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15.03.2012

14:13 Uhr

Subventionierte Starensembles

Staatskredit für Spaniens Fußballwunder

VonIngmar Höhmann

Sportlich sonnen sich Spaniens Klubs im Erfolg. Doch der ist auf Pump finanziert. Die Situation ist absurd: Während die Regierung einen harten Sparkurs fährt, leihen sich die Vereine vom Steuerzahler Milliarden.

Spieler von Atlético Madrid. Der Verein soll 200 Millionen Euro Schulden beim Staat haben. dpa

Spieler von Atlético Madrid. Der Verein soll 200 Millionen Euro Schulden beim Staat haben.

KölnSpaniens Fußballklubs haben in Europa die Vormachtstellung übernommen: Real Madrid und der FC Barcelona stehen im Viertelfinale der Champions League. Heute Abend schicken sich mit Atletico Madrid, Athletic Bilbao und Valencia auch drei Vereine in der Europa League an, ins Viertelfinale einzuziehen.

Doch der sportliche Glanz kann kaum überdecken: Wirtschaftlich steckt der spanische Fußball in seiner schwersten Krise. Mit vier Milliarden Euro stehen die Profiklubs nach Untersuchungen der Universität von Barcelona in der Kreide. Die Verbindlichkeiten sind so hoch, dass die Regierung nun Verhandlungen über einen Abbau der Steuerschulden aufgenommen hat. Doch ist es richtig, dass der Steuerzahler den sportlichen Erfolg subventionert?

Real Madrid hat nach eigenen Angaben beim Finanzamt keine Schulden. Der Club sei mit der Zahlung seiner Steuern und seiner Abgaben an die Sozialversicherung auf dem Laufenden, betonte der spanische Fußballrekordmeister nach Medienberichten vom Donnerstag in einer Erklärung.

Auslöser der Debatte war eine Anfrage der Linkspartei Izquierda Unida an die Regierung, die Steuerschulden der Klubs offenzulegen. Ergebnis: Anfang Januar schuldeten die spanischen Profiklubs den Finanzämtern 752 Millionen Euro. Davon entfallen 490 Millionen Euro auf die erste Liga. Von Schuldenabbau keine Spur: „In vier Jahren ist die Schuld der Vereine bei den Finanzämtern um fast 150 Millionen Euro gestiegen“, sagt die Abgeordnete Caridad García der Izquierda Unida. Es sei „ein echter Skandal“, dass die Behörden diese Entwicklung bei der Geldnot des Staates zugelassen hätten.

Aber statt die Schulden einzutreiben, deutete der für Sport zuständige Staatssekretär Miguel Cardenal vor wenigen Tagen einen Schuldenschnitt an – was im Ausland für einen Aufschrei sorgte: „Das ist für mich ein Hammer, das ist für mich undenkbar“, sagte der Präsident von Bayern München, Uli Hoeneß. Dass die spanischen Klubs sich den Erfolg mit Unterstützung des Staates kaufen, würde nicht nur den Wettbewerb in Europa verzerren, sondern weckt auch Erinnerungen an die Finanzhilfen für Griechenland. Muss am Ende „der deutsche Steuerzahler für Messi und Ronaldo blechen“, wie die „Bild-Zeitung“ titelte?

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa (Rang 1-10)

Platz 1

Der umsatzstärkste Fußballklub der Saison 10/11 ist Real Madrid mit 479,5 Mio. Euro. Damit bleibt der Verein seinem Platz des Vorjahres weiterhin treu.

Quelle: Studie „Football Money League“, Deloitte (März 2012)

Platz 2

Auf der zweiten Position bleibt der FC Barcelona in der Saison 10/11 mit 450,7 Millionen Euro.

Platz 3

Der Verein Manchester United behält ebenfalls seine Position 3 als umsatzstärkster Fußballklub. In der Saison 10/11 machte er einen Umsatz von 367,0 Millionen Euro.

Platz 4

Auch Bayern München hält sich wacker auf der vierten Position vom Vorjahr mit 321,4 Millionen Euro Umsatz in der Saison 10/11.

Platz 5

Arsenal London gibt ebenfalls seinen Platz vom Vorjahr nicht ab und machte in der Saison 10/11 einen Umsatz von 251,1 Millionen Euro.

