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20.07.2013

09:30 Uhr

Transfermarkt

Das Geschäft mit den Spieler-Deals

VonStefan Merx

Spielertransfers sind zu einer hochkomplexen Wissenschaft geworden. Und mitunter werden Spielerwechsel auch zur Geldwäsche benutzt. Die Fifa will mit Strenge für Transparenz sorgen – und macht ein Geschäft damit.

Robert Lewandowski und der mögliche Wechsel: Eine undurchsichtige, aber legale Handlungsweise. Das ist nicht bei allen Transfers garantiert. dpa

Robert Lewandowski und der mögliche Wechsel: Eine undurchsichtige, aber legale Handlungsweise. Das ist nicht bei allen Transfers garantiert.

KölnEs ist kinderleicht, ein Fußball-Manager zu sein. Zumindest an der Spielekonsole. Ein zwei Klicks, Marktwerte und Leistungsdaten poppen auf, bestätigen, bezahlen – und der neue Stürmer ist im Einkaufskorb. In der Wirklichkeit ist es anders: Scouts fliegen um die Welt, ausgefuchste Spielerberater feilschen mit Klubchefs um das kickende Kapital – und immer häufiger bieten externe Finanziers Beteiligungsgeschäfte an, um im millionenschweren Geschäft mitzumischen.

Klubs kaufen Hoffnung. Gerade im Sommer, wenn der Ball in den Profiligen noch ruht, rollen Rubel, Euro und Pfund im Transfergeschäft. Und das ist hoch spekulativ. Ob der gezahlte Preis für einen Spieler marktüblich ist, ob der Wert steigt, weiß niemand. Die weltweite Megadatenbank wie im Computerspiel, ein transparentes Börsensystem fehlt – noch.

Das Transfergeschäft im Profifußball ist zu einer hochkomplexen, globalen Angelegenheit geworden. Allein 11.552 grenzüberschreitende Transfers registrierte der Weltfußballverband Fifa im Jahr 2012. Die damit verbundenen Geldflüsse, die oft über verschiedene Mittelsmänner laufen, sind immens: umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro gaben die Klubs im vergangenen Jahr aus, meldet die vom Weltfußballverband eingesetzte Tochterfirma Transfer Matching System GmbH (Fifa TMS).

Die Highlights aus dem Fifa-Transfer-Report 2012

Zahl der grenzüberschreitenden Transfers

Im Jahr 2012 wurden im globalen Profifußball 11.552 Transfers über Ländergrenzen vorgenommen – das waren 71 mehr als im Jahr 2011. Die dafür von den Klubs gezahlten Entschädigungen betrugen 2,53 Milliarden US-Dollar, also zehn Prozent (oder 290 Millionen US-Dollar) weniger als im Vorjahr.

Quelle: Fifa TMS-Report „Global Transfer Market 2012“

Ablösesummen sind die Ausnahme

70 Prozent der Spieler waren zum Zeitpunkt des Transfers vertragslos. Nur bei 14 Prozent der internationalen Transfers flossen überhaupt Entschädigungszahlungen zwischen den Vereinen. Die Zahlung betrug im Durchschnitt 1,6 Millionen US-Dollar und lag damit leicht unter der Durchschnittszahlung im Jahr 2011 (1,8 Millionen).
Europa als großes geschlossenes System

Brasilianer und Argentinier gefragt

Ein typischer Karriereweg für junge Fußballer ist der Transfer von Brasilien nach Portugal. Unter den grenzüberschreitend transferierten Spieler waren 1463 Brasilianer, 782 Argentinier und 507 Briten. Deutsche Spieler tauchen in dieser quantitativen Betrachtung unter den Top-15-Nationalitäten gar nicht auf.

Europa als großes geschlossenes System

Europa verzeichnete 6387 Zugänge und 6543 Abgänge und ist so mit weitem Abstand vor Südamerika und Asien die Region mit der höchsten Marktaktivität. 82 Prozent der fest vereinbarten Ablösesummen zirkulieren innerhalb Europas.

