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27.08.2015

12:53 Uhr

Transferposse um De Bruyne

Handelsware Fußballspieler

VonThomas Schmitt

Geht Kevin De Bruyne nach England? Oder bleibt er in Wolfsburg? Ein Deal mit Manchester City wurde schon als nahezu perfekt gemeldet, dann aber dementiert. Das Geschacher zeigt: Fußballer sind mehr Ware denn je.

Der Wolfsburger Fußballspieler Kevin De Bruyne und seine Freundin Mischa bei einer seiner zahlreichen Ehrungen für die Saison 2014/15. dpa

Niedersächsischer Fußballer des Jahres

Der Wolfsburger Fußballspieler Kevin De Bruyne und seine Freundin Mischa bei einer seiner zahlreichen Ehrungen für die Saison 2014/15.

DüsseldorfKein Tag vergeht ohne eine Meldung über Kevin De Bruyne. Auch am Mittwoch war das so - mit dem Tenor: Er geht nach England, der Deal sei nahezu perfekt. Einen halben Tag später folgt das Dementi: „Es gibt keine Einigung mit Manchester City.“ Das sagte am Mittag der Wolfsburger Manager Klaus Allofs auf der turnusmäßigen Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen Schalke 04. Fortsetzung folgt.

Was bisher geschah: Der blonde Belgier gilt als der derzeit beste Fußballer in der Bundesliga. Ihm hat es der VfL Wolfsburg zu verdanken, dass der VW-Klub in der vergangenen Saison zum Bayern-Jäger Nummer eins wurde und sogar den DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund gewann. Durch die herausragende Saison ist De Bruyne ins Blickfeld aller großen Klubs in Europa geraten. Jeder hätte ihn gern in den eigenen Reihen, doch leisten können sich das nur noch ganz wenige. Denn die öffentlich gehandelten Ablösesummen erreichten zuletzt Beträge rund um 80 Millionen Euro.

So viel Geld haben auf der Welt bisher nur ganz wenige Fußballer gekostet, die allesamt in Madrid oder Barcelona spielen: Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Neymar, Luis Suarez und James Rodriguez. Dass von Scheichs finanzierte Klubs wie Manchester City und Paris SG nun angeblich ebenfalls so viel bieten, zeigt, dass sich im Fußballgeschäft die Gewichte verschieben.

Der Poker um de Bruyne

1. August

Klaus Allofs ist sich sicher, dass Kevin De Bruyne zu „zu 99,9 Prozent“ nicht den Verein wechseln wird. „Wir sind kein Verein, der die Transfereinnahmen braucht. Wir würden uns aber mit einem Angebot aus Respekt vor dem Spieler seriös beschäftigen.“

5. August

De Bruyne schließt seinen Wechsel nicht definitiv aus. „Was passiert, kann ich nicht sagen. Ich weiß von keinem Angebot“, sagte der 24-Jährige dem SID. „Ich bin niemand, der sagt, er bleibt und dann ist er in zwei Wochen weg.“

10. August

Manchester City bietet für De Bruyne 66 Millionen Euro. Ein erstes Angebots über knapp 50 Millionen Euro hatte Wolfsburg zuvor abgelehnt. Manager Allofs versucht zu beschwichtigen: „Da werden wirtschaftliche Größenordnungen kolportiert, ich verstehe es, dass Kevin es sich offenhält.“

13. August

FC Bayern hält sich nach eigenen Angaben aus dem Transferpoker heraus. „Wir werden dem VfL Wolfsburg sicher kein Kopfzerbrechen bereiten. Da kann ich Klaus Allofs beruhigen. Der Spieler ist ja auch nicht auf dem Markt. Wir werden da zu 100 Prozent nicht reingrätschen“, sagte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

14. August

Wolfsburg Trainer Dieter Hecking stört sich an den Spekulationen. „Wir können nicht auf jede Reaktion dieder Guardian schreibt, oder Daily Mirror und das Manchester Tageblatt verbreiten, reagieren. Das ist mir eigentlich wurscht, und ich kann als Cheftrainer nicht jeden Tag eine Wasserstandsmeldung abgeben“, sagte Hecking.

