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05.12.2012

17:03 Uhr

Torlinientechnik im Test

Chip im Ball gegen Adlerauge

Auf der Suche nach einer funktionierenden Torlinientechnologie sind beim Weltverband Fifa noch zwei Systeme im Rennen. Beide müssen sich von Donnerstag an bei der Club-WM beweisen.

Torlinientechnologie offiziell

FIFA schafft künftige Wembley-Tore ab

Torlinientechnologie offiziell: FIFA schafft künftige Wembley-Tore ab

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Tokio/BerlinDrin oder nicht drin - die wichtigste Streitfrage im Fußball steht kurz vor der Lösung. Auf dem Weg zur möglichen Einführung einer Torlinientechnologie beginnt für die beiden favorisierten Systeme bei der FIFA-Club-WM der erste Härtetest. Der Weltverband will dabei sowohl das im Tennis genutzte Hawk Eye als auch die magnetfeldbasierte GoalRef-Technik mit einem Chip im Ball einsetzen.

„Das ist eine Art Revolution“, sagte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke in Tokio einen Tag vor dem Auftakt-Playoffspiel zwischen Sanfrecce Hiroshima und Auckland City FC am Donnerstag in Yokohama. „Die Tests sind abgeschlossen und waren erfolgreich. Das ist ebenfalls ein wichtiger Tag für uns, weil eines der beiden Systeme beim Confederations Cup kommendes Jahr genutzt wird.“ Im Juli hatte das International Football Association Board (IFAB) den Premieren-Einsatz der technischen Hilfsmittel erlaubt.

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass die Resultate der Vereins-Weltmeisterschaft im Januar analysiert und bei einem Workshop im März in Zürich besprochen werden. Danach soll die Entscheidung fallen, welche Technik sich beim Confed-Cup in Brasilien beweisen darf.

Während der Club-WM wird in den Stadien von Yokohama das GoalRef-System eingesetzt, in Toyota ist das kamerabasierte Hawk-Eye installiert, die Auswahl fiel zufällig. „Das Wichtigste ist, dass die Technologie so gut wie möglich arbeitet und keine Fehler macht. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Technologie nicht so genau ist, dass die TV-Kameras beweisen, dass die Entscheidung falsch war“, sagte Hawk-Eye-Manager Steve Carter der Nachrichtenagentur Reuters.

90 Minuten vor jedem Spiel wird der Schiedsrichter das System testen und bestimmen, ob er in der Partie darauf zurückgreift. „Wenn er Zweifel hat, hat er das Recht, es nicht zu gebrauchen“, betonte Valcke. Die Kosten für die Tests und Vorbereitung für das Turnier bezifferte er auf rund zwei Millionen Dollar.

Innerhalb von Sekunden solle der Referee mit dem Schriftzug GOAL auf seiner Armbanduhr über ein Tor informiert werden, versprach der FIFA-Generalsekretär. „Die Technologie wird die Geschwindigkeit, den Wert oder den Geist des Spiels nicht ändern.“ Die Fernsehzuschauer und Fans im Stadion sollen zumindest in naher Zukunft nicht über Einblendungen das Ergebnis zu sehen bekommen.

FIFA-Chef Joseph Blatter hatte sich erst nach den Fehlentscheidungen bei der WM 2010 in Südafrika aufgeschlossen gegenüber Technologien gezeigt. Damals war unter anderem England ein klares Tor von Frank Lampard gegen Deutschland nicht gegeben worden. „Das darf nie wieder passieren“, unterstrich Valcke.

Auch die Bundesliga schaut gespannt nach Japan. Der Vorstand der Deutschen Fußball Liga hatte im November überraschend beschlossen, die neue Technologie nicht wie geplant schon kommendes Jahr einzuführen und zunächst die Tests abzuwarten.

Bei der Club-WM steigen der südamerikanische Vertreter Corinthians und der FC Chelsea erst in der kommenden Woche im Halbfinale ein. Dabei dürfte der Champions-League-Gewinner ein spezielles Interesse an einer funktionierenden Technologie haben: Ob das entscheidende 1:0 von Liverpools Luis Garcia im Champions-League-Semifinale 2005 wirklich die Linie überschritten hatte, lässt heute noch die englischen Fans streiten.

Von

dpa

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