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13.10.2011

18:04 Uhr

Trainerausbildung

Verschleiß bei der Fußball-Führungsriege

VonThomas Mersch , Thomas Mersch

Bundesligatrainer dürfen im Schnitt nur 1,2 Jahre bleiben. Doch wenn es darum geht, mit einer eigenen Trainer-Ausbildung gegenzusteuern, bleiben Klubs meist untätig. Fast 90 Prozent der Cheftrainer sind extern berufen.

Trainer Michael Oenning  wurde nach nur einem halben Jahr Dienstzeit gefeuert. dpa

Trainer Michael Oenning wurde nach nur einem halben Jahr Dienstzeit gefeuert.

Oestrich-WinkelDie erfolgsverwöhnte Klubführung von Werder Bremen ließ sich nicht beirren. Immer wieder kam während der vergangenen Spielzeit die Frage auf, wann Trainer Thomas Schaaf gefeuert wird. Er durfte bleiben, obwohl sein Team gegen den Abstieg kämpfte. Inzwischen ist Werder als Tabellenzweiter wieder auf Kurs - mit Schaaf.

Weniger Geduld hatten die Bosse des Hamburger SV, derzeit Tabellenletzter. Trainer Michael Oenning wurde nach nur einem halben Jahr Dienstzeit am Montag gefeuert. Acht Trainer saßen seit 2003 beim HSV auf der Bank.

Hoher Verschleiß beim Fußball-Führungspersonal ist nicht ungewöhnlich. Sascha Schmidt, Leiter des Institute for Sports, Business & Society an der EBS Universität in Oestrich-Winkel, hat die Verweildauer von Bundesligatrainern in elf Spielzeiten zwischen 1998/99 und 2008/09 untersucht. Sie dürfen im Schnitt gerade einmal 1,2 Jahre bleiben. Schmidt verglich die Ergebnisse mit der Dienstzeit von Vorstandschefs börsennotierter deutscher Unternehmen (Dax/MDax) - die bleiben durchschnittlich 5,1 Jahre auf ihrem Posten. Angesichts immer teurerer Kader steigt der Erfolgsdruck auf die Trainer.

Bei der Ausbildung ihrer sportlichen Führungskräfte ziehen die Klubs dennoch kaum Konsequenzen. Fast 90 Prozent der Cheftrainer werden extern berufen. Ganz anders der Ansatz der Wirtschaft. Bei drei Vierteln aller Neubesetzungen rücken unternehmensinterne Kandidaten auf den Chefposten. "High-Potentials werden systematisch über Jahre aufgebaut", heißt es in der Studie.

Im Fußball seien "Entwicklungs- und Weiterbildungsprogramme für eine vereinsinterne Trainerbildung noch nicht etabliert", sagt Schmidt. Dabei hätten Eigengewächse erhebliche Vorteile bei der Akzeptanz durch die Fans. Investitionen lohnen sich zudem, wenn Trainer Ablösezahlungen einbringen - wie jüngst beim Wechsel von Robin Dutt von Freiburg nach Leverkusen: "Der Transfermarkt für Trainer entwickelt sich in Richtung Spielertransfermarkt."

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