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03.05.2013

17:11 Uhr

Trainerduell Klopp vs. Heynckes

Entertainer gegen Altmeister

VonDésirée Linde

Das Spitzenspiel der Liga am Samstag ist nicht nur das vorgezogene Finale der Königsklasse. Es ist auch das Duell Jürgen Klopp gegen Jupp Heynckes. Ein Vergleich der beiden großen Trainerkonkurrenten in fünf Punkten.

Die zwei Gesichter des deutschen Erfolgsfußballs: Jürgen Klopp (links) und Jupp Heynckes. dpa

Die zwei Gesichter des deutschen Erfolgsfußballs: Jürgen Klopp (links) und Jupp Heynckes.

Es ist das vorgezogene Champions-League-Finale: Am Samstag im Abendspiel (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) treffen nicht nur die beiden besten Teams der Bundesliga, sondern ganz Europas aufeinander. Borussia Dortmund empfängt den FC Bayern München.

Doch auch wenn keines der beiden Teams das Spiel so wirklich nehmen wird - aller gegenteiligen Bekundungen zum Trotz -, ist das Duell am Rand des Rasens das spannendere: Jürgen Klopp trifft auf Jupp Heynckes. Es ist das Kräftemessen der aktuell erfolgreichsten deutschen Trainer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Führungsstärke – Punkt für beide: 1:1

In diesem Punkt haben die beiden mehr gemein als auf den ersten Blick sichtbar: Sie führten ihre Teams in neue Sphären, trugen die ebenso gelobt wie belächelten deutschen Tugenden in die Moderne. Sie schweißten ihre Riegen aus starken Einzelspielern zu wirklichen Mannschaften zusammen, erhoben das schnelle Umschaltspiel zum Maß der Dinge auch im deutschen Profi-Fußball.

Gelungen ist ihnen das auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Denn sonst trennt die beiden allerdings mehr, als das sie verbindet.

Vor dem großen Finale

Die Besten

Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind mit elf (2012/13 mitgezählt) bzw. fünf Titeln die einzigen Bundesligisten, die in den vergangenen 20 Spielzeiten mehr als einen Meistertitel holten sowie die einzigen deutschen Champions-League-Sieger überhaupt (Bayern 2001, Dortmund 1997).

Neue Rekorde für Rekordmeister?

Der FC Bayern hat seine jüngsten neun Bundesliga-Auswärtsspiele gewonnen und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Keines der vorangegangenen 17 Auswärtsspiele verlor der Verein von der Isar (16 Siege, 1 Remis). In Dortmund könnte Bayern einen Bundesliga-Rekord einstellen: 15 Siege in Serie schaffte zuvor nur der FC Bayern selbst – zwischen März und September 2005 unter Trainer Felix Magath.

BVB-Rekord eingestellt

84 Punkte sammelte die Heynckes-Elf in dieser Saison. Das sind mehr als alle anderen Teams der Bundesliga-Historie am Saisonende. Damit schlagen sie Borussia Dortmund, der als erster Verein überhaupt die 81 Punkte-Marke brach.

Stärken

Mit Bayern (90 Tore, 14 Gegentore) und Dortmund (76 Tore, 36 Gegentore) treffen die besten Offensiv- und Defensivreihen der Liga aufeinander. Kein Team in der Liga hatte so eine gute Quote im Ballbesitz wie der FCB und der BVB. (Bayern 64%, BVB 56%).

Die Brisanz

Das Duell könnte sich in der Luft entscheiden. Da hat Bayern die besseren Karten. Denn 33 Prozent der Dortmunder Gegentore (12 von 36) fielen per Kopf. Die Bayern erzielten ligaweit die meisten Kopfballtore: 15 mal trafen die Spieler per Kopf.

Der Zahlmeister

Das meiste Geld hat Bayern sowieso, das bestätigt der brisante Neueinkauf vom BVB: Dortmunds Mario Götze ist mit einer Ablöse von 37 Millionen Euro der teuerste deutsche Fußballspieler (innerhalb der Liga).

Charisma – Punkt für Klopp: 2:1

Nach außen hin treffen zwei Welten aufeinander: Der eine feiert Erfolge und bügelt Niederlagen mit verbal offenem Visier und lockeren Sprüchen ab, der andere analysiert mit fast einschläfernder Ruhe und Sachlichkeit. Wenn Klopp austeilt und Heynckes reagiert, werden diese zwei Kommunikationskulturen der beiden Trainer besonders deutlich.

Diese klaren Unterschiede machen Klopp zum Liebling der Massen. Vorgestanzte Phrasen gibt es von ihm selten und selbst wenn sie doch mal kommen, schwärmen Kollegen, Spieler und Journalisten, wie erfrischend und sympathisch Kloppo mit seiner „Pöhler“-Kappe (steht für Straßenfußballer) doch sei.

Nicht umsonst wurde er vom „Kicker“ zweimal in Folge zum sympathischsten Trainer der Liga gewählt. Auch, weil er die Menschen zum lachen bringt und selbst viel lacht. Da hat es einer wie Josef Heynckes schwer. Der von sich selbst mal gesagt hat, er könne sich nicht gut selbst vermarkten. Auch innerhalb seines Team ist Heynckes im Gegensatz zu Klopp nicht der Kumpeltyp: Heynckes hat seine Augen überall, gilt als extrem genau, manchmal gar pedantisch.

Souveränität – Punkt für Heynckes: 2:2

Da wiederrum punktet der Ältere. Wie Ende Februar. Da warf Jürgen Klopp Jupp Heynckes und den Bayern vor, sie kopierten Spielsysteme nur. Der BVB-Trainer hatte nach der 0:1-Pokalniederlage seiner Borussen in München erklärt, dass „es die Bayern wie die Chinesen in der Industrie machen: Schauen, was die anderen machen, um es abzukupfern und dann mit mehr Geld und anderen Spielern den gleichen Weg einzuschlagen“.

Dass er nur wenige Tage später zurückruderte und sich öffentlich entschuldigte, ist ebenfalls typisch Klopp. Die Emotionen kochen schnell hoch – aber sie kühlen auch schnell wieder ab. Und Heynckes? Der blieb gewohnt ruhig, schoss nur in kleinen Dosen zurück. Mehr hat er gar nicht nötig.

Kriegsrethorik à la Kloppo trifft auf Heynckes'sche kühle Sachlichkeit. Und während Klopp offen über seine Haartransplantation spricht, würde sich der 22 Jahre ältere Heynckes mit solcherlei Spöckes, allein um besser auszusehen, gar nicht aufhalten. Und wenn, dann würde er schon mal gar nicht darüber sprechen. Längst gehört der Spitzname „Osram“, den Heynckes in den 80-ern wegen seines vor Wut rot anlaufenden Kopfes bekam, der Vergangenheit an.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.05.2013, 20:10 Uhr

Wir alle wissen doch wo Kloppo in ein paar Jahren und nach Guardiola landen wird, oder ?!

Batistuta

03.05.2013, 21:59 Uhr

Das Duell lautet doch eher: Gentleman gegen Prolet!

mono

04.05.2013, 06:29 Uhr

Da hat aber einer Fussball so gar nicht kapiert.

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