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11.08.2017

11:58 Uhr

Transferpoker mit Barcelona

Warum der BVB für Dembélé 200 Millionen verlangen kann

VonThomas Schmitt

BVB-Fußballprofi Dembélé verschwindet, um einen Wechsel zu Barcelona zu erzwingen. Das ist kindisch, spielt Borussia Dortmund in die Karten und ist gut für Aktionäre. Der Preis für einen Transfer steigt. Ein Kommentar.

150 Mio. Ablöse

Trotz Transfergerüchten: Dembéle posiert für BVB-Teamfoto

150 Mio. Ablöse: Trotz Transfergerüchten: Dembéle posiert für BVB-Teamfoto

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DüsseldorfZu den Märchen im Profi-Fußball gehört die Annahme, dass ein wechselwilliger Fußballer am längeren Hebel sitzt, wenn er gehen will. Meistens ist das nicht so, weil die Jungmillionäre einen Vertrag unterschrieben haben, der einen Transfer nur mit dem Einverständnis des jeweiligen Arbeitgebers ermöglicht.

Das ist auch bei dem erst 20 Jahre alten Franzosen Ousmane Dembélé so, dem Shooting-Star der vergangenen Bundesliga-Saison. Mit seinen Vorlagen und Toren war er der Garant dafür, dass der BVB in der vergangenen Saison endlich wieder mit dem DFB-Pokal einen wichtigen Titel holte. Nun wird er nach dem Abgang von Neymar extrem stark vom FC Barcelona umworben.

Da will er unbedingt hin, doch das ist nicht so einfach, weil sein BVB-Vertrag bis 2021 läuft – ohne Ausstiegsklausel. Die Dortmunder würden ihn am liebsten behalten, weil der Offensivspieler so etwas wie das Versprechen auf den nächsten Titel ist. Doch da Barcelona mindestens 222 Millionen Euro für neue Stürmer ausgeben kann, müssen die BVB-Manager zumindest zuhören.

Transfer-Theater: Aufregung beim BVB um Dembélé

Vorgeschichte

Im Jahr 2015 drohte Ousmane Dembélé seinem damaligen Klub Stade Rennes mit seinem sofortigen Karriereende. Der Grund: Ein Wechsel des damals 17-Jährigen zu Red Bull Salzburg war geplatzt.

Per SMS ausgekotzt

Am 31. August 2015 schickte er eine SMS: „Ich gehe nach Senegal. Ich bin mit dem Fußball fertig, ihr kotzt mich an", sagte Rennes-Sportdirektor Mikael Silvestre im Januar der französischen Sportzeitung L'Equipe.

2016

Dembélé machte dann jedoch weiter und wechselte ein Jahr später für 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Dabei sagte er sogar dem FC Barcelona ab.

9. August 2017

Der französische Nationalspieler will unbedingt zu Barcelona. Beide Vereine verhandeln, können sich aber nicht einigen.

10. August 2017: Wo ist er?

Dembélé erscheint nicht zum Training. Es kursieren über den Fernsehsender Sky Gerüchte, er sei auf dem Weg nach Barcelona.

14 Uhr: Ängstlicher Trainer

Sein Trainer Peter Bosz ist vor der Presse ratlos und ängstlich: „Wir haben versucht, ihn zu erreichen, das ist nicht gelungen. Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert ist.“

Real pokert mit

Nach Angaben der dem FC Barcelona nahe stehenden Sportzeitung El Mundo Deportivo wird sich nun auch Real Madrid in den Poker um Dortmunds Ousmane Dembele einmischen, berichtet Sport1. Den Königlichen drohe das fest eingeplante Monaco-Juwel Kylian Mbappe von der Fahne zu gehen. Der Spieler wolle zu Paris Saint-Germain.

Medienhype

Nur wenige Minuten nach dem Statement des niederländischen Fußball-Lehrers Bosz, nichts über den Verbleib von Dembélé zu wissen, hatte die französischen Sportzeitung „L'Equipe“ über eine unmittelbar bevorstehende Unterschrift des 20-Jährigen beim spanischen Renommierclub berichtet.

