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12.01.2006

09:49 Uhr

Trainerwechsel bei Atlético Paraná

Lothar Matthäus zieht es nach Brasilien

Der Rekordnationalspieler unterschreibt Einjahresvertrag bei Atletico Paranaense in Curitiba – Assistent soll Paulo Rink werden – In Brasilien regt sich erste Kritik.

Mit seinem braslianischen Team will Lothar Matthäus Erfolge feiern. Foto: dpa dpa

Mit seinem braslianischen Team will Lothar Matthäus Erfolge feiern. Foto: dpa

CURITIBA. Für Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus beginnt im Februar ein neuer Lebensabschnitt. Der 44-Jährige hat einen Einjahresvertrag beim brasilianischen Erstligisten Atletico Paranaense in Curitiba unterschrieben. Dies bestätigte Matthäus gestern am Rande von Dreharbeiten für einen WM-Spot in Südafrika. „Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für meine Entwicklung als Trainer. Welcher Europäer kann schon von sich behaupten, in Brasilien eine Spitzenmannschaft trainiert zu haben“, sagte Matthäus. Ihn reize „die Rückkehr zur täglichen Arbeit mit einer Mannschaft“.

Paranaense schaffte 1995 den Wiederaufstieg in die erste brasilianische Liga und gewann im Jahr 2001 die Meisterschaft. In der vergangenen Saison ist der Klub Sechster geworden und stand im Finale der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertadores. Bei seinem ersten Besuch in Curitiba zeigte sich Matthäus beeindruckt vom sportlichen Umfeld: „Das Stadion, das Trainingszentrum, die Strukturen, die Qualität der Mannschaft sind vom Allerfeinsten.“

Im Land des fünfmaligen Weltmeisters regt sich indes erste Kritik an den Fähigkeiten des Trainers Matthäus. „Als Spieler war er toll. Als Coach ist er eine Null. Ich bin da nicht so sehr begeistert“, sagte der angesehene Fußball-Journalist Paulo Clement im quotenstarken Fernsehsender „SportTV“. Seine Kollegen am Diskussionstisch meinten, dass eine Verpflichtung des Deutschen zumindest für die Vermarktung interessant sei. Der neue Matthäus-Club wolle ja international bekannt werden, und da komme er als „Zugpferd“ gerade recht.

Matthäus selbst will für den Job auf der Südhalbkugel den aus Curitiba stammenden früheren deutschen Nationalspieler Paulo Rink gewinnen. Allerdings hat der in Zypern spielende frühere Leverkusener seinen Vertrag bei Omonia Nikosia gerade erst um 18 Monate verlängert. „Ich will zurück nach Hause, aber man wird mich hier nicht so leicht freigeben“, sagte er. Derzeit wird die Mannschaft noch von Interimscoach Vinicius Eutropio betreut.

Für Matthäus ist Paranaense die vierte Trainerstation nach Rapid Wien, Partizan Belgrad und der ungarischen Nationalmannschaft. Der zweimalige Weltfußballer war zuletzt auch bei mehreren Bundesligisten, unter anderem beim 1. FC Köln, im Gespräch. Als ungarischer Nationaltrainer hat Matthäus seit Jahresbeginn keinen gültigen Vertrag mehr. Die Verlängerung des seit 2004 bestehenden Arbeitsverhältnisses hatte sich an heftigen internen Streitigkeiten im ungarischen Fußballverband zerschlagen. Funktionäre des inzwischen aufgelösten Verbands-Präsidiums hatten zuletzt dem Deutschen widersprochen, nach denen ihm „ein unterschriftsreifer Vertrag bis Ende 2007“ vorliegen würde. „Das ist absolut unwahr“, sagte Matthäus.

Trotz der Querelen mit dem Verband schließt er eine Rückkehr nach Budapest nicht aus. Er behalte dort seine Wohnung, „denn ich mag die Stadt, das Land, die Menschen, und wenn sich die Lage in normalisiert, kehre ich gerne wieder nach Ungarn zurück“.

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