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02.09.2015

12:02 Uhr

Transferrekord in England

Teuer, teurer, Premier League

VonCarsten Herz

Die Premier League gibt 1.185.000.000 Euro für Spieler aus. Ein Rekord mit zehn Ziffern vor dem Komma. Es ist selbst für die geldverwöhnten Klubs von der Insel eine Bestmarke. Was das für die Bundesliga bedeutet.

Liverpools James Milner, Martin Skrtel, Philippe Coutinho, Emre Can und Roberto Firmino (von links) profitieren von den finanziellen Ressourcen. AFP

Money, money, money

Liverpools James Milner, Martin Skrtel, Philippe Coutinho, Emre Can und Roberto Firmino (von links) profitieren von den finanziellen Ressourcen.

LondonRoberto Firmino war nur der Auftakt. Die 41 Millionen Euro des FC Liverpool für Hoffenheims Brasilianer, die die Briten Ende Juni überwiesen, markierten lediglich ein paar Wochen einen Bundesliga-Ablöse-Rekord. Keine zwei Monate später war die Bestmarke bereits eingestellt. Mit Manchester City, die sich für geschätzte 75 Millionen Euro Kevin de Bruyne von Wolfsburg schnappten, kam der Käufer erneut von der Insel.

Teuer, teurer, Premier League: Spätestens seit in England das Transferfenster schloss, ahnten Experten, dass die Ablösesummen auf der Insel eine Bestmarke erreicht haben würde. Nun ist aus der Ahnung so gut wie Gewissheit geworden.

Der Poker um de Bruyne

1. August

Klaus Allofs ist sich sicher, dass Kevin De Bruyne zu „zu 99,9 Prozent“ nicht den Verein wechseln wird. „Wir sind kein Verein, der die Transfereinnahmen braucht. Wir würden uns aber mit einem Angebot aus Respekt vor dem Spieler seriös beschäftigen.“

5. August

De Bruyne schließt seinen Wechsel nicht definitiv aus. „Was passiert, kann ich nicht sagen. Ich weiß von keinem Angebot“, sagte der 24-Jährige dem SID. „Ich bin niemand, der sagt, er bleibt und dann ist er in zwei Wochen weg.“

10. August

Manchester City bietet für De Bruyne 66 Millionen Euro. Ein erstes Angebots über knapp 50 Millionen Euro hatte Wolfsburg zuvor abgelehnt. Manager Allofs versucht zu beschwichtigen: „Da werden wirtschaftliche Größenordnungen kolportiert, ich verstehe es, dass Kevin es sich offenhält.“

13. August

FC Bayern hält sich nach eigenen Angaben aus dem Transferpoker heraus. „Wir werden dem VfL Wolfsburg sicher kein Kopfzerbrechen bereiten. Da kann ich Klaus Allofs beruhigen. Der Spieler ist ja auch nicht auf dem Markt. Wir werden da zu 100 Prozent nicht reingrätschen“, sagte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

14. August

Wolfsburg Trainer Dieter Hecking stört sich an den Spekulationen. „Wir können nicht auf jede Reaktion dieder Guardian schreibt, oder Daily Mirror und das Manchester Tageblatt verbreiten, reagieren. Das ist mir eigentlich wurscht, und ich kann als Cheftrainer nicht jeden Tag eine Wasserstandsmeldung abgeben“, sagte Hecking.

17. August (1)

„Ich werde diese Saison auf jeden Fall für den VfL Wolfsburg spielen“, sagte De Bruyne beim Sport-Bild-Award in Hamburg, bei dem er als „Star des Jahres“ ausgezeichnet wurde – allerdings warer zuvor auf der Bühne von Moderator Alexander Bommes aufgefordert worden, diesen Satz zu nachzusprechen.

17. August (2)

„Das werden schwierige Tage für alle Beteiligten werden. Und auch wenn unser gemeinsamer Weg nicht weitergehen sollte, wünsche ich ihm schon jetzt alles Gute“,sagte Hecking im Verlauf einer Laudatio auf den Belgier. In einer kurzen Replik bedankte sich der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler und versprach bis auf weiteres „meine Leistung in Wolfsburg zu bringen.“

18. August

De Bruynes Aussage beim Sport-Bild-Award sorgt für Unmut bei seinem Agenten Patrick de Koster. „Ich bin wütend darüber,was in dieser Nacht passiert ist“, wird de Koster bei Sky Sports News HQ zitiert. „Es wurde noch keine Entscheidung über Kevins Zukunft in dieser Transferperiode gefällt. Wir müssennoch abwarten, ob Wolfsburg eine Einigung mit einem anderen Klub erzielt.“

