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27.10.2014

11:26 Uhr

Südafrika

Nationaltorwart Meyiwa erschossen

Südafrika trauert um seinen Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft: Torwart Senzo Meyiwa ist nach Auseinandersetzungen getötet worden. Der 27-Jährige ist der zweite tote Profi-Sportler in Südafrika binnen weniger Tage.

Trauer in Südafrika

Nationaltorwart bei einem Raubüberfall erschossen

Trauer in Südafrika: Nationaltorwart bei einem Raubüberfall erschossen

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JohannesburgAm Samstag stand er noch für seinen Heimatclub zwischen den Pfosten – einen Tag später ist der Kapitän der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft tot: Senzo Meyiwa ist am Sonntag in einer Township nahe Johannesburg erschossen worden.

Die nationale Polizei teilte am Montag auf Twitter mit, Nationaltorwart Meyiwa sei am Sonntagabend (Ortszeit) in der Siedlung Vosloorus von bewaffneten Männern umgebracht worden. Er erlag nach Polizeiangaben auf dem Weg ins Krankenhaus den Verletzungen.

Zwei Täter seien in das Haus eingedrungen, in dem Meyiwa sich aufgehalten habe, während ein weiterer vor der Tür gewartet habe, schrieb die Polizei. Anschließend flohen die Männer. Insgesamt hätten sich sieben Menschen in dem Haus befunden, als es zu den tödlichen Schüssen gekommen sei. Es sei zuvor zu einer „heftigen Auseinandersetzung“ gekommen, hieß es.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

Laut südafrikanischen Medienberichten wurde Meyiwa im Haus seiner Freundin angeschossen. Die Täter sollen angeblich ein Handy von ihm verlangt haben. „Wie kann man jemand für ein Handy umbringen?“, fragte Teamkollege Tsepo Masilela via Twitter. „Er war einer der guten Torhüter, die wir im Land haben. Das ist ein Verlust für das ganze Land.“

Auch Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng von Schalke 04 nahm die Nachricht mit Bestürzung auf. „Tragödie!!!! Ruhe in Frieden Senzo Meyiwa“, schrieb der ghanaische Nationalspieler und kondolierte Familie und Freunden des Torhüters.

Die Kriminalitätsrate in Südafrika ist eine der höchsten der Welt. Es war unmittelbar nach der Tat unklar, ob das Haus, in dem Meyiwa war, von Einbrechern überfallen wurde.

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