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10.02.2016

15:20 Uhr

Top-Zuschläge bei Spitzenspielen

Schlecht für Fans, gut für die Bundesliga

VonThomas Schmitt

Die Fußballvereine brauchen mehr Geld. Und erhöhen daher die Eintrittspreise. Dagegen wehren sich immer mehr Fans heftig, zuletzt beim Pokalspiel Stuttgart gegen Dortmund. Zum Dilemma der Bundesliga ein Kommentar.

Viertelfinale im DFB-Pokal: Die Dortmunder Fans haben vor Spielbeginn zwei Banner mit der Aufschrift "Wann sieht man auch in Stuttgart ein" und "Fußball muss bezahlbar sein". Sie protestieren damit gegen die hohen Ticketpreise. dpa

Fanprotest in Stuttgart

Viertelfinale im DFB-Pokal: Die Dortmunder Fans haben vor Spielbeginn zwei Banner mit der Aufschrift "Wann sieht man auch in Stuttgart ein" und "Fußball muss bezahlbar sein". Sie protestieren damit gegen die hohen Ticketpreise.

DüsseldorfDie Dortmunder Fußballfans träumen gerne vom vorigen Jahrtausend. Da kostete auf der berühmten Südtribüne des Stadions ein Stehplatz umgerechnet 8,42 Euro. Inzwischen geht es nur noch darum, dass der Preis nicht auf 20 Euro steigt. Mit dabei helfen soll die Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“.

Wie viel Unterstützung die Initiative bei eingefleischten Fußballfans inzwischen hat, zeigte sich am Dienstagabend beim DFB-Pokalspiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund. Fast 20 Minuten lang blieb dort der Gästeblock leer – aus Protest gegen Topzuschläge für das Pokalspiel. 19,50 Euro kostete der günstigste Stehplatz, 38,50 Euro der günstigste Sitzplatz. 

25 Prozent der Karten, die dem BVB zur Verfügung gestellt wurden, kosteten sogar mehr als 70 Euro, stellte die „Bild“ fest und kommentierte: „Preise, die eher an Champions League statt an DFB-Pokal erinnern.“ Dies fand auch das Dortmunder Management, das sich zu spät informiert fühlte und sich prompt hinter die Faninitiative stellte.

Rekorde im Fußball: Die höchsten Transfers aller Zeiten

Platz 1

Gareth Bale zu Real Madrid für rund 100 Millionen Euro

Platz 2

Cristiano Ronaldo zu Real Madrid für 94 Millionen Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Platz 3

Neymar zum FC Barcelona für 88,20 Millionen Euro

Platz 4

Luis Suárez zum FC Barcelona für 81 Millionen Euro

Platz 5

James Rodríguez zu Real Madrid für 80 Millionen Euro

Platz 6

Ángel Di María zu Manchester United für 75 Millionen Euro

Platz 7

Kevin De Bruyne zu Manchester City für 74 Millionen Euro

Platz 8

Zinédine Zidane zu Real Madrid für 73,50 Millionen Euro

Platz 9

Zlatan Ibrahimovic zum FC Barcelona für 69,50 Millionen Euro

Platz 10

Kaká zu Real Madrid für 65 Millionen Euro

So ermuntert warfen viele Gästefans in Stuttgart sogleich Tennisbälle auf den Rasen, als sie nach knapp 20 Minuten in den Gästeblock strömten. Die Kameras fingen auf, wie die Spieler die kleinen Bälle vom Rasen schossen oder warfen. Mehr als sieben Millionen Zuschauer vor den Fernsehern registrierten das Spektakel. Entsprechend überragend war auch die Resonanz in den Medien. 

Das Thema „Günstig Fußball schauen“ ist nun in aller Munde – sehr zum Leidwesen der Profiklubs in Deutschland. Denn in deren Interesse liegt es eigentlich, die Preise weiter zu erhöhen, so wie das Borussia Dortmund – trotz aller Proteste – längst getan hat. Für die Periode von 1998 bis 2013 errechnete das Fanportal „schwatzgelb.de“ Preissteigerungen zwischen 60 und 190 Prozent für einzelne Plätze. 

Die Internetseite "Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar sein" liefert Hintergründe zum Fanprotest gegen hohe Ticketpreise in der Bundesliga.

Fanprotest

Die Internetseite "Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar sein" liefert Hintergründe zum Fanprotest gegen hohe Ticketpreise in der Bundesliga.

Praktisch alle Karten seien im Preis "auch sehr viel deutlicher gestiegen als die Gehälter, mindestens doppelt so stark. Von den Renten ganz zu schweigen“, urteilte Arne Steding, der die Preise für schwatzgelb.de verglichen hat. Sicher kein Einzelfall in der Bundesliga, sondern nur einer, der besonders gut dokumentiert wurde. Allerdings zeigt die Fandebatte, dass die Profiklubs ein Riesenproblem haben. 