England und Russland als starke Käufer

Als stärkste Nachfragemärkte traten England, Russland und die Türkei in Erscheinung. Gestützt von teilweise milliardenschweren Investoren wurde mehr aus dem Ausland gekauft als dorthin abgegeben. England führt die Liste der Nettozahler an mit 314 Millionen US-Dollar, vor Russland mit 256 Millionen, der Türkei (78 Mio.), China (49 Mio.) und Deutschland (43 Mio.).

Spanien und Italien übten Zurückhaltung

Bei den Wechselspielen haben sich die Südländer auffällig zurückgenommen – Folge der Wirtschaftskrise. Sie nahmen mit grenzüberschreitenden Tranfers im Saldo mehr ein, als sie ausgaben, anders als noch im Vorjahr. Italiens Klubs blieben unter dem Strich 91 Millionen US-Dollar übrig, in Spanien waren es 50 Millionen, Portugal kam mit 103 Millionen Dollar Nettoeinnahmen sogar in die Nähe Brasiliens, das mit 121 Millionen größter Nettoempfänger war.

Spielergehälter in Deutschland auf Rang 3

Die Spielergehälter variieren stark, je nach Zielland des transferierten Spielers. Die höchsten festen Jahresgehälter wurden mit durchschnittlich 720.000 US-Dollar von den italienischen Vereinen gezahlt. Auch in England zahlten die Klubs mit 680.000 US-Dollar im Schnitt deutlich mehr als die deutschen Vereine (390.000 US-Dollar). In Südamerika gab es für die Grenzgänger weit weniger zu holen: 80.000 US-Dollar Durchschnittsgehalt in Brasilien und nur 40.000 in Argentinien.

Fifa-Präsident Josef Blatter hat TMS als Kontrollinstanz nicht umsonst aus der Taufe gehoben – das oft schwer zu durchschauende System von Kompensationen, Provisionen und Handgeldern im Zusammenhang mit Vereinswechseln lockt auch Kriminelle. Der „Economist“ berichtet in diesem Monat – ohne Namen zu nennen – von der angeblich verbreiteten Praxis einiger Klubverantwortlicher, im Zuge von Spielerverkäufen Schwarzgelder ins System zu schleusen – und so gesäubert in die Bilanzen der Klubs zu bekommen. Und das sei nur ein Trick von vielen, um Gelder aus dubiosen Quellen zu waschen. Es gebe im internationalen Profifußball ein funktionierendes Geflecht von eingeweihten Beratern und Vertrauensmännern bei anderen Klubs, heißt es im Economist-Bericht.

Seit dem 1. Oktober 2010 müssten alle Klubs der 209 Fifa-Mitgliedsländer jeden grenzüberschreitenden Transfer der Fifa TMS über ein Online-System melden. Erst wenn beide Klubs exakt übereinstimmende Angaben hinterlegen, erteilt das TMS den nötigen internationalen Freigabeschein. Rund 5600 professionelle Vereine in aller Welt sind betroffen, über 30 Einzelangaben sind einzuspeisen. Klubs müssen alle relevanten Vertragsdokumente auf die TMS-Datenbank hochladen und die Zahlungen dokumentieren. An den heißen Tagen direkt vor Ablauf der Transferperiode werden Spielerverkäufe in den TMS-Rechnern im Fünf-Minuten-Takt abgewickelt.

Kommentare (8)

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Horst

20.07.2013, 09:49 Uhr

Fussball, das einzige Geschäft, daß mit den kriminellen Machenschaften der Politik und der Mafia mithalten kann

Account gelöscht!

20.07.2013, 10:21 Uhr

ja, ein wirklich dreckiges Geschäft. Ähnlich wie das der ständigen Zensur, wenn es um die Interessen der wirklichen Herren der Bananenrepublik Deutschland geht

http://www.handelsblatt.com/politik/international/john-kerry-nahost-friedensgespraeche-wieder-aufgenommen/8523874.html

Offenbar sind US-gelenkte Friedensgespräche so kritisch, daß man wieder mal den Kommentartab sperren muß. Bloß nicht Volkes Meinung zulassen.

goldeneye

20.07.2013, 10:43 Uhr

dass man das mit der GELDWÄSCHE bei Spieler-Transfer jetzt erst bemerkt .......

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