20. August

Die englische Boulevardzeitung Sun berichtet ohne Angabe von Quellen, dass der Mega-Transfer zu Manchester City über die Bühne gehen soll. Dafür werde De Bruyne am Samstag mit dem Privatjet nach Manchester fliegen. „Das treibt seltsame Blüten, wenn schon Abflugzeiten bekannt gegebenwerden und sich das Empfangskomitee in Bewegung setzt“, sagte Allofs am Donnerstag und stellte klar, dass der Belgier in Köln spielen werde: „Natürlich ist er dabei.“

22. August

„Wir sind alle recht gelassen. Die Tatsache, dass Kevin in der Startformation steht, zeigt, dass die ganzen Spekulationen alle zuverfrüht sind“, sagte Allofs vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Köln im Sky-Gespräch: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht alles kommentieren. Es ist ein bisschen zu viel Dynamik reingekommen. Wir fahren das jetzt mal runter.“

24. August

Der FC Bayern dementiert einem Bild-Bericht, nach dem De Bruyne zum Rekordmeister wechseln wolle. „Wir werden da definitiv nicht aktiv werden. Das hat der Vorstand schon vor längerer Zeit entschieden“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Montag auf SID-Anfrage.

25. August

Der Poker um Kevin de Bruyne kann im Extremfall bis zum frühen Dienstagabend dauern. Zwar läuft die Frist für die Meldung von Wechseln zu deutschen Klubs durch die DFL schon am Montag (31. August) um 18.00 Uhr ab, doch ist das Transferfenster im englischen Fußball noch 25 Stunden länger bis Dienstagabend um 19.00 Uhr geöffnet. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt also müsste Englands Ex-Meister Manchester City sowohl mit de Bruyne als auch mit den Wölfen eine Einigung auf einen Wechsel erzielt und den Transfer beim englischen Verband gemeldet haben.

26. August

Der Rekordtransfer von De Bruyne zum englischen Spitzenklub Manchester City steht laut Medienberichten unmittelbar vor dem Abschluss. Wie die Wolfsburger Allgemeine und das Fachmagazin kicker am Mittwochabend meldeten, sei der Durchbruch bei den Verhandlungen kurz zuvor erfolgt. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, schon am Donnerstag soll der Wechsel nach SID-Informationen offiziell verkündet werden.

27. August

VfL-Sportdirektor Klaus Allofs dementierte am Donnerstag Medienberichte über eine Einigung mit Manchester City. „Stand heute ist er Spieler des VfL Wolfsburg“, sagte er.  Allofs bestätigte allerdings Verhandlungen mit dem Club aus der Premier League.

28. August

Kevin De Bruyne sieht den 3:0 Heimsieg des VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 von der Tribüne aus. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Wechsel unmittelbar bevorsteht.

30. August

Deutschlands Fußballer des Jahres wechselt endgültig für die Bundesliga-Rekordsumme von rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City in die englische Premier League. Am Sonntag bestätigten beide Clubs das gigantische Geschäft.

Wie aus in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichten jüngsten Daten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hervorgeht, stellten die britischen Topklubs mit geschätzten Ausgaben von rund 1,185 Milliarden Euro erneut einen Transfer-Rekord auf. Die Fußball-Erstligisten von der Insel übertrafen damit in der abgelaufenen Sommer-Wechselperiode, die am Dienstagabend endete, die Bestmarke aus dem Vorjahr um rund 48 Millionen Euro.

Ein Rekord mit zehn Ziffern vor dem Komma. Die britischen Klubs agieren damit zumindest finanziell in einer anderen Liga als ihre deutschen Rivalen. Teuerster Einkauf war demnach Deutschlands Fußballer des Jahres Kevin De Bruyne, der für knapp 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City wechselte. City gab insgesamt 218 Millionen Euro für neue Profis aus.

Premier League: Eine Liga im Kaufrausch

Premier League

Premium Eine Liga im Kaufrausch

Die Premier League sorgt mit dem Wechsel von Kevin De Bruyne auf die Insel nicht nur für Rekorde in der Bundesliga. Sie zwingt die deutschen Vereine auch, die Gagen ihrer umworbenen Topspieler in neue Höhen zu treiben.

Zum Vergleich: Die gesamte Bundesliga investierte den Angaben zufolge lediglich knapp das Doppelte dieser Summe: 395 Millionen Euro. Und der Wettbewerbsnachteil der Bundesliga wird in den kommenden Jahren voraussichtlich noch größer werden: Mehr als drei Milliarden kann die Premier League demnächst pro Saison verteilen. Die Bundesliga wird bis zum Auslaufen der derzeitigen Verträge 2017 lediglich ein Viertel davon ausschütten.

Kommentare (1)

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Herr Herbert Wolkenspalter

02.09.2015, 12:45 Uhr

• Die Qualität einer Mannschaft steigt nicht automatisch propotional zu ihren Investitionen.

• Dass aus hochklassigen Spielern eine hochklassige Mannschaft wird, ist keine Geldfrage und auch sonst kaum zu erzwingen.

• Wer einen sündhaft hohen Preis für einen Spieler bezahlt, wird kaum denselben Preis wieder zurückbekommen.

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