Fußball: Wirtschaftliche Entwicklung der 1. und 2. Bundesliga

Personalaufwand Spielbetrieb

2009/2010: 883 Millionen Euro

2010/2011: 923 Millionen Euro

2011/2012: 929 Millionen Euro

2012/2013: 1 Milliarde Euro

2013/2014: 1,1 Milliarden Euro

2014/2015: 1,169 Milliarden Euro

Quelle: DFL Deutsche Fußball Liga GmbH

Erlöse im Lizenzfußball gesamt

2009/2010: 2,1 Milliarden Euro

2010/2011: 2,3 Milliarden Euro

2011/2012: 2,5 Milliarden Euro

2012/2013: 2,6 Milliarden Euro

2013/2014: 2,9 Milliarden Euro

2014/2015: 3,13 Milliarden Euro

Anzahl Clubs mit positivem Ergebnis

2009/2010: 13

2010/2011: 20

2011/2012: 24

2012/2013: 21

2013/2014: 24

2014/2015: 27

Gesamtergebnis nach Steuern

2009/2010: -103,3 Millionen Euro

2010/2011: 33,7 Millionen Euro

2011/2012: 36,3 Millionen Euro

2012/2013: 46 Millionen Euro

2013/2014: 34,5 Millionen Euro

2014/2015: 56,4 Millionen Euro

Ebitda

2010/2011: 319 Millionen Euro

2011/2012: 346 Millionen Euro

2012/2013: 394 Millionen Euro

2013/2014: 424,9 Millionen Euro

2014/2015: 501,5 Millionen Euro

Transfer: Aufwand

2009/2010: 305 Millionen Euro

2010/2011: 293 Millionen Euro

2011/2012: 321 Millionen Euro

2012/2013: 323 Millionen Euro

2013/2014: 346 Millionen Euro

2014/2015: 415 Millionen Euro

Transfer: Erlös

2009/2010: 128 Millionen Euro

2010/2011: 215 Millionen Euro

2011/2012: 233 Millionen Euro

2012/2013: 195 Millionen Euro

2013/2014: 197 Millionen Euro

2014/2015: 272 Millionen Euro

Eigenkapital

2010: 491 Millionen Euro

2011: 708 Millionen Euro

2012: 748 Millionen Euro

2013: 797 Millionen Euro

2014: 780 Millionen Euro

2015: 1048 Millionen Euro

Die Vereine brauchen mehr Geld für hohe Millionengehälter ihrer Stars. Sie wollen natürlich volle Stadien, doch immer mehr Fans protestieren gegen die Preise in und um die Arenen. Und dabei geht es nicht nur um die Topzuschläge, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit erhoben werden. Es klingt verrückt, doch eigentlich müssten sich die Stadionpreise verdoppeln. Warum?

 

Kommentare (3)

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Herr Thomas Ebert

10.02.2016, 15:45 Uhr

Die großen Klubs in England haben auch das Problem. Auch dort wollen die Fans nicht jeden Irrsinnspreis bezahlen. Nicht alle guten Spieler der Welt werden nach England oder China gehen. Einfach mehr Spieler ausbilden als weggekauft wird!

Account gelöscht!

10.02.2016, 16:30 Uhr

Die (meist) irren Fans fahren den Jungmillionären doch Woche für Woche das Geld Schubkarrenweise direkt in die Stadien.

Derr Trend wird mit einer Erhöhung immer weiter voranschreiten und die Fans ihre paar Moneten dann weiter ausgeben, obwohl es bestimmt anderweitig sinvoller wäre.

Sagt das mal auch einem ambitionierten Skifahrer, der sich weder St. Moritz u.a. eigentlich nicht leisten sollte und es sich zukünftig eigentlich nur ein elitärer Kreis erlauben kann.

Beide werden das Geld dafür hinblättern. Ist das nicht irrational und dumm?




Herr Dieter Kühne

10.02.2016, 17:02 Uhr

Wann endlich merken die Fußballfans, das es im Fußball nur um ihr Geld geht.
Wenn ein Verein sich nur mit immer höheren Summen für die zum Teil verwöhnten Milchbubis behaupten kann, ist es traurig um den Fußball bestellt.
Den meisten Profis geht es doch nur um's Geld nicht um den Sport. Finanziell unzufriedene Bubis sollte man ziehen lassen, sie sind kein Verlusst für den Sport.
In keiner Sportart werden die Fans so verarscht, wie im Fußball.
Nur kaum einer merkt es.

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