche“ betont auch, dass das Westdeutsche Staatsdoping nicht als Reaktion auf DDR-Praktiken entstand, sondern unabhängig davon.

Ob die Studie tatsächlich veröffentlicht wird, ist noch unklar. Bereits seit April liegt die Abschlussuntersuchung vor. Das BISp selbst zeigt dem bericht zufolge jedoch kein Interesse mehr an einer Publikation. Zudem wurden offenbar Bedenken angemeldet, dass die exakten Daten der Studie, inklusive Nennung von Namen, nicht datenschutzrechtlich bedeckt sei. Im Falle einer Veröffentlichung rechnen die Autoren der Studie mit Klagen. Und fordern daher die juristische Absicherung durch den Auftraggeber, was das BISp ablehnt.

Kommentare (13)

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sons_of_liberty

03.08.2013, 10:38 Uhr

Systematisches Doping, militärische Schikane "kleiner", systematisches belauschen und aufzeichnen sämtlicher Kommunikation ...

so langsam begreift auch der dümmste Michel, dass die Einteilung West=Gut und Ost=Böse so langsam ins wanken gerät...

btw

03.08.2013, 10:54 Uhr

"Die schärfsten Kritiker der Elche warn früher selber welche."
F.W.Bernstein

Wer Elch, wer Kritiker - ?

Man muß wohl Sportler sein, um aus dem Wort Blutdoping einen irgendwie nachvollziehbaren Akt generieren zu können.

Erster auf dem Siegertreppchen: das Sportwürstchen.

Kommunistennazi

03.08.2013, 10:59 Uhr

Und wer war einer der politischen Beführworter in den 70'ger Jahren? Natürlich unser "sauberer" Herr Schäuble. So wird das Bild von ihm richtig stimmig.

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