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11.07.2017

12:05 Uhr

Torhüter bekommt Vertrag

Hertha holt Klinsmann jr.

VonStefan Hermanns, Michael Rosentritt
Quelle:Tagesspiegel

Wie der Vater, so nicht der Sohn: Jonathan Klinsmann hat sein Glück in der Verhinderung von Toren gefunden. Nun heißt es Fußball bei einem Bundesligisten statt Kunststudium in den USA – die Hertha greift zu.

Der US-Jugendnationalspieler wird dritter Keeper der Hertha. dpa

Jonathan Klinsmann

Der US-Jugendnationalspieler wird dritter Keeper der Hertha.

BerlinNach Ähnlichkeiten zu seinem Vater muss man wirklich nicht lange suchen: die Mund- und Nasenpartie, der federnde Gang, auch das Lächeln. Vor allem aber die Begeisterungsfähigkeit und die grundsätzlich positive Einstellung zum Leben. Jonathan Klinsmann findet so ziemlich alles „amazing“, was er gerade erlebt. Die Stadt Berlin, der Verein Hertha BSC, seine Torwartkollegen Rune Jarstein und Thomas Kraft, das Training, die Atmosphäre: alles wunderbar.

Jonathan, 20 Jahre alt, ist der Sohn von Jürgen Klinsmann, der mit genau dieser Einstellung den deutschen Fußball vor etwas mehr als zehn Jahren als Bundestrainer aus einer tiefen Depression befreit hat. Klinsmann hat den WM-Titel 2006 als Ziel ausgerufen, als das Land schon das Erreichen des Achtelfinales für vermessen gehalten hätte. Hohe Ziele hat auch sein Sohn: Er versucht gerade, seine Karriere als Profifußballer in Gang zu bringen.

„Hertha gibt mir ein wirklich gutes Gefühl“, sagt Klinsmann junior, der seit einer Woche beim Berliner Bundesligisten zur Probe mitspielt und gerade mit den Profis im Trainingslager in Bad Saarow ist. Am Dienstagvormittag haben die Berliner verkündet, dass sie den US-amerikanischen U-20-Nationalspieler als dritten Torhüter unter Vertrag nehmen. Manager Michael Preetz twitterte: "Willkommen in der Hertha-Familie, Jonathan!" Besonders Torwarttrainer Zsolt Petry ist von Klinsmann angetan. „Er macht einen sehr guten Eindruck“, sagt Petry. „Er strahlt Ruhe und Selbstvertrauen aus, hat einen sehr guten rechten Fuß und ist auch technisch und athletisch auf einem guten Niveau.“

Dass Jonathan Klinsmann Talent hat, ist offenkundig. Im Mai hat er mit den USA an der U-20-WM teilgenommen, Anfang des Jahres wurde er beim Gold-Cup als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet. „Er bringt viel mit“, sagt Rainer Widmayer, der Assistent von Herthas Cheftrainer Pal Dardai. „Er ist ein Modellathlet, fleißig, gierig und extrem ehrgeizig.“ Bisher spielt Klinsmann für das College-Team der Universität Berkeley – aber für einen Profivertrag im alten Europa würde er sein Kunststudium auf halber Strecke beenden.

Seit ein paar Wochen tourt Klinsmann durch Deutschland und England. Er hat bei Everton und West Ham vorgespielt, bei Eintracht Braunschweig und jetzt bei Hertha. „Alles was er für einen guten Torhüter braucht, hat er“, hat der Torwarttrainer des FC Everton über ihn gesagt. „Alles, was er nicht hat, kann er lernen.“ Eintracht Braunschweig wollte ihn verpflichten, aber Klinsmann hat vorgezogen, es erst noch bei Hertha zu probieren. Jonathan Klinsmann sagt, er sei jemand, der das Risiko liebe. „Das ist wichtig im Leben.“

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