16 Uhr: BVB reagiert

Der börsennotierte BVB gibt eine Ad-hoc-Mitteilung heraus. Darin wurden Verhandlungen mit den Katalanen bestätigt: „In diesem Gespräch haben die Vertreter des FC Barcelona ein Angebot unterbreitet, welches nicht dem außerordentlichen fußballerischen und sonstigen Stellenwert des Spielers und auch nicht der derzeitigen Marktsituation des europäischen Transfermarktes entsprach. Dieses Angebot hat der BVB abgelehnt.“

BVB lehnt Angebot ab

Ein baldiger Wechsel sei nicht zu erwarten, heißt es in der Ad-hoc: „Da bis zum heutigen Tag kein anderslautendes Angebot des FC Barcelona vorliegt, ist derzeit mit einem Transfer des Spielers zum FC Barcelona nicht zu rechnen und dieser folgerichtig aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich.“

Die Summen

Mutmaßlich will der BVB 150 Millionen Euro für den vertraglich bis 2021 gebundenen Dembélé. Die französische Zeitung „Le Parisien“ berichtete von einer Ablösesumme von 130 Millionen Euro. In Barcelona soll er den brasilianischen Nationalspieler Neymar ersetzen, der für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro zu Paris gewechselt war.

Dembélé war nie weg

Der BVB stellt nachmittags fest, dass der Spieler in Dortmund ist. Die Reaktion: „Ousmane Dembélé hat sich offenbar bewusst zu diesem Schritt entschieden. Diese Fehlverhalten werden wir selbstverständlich sanktionieren“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

17 Uhr: Suspendierung

Nach Rücksprache mit Trainer Peter Bosz wurde Dembélé bis nach dem Pokalspiel am Samstag beim Sechstligisten 1. FC Rieslasingen-Arlen „vom Trainings- und Spielbetrieb suspendiert“. Außerdem erwartet ihn wegen Vertragsbruchs eine saftige Geldstrafe im sechsstelligen Bereich, wie „Bild“ vermutet. Mittlerweile wurde die Suspendierung „bis auf Weiteres“ verlängert.

Eine Verhandlungsrunde in dieser Woche scheiterte jedoch an zu unterschiedlichen Vorstellungen. Die BVB-Bosse gingen vermutlich mit Forderungen von weit mehr als 100 Millionen Euro in den Poker, so viel wollen die Spanier aber bisher nicht zahlen. Das Problem der Katalanen: Jeder weiß um ihren Geldsack, also steigen Transferforderungen schnell mal um 30, 40 oder 50 Millionen Euro.

Bei Dembéle sind Summen um 150 Millionen Euro noch nicht einmal zu hoch gegriffen. Laut der jüngsten Rangliste der Schweizer Fußballforscher Cies von Anfang Juli ist der Spieler knapp 90 Millionen Euro wert. Rechnet man die durch den Neymar-Transfer ausgelöste Inflationsrate hinzu, könnte man für Dembéle nun ohne weiteres 200 Millionen Euro verlangen.

Borussia Dortmund: Ousmane Dembélé, der BVB-Aktienkurstreiber

Borussia Dortmund

Ousmane Dembélé, der BVB-Aktienkurstreiber

Die Aktie von Borussia Dortmund erreicht den höchsten Stand seit 2001. Das liegt vor allem an Ousmane Dembélé. Aktionäre warten gespannt, ob der Shootingstar für eine kaum vorstellbare Rekordsumme nach Spanien wechselt.

Das wäre schon deshalb angemessen, weil sich die Lage am Transfermarkt für Borussia Dortmund nun täglich verschlechtert. Einen annähernd gleichwertigen Ersatz für Dembélé können sie nur bis Ende August verpflichten. Doch je länger die Spanier zögern, umso mehr läuft dem BVB für Folgetransfers die Zeit weg.

Abgesehen davon: Natürlich würden die Transfer-Forderungen anderer ebenfalls steigen – jeder will eben seinen Anteil an den 222-Neymar-Millionen.  

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