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08.03.2006

09:32 Uhr

Touristik

Reise-Branche profitiert von der Fußball-WM

VonE. Krummheuer

Die deutsche Reisebranche will die Folgen der New Yorker Attentate vom 11. September 2001 endgültig abhaken. Zum Ende des laufenden touristischen Geschäftsjahres, das traditionell mit der Herbstsaison am 31. Oktober endet, hofft die Touristik im Umsatz wieder das Niveau von vor fünf Jahren zu erreichen, sagte Klaus Laepple dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Der Düsseldorfer Reisebüroinhaber ist als Präsident des Deutschen Reiseverbandes und des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft oberster Branchenfunktionär. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), die von heute bis Sonntag in Berlin stattfindet, geht die Branche wenige Wochen vor dem nationalen Großereignis Fußball-Weltmeisterschaft mit besonderen Erwartungen in die für sie entscheidende Sommer- und Herbstsaison. Starke Impulse erhoffen sich vor allem Gastronomen und Hoteliers im Inland.

Nach Prognosen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) wird der Fußball etwa eine Million ausländische Gäste zusätzlich ins Land locken. Bei geschätzten fünf Übernachtungen je Reisendem würde das einem Plus beim Zimmerverkauf von etwa zehn Prozent entsprechen. Aufs Jahr gerechnet, machen die zusätzlichen Übernachtungen allerdings nur 1,7 Prozent aus.

Von der WM wird vor allem der Städtetourismus profitieren. "Richtig gutes Geschäft werden wir in den zwölf Austragungsorten machen", erwartet Martin Katz, Geschäftsführer von Ameropa, führender Anbieter von Städtereisen in Deutschland. Doch auch andere attraktive Ziele seien stark gefragt, sagte Katz: "Alle Städte profitieren von der internationalen Atmosphäre und der allgemeinen Reiselust."

Mit Erleichterung haben die großen Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook registriert, dass ihre Sommerreiseangebote auch während des Turniers gut gebucht werden. Es gebe wegen der Fußballbegeisterung keine Flaute im normalen Reisegeschäft.

"Deutschland ist Reiseweltmeister", frohlockt die DZT und verweist auf Branchenstatistiken. Danach fuhren die Deutschen 2004 fast 20 Prozent mehr ins Ausland als die US-Bürger. Dabei haben sie bei den Reisen fast 60 Mrd. Euro ausgegeben - mit steigender Tendenz.

Pauschalreisen sind jedoch nicht mehr so beliebt. Dafür stellen sich immer mehr Urlauber ihre Reise - vom Flug übers Hotel bis zum Mietwagen - individuell zusammen. Die Branche stellt sich verstärkt darauf ein. Positiv sei, so Tourismusexperte Laepple, dass über das preiswerte Fliegen ein hoher Prozentsatz von ehemaligen Autourlaubern für andere touristische Angebote gewonnen werde - oft zunächst nur für eine Städtetour, später aber nicht selten auch für eine Pauschalreise.

Doch längst nicht alles ist billig geworden in der Touristik. Unbeeindruckt von Krisen und "Geiz ist geil"-Stimmung boomt das Segment der Schiffsreisen Jahr für Jahr. Der Markt lockt immer mehr Anbieter an: So hat jetzt auch Tui-Chef Michael Frenzel angekündigt, ins seit Jahren renditeträchtige Kreuzfahrtgeschäft einsteigen zu wollen.

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