17. August (1)

„Ich werde diese Saison auf jeden Fall für den VfL Wolfsburg spielen“, sagte De Bruyne beim Sport-Bild-Award in Hamburg, bei dem er als „Star des Jahres“ ausgezeichnet wurde – allerdings warer zuvor auf der Bühne von Moderator Alexander Bommes aufgefordert worden, diesen Satz zu nachzusprechen.

17. August (2)

„Das werden schwierige Tage für alle Beteiligten werden. Und auch wenn unser gemeinsamer Weg nicht weitergehen sollte, wünsche ich ihm schon jetzt alles Gute“,sagte Hecking im Verlauf einer Laudatio auf den Belgier. In einer kurzen Replik bedankte sich der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler und versprach bis auf weiteres „meine Leistung in Wolfsburg zu bringen.“

18. August

De Bruynes Aussage beim Sport-Bild-Award sorgt für Unmut bei seinem Agenten Patrick de Koster. „Ich bin wütend darüber,was in dieser Nacht passiert ist“, wird de Koster bei Sky Sports News HQ zitiert. „Es wurde noch keine Entscheidung über Kevins Zukunft in dieser Transferperiode gefällt. Wir müssennoch abwarten, ob Wolfsburg eine Einigung mit einem anderen Klub erzielt.“

20. August

Die englische Boulevardzeitung Sun berichtet ohne Angabe von Quellen, dass der Mega-Transfer zu Manchester City über die Bühne gehen soll. Dafür werde De Bruyne am Samstag mit dem Privatjet nach Manchester fliegen. „Das treibt seltsame Blüten, wenn schon Abflugzeiten bekannt gegebenwerden und sich das Empfangskomitee in Bewegung setzt“, sagte Allofs am Donnerstag und stellte klar, dass der Belgier in Köln spielen werde: „Natürlich ist er dabei.“

22. August

„Wir sind alle recht gelassen. Die Tatsache, dass Kevin in der Startformation steht, zeigt, dass die ganzen Spekulationen alle zuverfrüht sind“, sagte Allofs vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Köln im Sky-Gespräch: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht alles kommentieren. Es ist ein bisschen zu viel Dynamik reingekommen. Wir fahren das jetzt mal runter.“

24. August

Der FC Bayern dementiert einem Bild-Bericht, nach dem De Bruyne zum Rekordmeister wechseln wolle. „Wir werden da definitiv nicht aktiv werden. Das hat der Vorstand schon vor längerer Zeit entschieden“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Montag auf SID-Anfrage.

25. August

Der Poker um Kevin de Bruyne kann im Extremfall bis zum frühen Dienstagabend dauern. Zwar läuft die Frist für die Meldung von Wechseln zu deutschen Klubs durch die DFL schon am Montag (31. August) um 18.00 Uhr ab, doch ist das Transferfenster im englischen Fußball noch 25 Stunden länger bis Dienstagabend um 19.00 Uhr geöffnet. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt also müsste Englands Ex-Meister Manchester City sowohl mit de Bruyne als auch mit den Wölfen eine Einigung auf einen Wechsel erzielt und den Transfer beim englischen Verband gemeldet haben.

26. August

Der Rekordtransfer von De Bruyne zum englischen Spitzenklub Manchester City steht laut Medienberichten unmittelbar vor dem Abschluss. Wie die Wolfsburger Allgemeine und das Fachmagazin kicker am Mittwochabend meldeten, sei der Durchbruch bei den Verhandlungen kurz zuvor erfolgt. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, schon am Donnerstag soll der Wechsel nach SID-Informationen offiziell verkündet werden.

27. August

VfL-Sportdirektor Klaus Allofs dementierte am Donnerstag Medienberichte über eine Einigung mit Manchester City. „Stand heute ist er Spieler des VfL Wolfsburg“, sagte er.  Allofs bestätigte allerdings Verhandlungen mit dem Club aus der Premier League.

