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28.09.2013

14:27 Uhr

Todesfälle in Katar

Theo Zwanziger mahnt Ethik-Kommission an

Die Todesfälle nepalesischer Gastarbeiter in Katar haben weltweit für Erschütterung gesorgt. Es wird bereits von „moderner Sklaverei“ gesprochen. FIFA-Präsident Theo Zwanziger fordert nun Aufklärung.

Theo Zwanziger ist ein Gegner der Fußball-WM in Katar. Die Todesfälle nepalesischer Arbeiter bestätigen ihn in seiner Haltung. dpa

Theo Zwanziger ist ein Gegner der Fußball-WM in Katar. Die Todesfälle nepalesischer Arbeiter bestätigen ihn in seiner Haltung.

BerlinDer ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger (68) hat nach dem neuerlichen Skandal um WM-Gastgeber Katar ein Einschreiten der Ethik-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA gefordert. „Im Gesamtkomplex Katar ist dies ein weiterer Gesichtspunkt, der der FIFA-Ethik-Kommission mit Herrn Garcia und Herrn Eckert eine sorgfältige Untersuchung der WM-Vergabe an Katar nahegelegt werden müsste“, sagte das Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstag-Ausgabe).

Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, Leiter der 6. Strafkammer des Landgerichts München, ist Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethik-Kommission der FIFA. Er ist auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert. Die ermittelnde Kammer wird vom US-Amerikaner Michael Garcia geleitet.

Bereits die WM-Vergabe im Dezember 2010 an Katar war von Korruptionsversuchen überschattet worden. Außerdem hatte sich der Sommertermin der WM-Endrunde 2022 als nicht tragbar erwiesen, zuletzt wollte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter die WM in den November/Dezember 2022 verlegen. UEFA-Chef Michel Platini (Frankreich) favorisiert hingegen eine WM im Januar/Februar 2022.

Die britische Zeitung The Guardian hatte über zahlreiche Todesfälle auf den Baustellen für die Weltmeisterschaft 2022 im Emirat am Persischen Golf berichtet. Allein 44 nepalesische Gastarbeiter sollen zwischen 4. Juni und 8. August ums Leben gekommen sein, zur Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen. Die FIFA hatte bislang lediglich konstatiert, „besorgt“ über die Berichte zu sein und die Verantwortlichen in Katar zu kontaktieren. Laut „FAZ“ reagierte auch das WM-Organisationskomitee in Katar „entsetzt“ über die Berichte und kündigte eine Ermittlung der zuständigen Behörden an.

Fußballweltmeisterschaft in Katar

Katar

Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird als absolute Monarchie regiert. Der Staat liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Hauptstadt

Katars Hauptstadt ist mit 521 283 Einwohnern Doha. Die Stadt beherbergt den Internationalen Flughafen Doha, sowie wichtige Teile der Öl- und Fischereiindustrie. Mit der „Education City“ ist die Stadt ebenso ein attraktives Gebiet in Katar für Forschung und Bildung.

Geographie und Klima

Das überwiegend flache Land ist von Salzsümpfen, Geröll- und Kieswüste geprägt. Das Grundwasser hat einen sehr hohen Salzgehalt, weshalb Trinkwasser in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen wird.

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C.

Bevölkerung

Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der 1, 7 Millionen Einwohner Katars sind Migranten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund herrschen Schiiten vor. Zudem gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar. Die Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch.

Infrastruktur

In Doha sind sechs Stadien geplant, sechs weitere verteilen sich auf Städte in der näheren Umgebung. Damit die einzelnen Sportanlagen gut erreichbar sind, werden alle an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem angeschlossen. Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nationalteam

Die Katarer Nationalmannschaft bestritt 1970 ihr erstes internationales Länderspiel während des Golfpokal-Turniers gegen Bahrain. Derzeit rangiert die Mannschaft auf der Fifa-Weltrangliste auf dem 96. Platz. An der letzten WM hat Katar nicht teilgenommen, ist nun aber als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Kritik an der Vergabe

Die Kritik, das Land weise keine fußballerische Tradition vor, rechtfertigte die Fifa mit der Erklärung, man wolle neue Wege gehen.

Ein weiterer, eher praktischer Einwand gegen die Vergabe waren die hohen Temperaturen in dem Land. Aufgrund von fast 50 Grad Celsius im Sommer müssten die Stadien klimatisiert werden. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an.

Eine weitere, viel grundsätzlichere Kritik ist, dass bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivausschusses im Vorfeld schon Katar-Stimmen gekauft wurden.

Winter-WM

Wegen der Hitze im Sommer überlegt die Fifa nun, die WM im Winter, also kurz vor Weihnachten auszurichten. Das würde den Spielplan der großen Ligen über den Haufen werfen.

Generalsekretärin Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund IGB nennt die Ausbeutung von Gastarbeitern in Katar „moderne Sklaverei“ und befürchtet Tausende Todesfälle. „Wenn sich da nicht sofort etwas ändert, wird die WM mit 4000 toten Arbeitern bezahlt“, hatte die Australierin (58), oberste Vertreterin von weltweit 174 Millionen IGB-Mitgliedern, im SID-Interview gesagt.

„Die nepalesische Botschaft schätzt offiziell, dass jedes Jahr 200 nepalesische Migranten sterben. Die indische Botschaft schätzt auch jährlich 200 Tote“, sagt Burrow, die aber von noch schlimmeren Zahlen ausgeht: „Wir sind der Ansicht, dass die wirkliche Todesrate weitaus höher ist.“ Die Arbeitsbedingungen, bestätigt Burrow, die schon mehrmals selbst vor Ort war, seien „unmenschlich“.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

28.09.2013, 16:00 Uhr

Jeder halbwegs intelligente und informierte Mensch in einer Führungsposition weiß seit vielen Jahrzehnten was in den Staaten der arabischen Halbinsel an konkreten und abartigsten Menschenrechtsverletzungen passieren. Diese feudalen Ex-Kameltreiber meinen bis heute sie gehören aufgrund ihres unverdienten aber zustehenden Reichtums zur obersten Herrenrasse und dürfen sich jede Schweinerei mit anderen Menschen, vorzugsweise natürlich mit Schwächeren, erlauben. In ihrem, dem Massenmord zugetanen, kinderfickenden und Sklaven haltenden Propheten finden sie zudem ihr abgöttisch geliebtes Vorbild dem es mit aller Vehemenz nach zu eifern gilt. Wer sich, so wie ich gerade, gegen diesen Propheten verhält wird in diesen Ländern kurzerhand einen Kopf kürzer gemacht.
Nur unfähige Kretins wissen oder tun so als wüssten sie von nichts, von daher beeindruckt mich diese verlogene Betroffenheitsakrobatik von ausgewiesenem Führungspersonal überhaupt nicht, sie ekelt mich höchstens an! Sie glauben tatsächlich, so wie einige linke Multikultifetischisten, jetzt im Chor ihre heuchlerische Betroffenheit kund tun zu müssen. Das ist erbärmlich!!!

Account gelöscht!

28.09.2013, 16:17 Uhr

"FIFA-Präsident Theo Zwanziger fordert nun Aufklärung."

Geschätztes Handelsblatt, sind wir jetzt nicht nur Olympia, sondern auch noch Weltfussball?

Und ich dachte der Blatter aus der Schweiz ist das (noch).

Bmehrens

28.09.2013, 17:43 Uhr

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