Platz 6

Kurz dahinter liegt Chelsea London weiterhin auf dem sechsten Platz mit 249,8 Millionen Euro.

Platz 7

Der AC Mailand nimmt - wie im Vorjahr auch - mit 235,9 Millionen Euro die siebte Position des umsatzstärksten Fußballklubs ein.

Platz 8

Inter Mailand hingegen stieg von Platz neun auf Platz acht auf und erzielte einen Umsatz von 211,4 Millionen Euro.

Platz 9

Vom achten Platz auf den neunten Platz fiel der FC Liverpool. Sein Umsatz in der Saison 10/11 betrug 203,3 Millionen Euro.

Platz 10

Den zehnten Platz nimmt schließlich der FC Schalke ein. Im Vorjahr war er noch auf Platz 16 und schaffte es jetzt, mit einem Umsatz von 202,4 Millionen Euro auf den zehnten Platz vorzudringen.

Ganz falsch ist der Gedanke nicht: Der Krisenstaat Spanien borgt sich derzeit mit Rekordzinsen Geld am Kapitalmarkt, und selbst diese Finanzierung hängt an europäischen Garantien. Und für die steht wiederum zunehmend Europas stärkste Volkswirtschaft ein, Deutschland.

Wenn Spaniens Regierung auf Steuereinnahmen von den Fußballklubs verzichten würde, spräche das allen Versprechungen zur Haushaltskonsolidierung Hohn. Auch daher ruderte Staatssekretär Miguel Cardenal nun zurück – und dementierte Pläne über einen Schuldenerlass: „Der Fußball wird seine Steuerschulden begleichen“, versprach er.

Kommentare (9)

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Besserwisser

15.03.2012, 14:24 Uhr

sollte spanien wirklich die schulden erlassen, ist dies ein indirekter eingriff in sportliche belange und gehört von uefa und fifa bestraft. am besten mit dem ausschluss spaniens aus allen internationalen wettbewerben. es kann nicht sein, dass manche vereine hier kosteneffizient arbeiten und gegen clubs, die einfach mal durch schulden superstars finanzieren international kaum chancen haben. hier muss eine zäsur her und zwar sofort. nix gegen barca, aber bei real weiß man ja, dass die durch große bankkredite ihre stars finanzieren. und manche bank wird sogar durch die eurokraten für rettungswürdig befunden, weil die systemrelevant sind.

Markus.Ehrler

15.03.2012, 15:11 Uhr

Absurd, Fussballer leben via Kredit vom Steuerzahler. Wenn dies kein weiteres Zeichen einer Blase als Folge von schon vielen vorangegangenen Dominoblasen ist? Ob das angesichts der Absurdität eine der letzten gewesen sein wird.? Mehr über Blasen unter http://weltwirtschaft.jimdo.com

Quixote

15.03.2012, 15:58 Uhr

Die Aussage "Erfolg wird auf Pump finanziert" entspricht nicht der Realität. Die verschuldeten Vereinen haben keinen Erfolg. Das Foto von Real Madrid und Barcelona in diesem Artikel zu seigen, bekäftigt die Unterstellung, dass die Erfolge dieser beiden Clubs auf den deutschen Steuernzahlern zurückzuführen ist, laut Ulli Hoenness. Das ist Unfug und nationalistischer Populismus. Real Madrid wird auditiert. Folgend die gestern veröffentliche Pressenotiz: Real Madrid CF wishes to say the following in response to press reports regarding the oustanding debt of football club's with the Spanish Inland Revenue up to 1 January 2012:

- Real Madrid CF promptly satisfies all its fiscal obligations, meaning the club had no outstanding debt with the Spanish Inland Revenue or the Social Security by 30 June 2011 (end date of the previous fiscal year) nor by 1 January 2012.

- As an entity that must sustain its activities with its own revenue, Real Madrid CF manages its finances efficiently and with discipline, which translates into a large cash flow and a strict control of debt levels.

- At the close of the fiscal year on 30 June 2011, the Net Financial Debt of Real Madrid was of 170 million euros, equivalent to a debt to EBITDA ratio of 1.1 that positions Real Madrid as a first rate company regarding solvency and credit quality according to this metric, which is one of the most widely used in the financial world.

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