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20.04.2016

15:18 Uhr

Terrorangst bei der EM

Ein Fußballfest im Ausnahmezustand

Die Angst vor Terroranschlägen ist in Europa allgegenwärtig. Die näher rückende Fußball-EM ist für die französischen Sicherheitsbehörden ein Alptraum. Mit drastischen Sicherheitsmaßnahmen will Paris für Sicherheit sorgen.

Die französische Regierung sieht die EM nach dem Blutbad vom 13. November mit 130 Toten und nach den Anschlägen von Brüssel als wichtiges Signal. AP

Stade de France

Die französische Regierung sieht die EM nach dem Blutbad vom 13. November mit 130 Toten und nach den Anschlägen von Brüssel als wichtiges Signal.

ParisEs wird ein Fußballfest im Ausnahmezustand – und bei den Behörden wächst die Unruhe. „Wegen der Fußball-EM drehen wir gerade wirklich durch“, sagt ein französischer Anti-Terror-Vertreter. Mit drakonischen Sicherheitsmaßnahmen will Frankreich Anschläge bei der näher rückenden Fußball-Europameisterschaft verhindern, der nach den islamistischen Attacken von Paris verhängte Ausnahmezustand soll extra verlängert werden. Doch für die Sicherheitsbehörden ist das am 10. Juni startende Turnier ein Alptraum. Die Regierung verspricht maximale Sicherheit, die Angst vor neuen Anschlägen aber ist allgegenwärtig.

„Es ist unmöglich, ein Gegenmittel gegen Terroristen zu finden, die zu jedem Zeitpunkt mit Kalaschnikows zuschlagen könnten“, sagt ein Polizeivertreter düster. „Aber auch wenn die terroristische Bedrohung hoch und ein Anschlag möglich ist, kann man ein solches Ereignis nicht in Frage stellen.“

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Denn die französische Regierung sieht die EM nach dem Blutbad vom 13. November mit 130 Toten und nach den Anschlägen von Brüssel auch als wichtiges Signal: Das Turnier sei „eine Art Antwort auf Hass, Spaltung, Angst und Grauen“, sagte Frankreichs Staatschef François Hollande unlängst. Die Europameisterschaft soll auch symbolisieren, dass sich Frankreich und ganz Europa von islamistischen Attentätern nicht einschüchtern und unterkriegen lassen.

Islamistischer Terror in Europa

November 2015

Am 13. November explodiert während eines Freundschaftsspiels zwischen der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft im Pariser Stade de France eine Bombe. Mit Maschinengewehren bewaffnete Terroristen stürmen Cafés, Bars und die Konzerthalle Bataclan. Zwei weitere Explosionen später sind 130 Menschen tot und 352 verletzt, davon 97 schwer. Auch sieben der bisher 11 festgestellten Täter sterben. Einen Tag später bekennt sich die Terror-Organisation „Islamischer Staat“ zu der Tat.

Februar 2015

In Kopenhagen eröffnet ein Täter auf einer Diskussionsveranstaltung das Feuer, ein Mensch stirbt. Er kann fliehen. Wenige Stunden später erschießt er einen jüdischen Wachmann vor der Synagoge der dänischen Hauptstadt. Wenig später stirbt er im Kugelhagel der Polizei.

Januar 2015

Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sterben in Paris zwölf Menschen. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2010

Die vier Mitglieder der islamistischen Sauerland-Gruppe müssen wegen geplanter Terroranschläge in Deutschland für bis zu zwölf Jahre ins Gefängnis.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

Die Sicherheitspläne für die EM wurden nach dem 13. November noch einmal verschärft. Dabei wurden auch Lehren aus dem tödlichsten Anschlag in der Geschichte Frankreichs gezogen: Denn die Selbstmordattentäter hatten nicht nur die Konzerthalle Bataclan und eine Reihe von Bars und Restaurants attackiert, sondern auch das Stade de France in der Pariser Vorstadt Saint-Denis – dort, wo am 10. Juni das EM-Eröffnungsspiel und am 10. Juli das Finale angesetzt sind.

Zusätzlich zu den Eingangskontrollen an den Stadien selbst soll schon weit vor den Fußballarenen eine Sicherheitsabsperrung mit ersten Kontrolle errichtet werden. Mit einer Reihe von Übungen haben sich die Sicherheitskräfte auf verschiedene Anschlagszenarien vorbereitet, simuliert wurde unter anderem eine Attacke mit Chemiewaffen in einem Stadion.

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