28. August

Kevin De Bruyne sieht den 3:0 Heimsieg des VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 von der Tribüne aus. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Wechsel unmittelbar bevorsteht.

30. August

Deutschlands Fußballer des Jahres wechselt endgültig für die Bundesliga-Rekordsumme von rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City in die englische Premier League. Am Sonntag bestätigten beide Clubs das gigantische Geschäft.

Noch nie hatte zudem die Bundesliga einen Spieler, dessen Wert so schnell in die Höhe geschossen ist. Vor einem Jahr galt De Bruyne zwar auch als sehr viel versprechend, doch niemand hätte auch nur annähernd solche Summen für den 24 Jahre alten Kicker zahlen wollen. Selbst vor zwei Monaten war es noch recht ruhig um den offensiven Mittelfeldspieler.

Erst im August beschleunigte sich die Debatte. Aus gutem Grund: Nur bis maximal zum 1. September können die Fußballklubs in Europa noch neue Spieler für die erste Hälfte der Saison 2015/16 kaufen. Danach ist erst einmal Ruhe bis Weihnachten. Kein Wunder also, dass derzeit um einige Topspieler täglich neue Gerüchte die Runde machen.

Kein Wechsel von de Bruyne?

Allofs: „Es gibt keine Einigung Manchester City“

Kein Wechsel von de Bruyne?: Allofs: „Es gibt keine Einigung Manchester City“

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Nicht immer können solche Spekulationen so schnell im Keim erstickt werden wie im Fall von Weltmeister Thomas Müller. Den erklärten die Bayern aus München rasch für unverkäuflich. Damit ist an dieser Front Ruhe. Bei dem Belgier De Bruyne war die Situation etwas verzwickter – und deshalb war jeglichen Spekulationen wochenlang Tür und Tor geöffnet.

Kommentare (3)

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Herr Max Nolte

27.08.2015, 08:29 Uhr

wann wird diesen Rekordsummen endlich der Riegel vorgeschoben? Diese Entwicklung ist mehr als gefährlich! Es kann doch nicht sein, dass ein Fußballspieler so viel Geld verdient, ganz egal was er in seiner Jugend aufgeben musste! Das musste andere Sportler auch!
Ich finde diese Entwicklung einfach nur wahnsinnig! Ich schau mir lieber ein unterklassiges Spiel mit ehrlichen Fußballern an als die mit Geld vollgepumpten Heuler. Wenn dann wieder Schmähgesänge von den Rängen kommt wird wieder geheult dass man sowas doch nicht machen kann "der arme arme Spieler" mit seinen dreistelligen Milliönchen!
Völlig richtig wenn dann mal ne Gruppe Fans beim Training erscheint und mal klare Ansagen macht wenn die Leistung nicht stimmt. Aber die meisten Clubs können ja mittlerweile auf ihre Fans verzichten denn da kommt das Geld schon lange nicht mehr her...siehe RB Leipzig!
Nieder mit diesem Retortenverein!

Gegen den modernen Fußball!

Account gelöscht!

27.08.2015, 08:34 Uhr

Die Bundesliga ist selber schuld. Wenn die Gehälter im internationalen Maßstab in Deutschland zu niedrig sind, dann geht man(n) eben dahin wo es mehr zu holen gibt.

Wer will sich schon seine Beine kaputttreten lassen für unter 10 Mio. € im Jahr, zumal bei einer begrenzten Lebensarbeitszeit nur bis max. Anfang/Mitte 30 um die Altersvorsorge abzuschließen und auch künftig weiterhin den gewohnten Lebensstandard/stil beizubehalten ?

Herr Hermann Eifles

27.08.2015, 14:44 Uhr

Vereine, Spieler, Investoren - schachern hunderte von Millionen und der Steuerzahler kann die Polizeieinsätze und über die Zwangsabgabe GEZ den ganzen Quatsch bezahlen.

Wahnsinn !

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